KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 21 • 2018 • Jg. 41 [16] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ThemaKulturation 2/2003
Deutsche Kulturgeschichte nach 1945 / Zeitgeschichte
Sarah Jost
"Unser Lied ist unser Kampf"
Das Festival "Politische Lieder zu den X."
"Das Lied", schreibt Lutz Kirchenwitz, "spielte in der DDR eine große Rolle (...). Es wurde ernst genommen, hoch geschätzt und gefürchtet (...)." /1/ Diesen Stellenwert erreichte das politische Lied während der 60er Jahre. 1960 fanden unter dem Einfluss amerikanischer Folk- und Protestsongs die ersten Hootenannies statt, in denen Jugendliche in Wandervogel-Manier gemeinsam Musik machten, diskutierten, feierten. Zentral war das Bestreben, Politisches vom Sockel des Religiösen wieder in die alltägliche Realität zu holen. /2/ Durch den Jugendsender DT 64 fand die Mischung aus Folk, Rock, Jazz und Skiffle erhöhte Verbreitung. Die Führung der FDJ verfolgte diese Entwicklung aufmerksam. 1966 faßte der Zentralrat einen "Beschluss zur Entwicklung der Singebewegung", in dem man eine strikte pro-sozialistische Ausrichtung forderte. Dennoch warnte der Zentralrat in der Folgezeit immer wieder vor Tendenzen zur Verselbständigung. Ab 1967 formierten sich tausende Singegruppen im ganzen Land. Im selben Jahr nannte der 1966 gegründete Berliner Hootenanny-Klub sich in Oktoberklub um. Als solcher veranstaltete er in den Folgejahren die Festivals des politischen Liedes. /3/ Ihren Höhepunkt erreichte die Singebewegung zwischen 1971 und 1973, also zur Zeit des Machtwechsels Ulbricht – Honecker und der Weltfestspielvorbereitung /4/. Das eigentlich vierte Festival des politischen Liedes fand als Liedfestival "Politische Lieder zu den X.", kurz PLX, innerhalb der Weltfestspiele statt. Ich möchte im Folgenden die Wirkung, die die Weltfestspiele auf Singebewegung und Festival hatten, untersuchen. Da in der mir zur Verfügung stehenden Sekundärliteratur den Ereignissen auf den PLX bisher relativ wenig Raum gewährt wurde, werde ich außerdem diese ausführlicher darstellen.


1. Das Festival des politischen Liedes seit 1970

Das Festival des politischen Liedes wurde von Mitgliedern des Oktoberklubs, die sich "für eine neue politische Kultur im realen Sozialismus engagieren wollten" /5/, initiiert. Anfang der 70er Jahre stellte es für viele eine "linke kreative Insel" /6/ dar, auf der Dinge ausprobiert werden konnten, die bis dahin in der DDR nicht üblich gewesen waren. Von 1970 bis 1990 fand das Festival einundzwanzig mal statt. Hauptveranstalter waren zunächst der Oktoberklub und die FDJ-Bezirksleitung Berlin, erst 1975 der FDJ-Zentralrat. Anfangs präsentierten noch 12 Musiker und Bands aus 6 Ländern vor 3000 Zuschauern ihr Programm. Bereits in seinen Kinderschuhen zeichnete sich das Festival durch ein besonderes Profil aus. Regina Scheer fasste den Grundgedanken wie folgt zusammen: "Sicher ist: Von Anfang an haben wir uns im Oktoberklub für die Lieder anderswo interessiert (...). So wie wir wissen, dass unsere Singebewegung nicht zufällig entstand, (...) ist uns auch klar, dass die Lieder, die man in anderen Ländern singt, Ausdruck konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse sind (...). Wir wollen mehr wissen über diesen Kampf und diese Lieder." /7/ Das Festival war eine Bühne für internationalen Austausch. Fast jedes Jahr gab es einen zeitgeschichtlichen Bezug (so 1974 beim 4. Festival der Putsch in Chile) und immer wurde die Musik von inhaltlichen Diskussionen begleitet, die sich um Themen wie "Das Lied im Klassenkampf" oder "Pop – Protest, Profit, Manipulation" drehten. /8/


2. Die kulturpolitische Konzeption der X. Weltfestspiele

Das Kulturprogramm sollte
"(...) von der Solidarität der fortschrittlichen Jugend aller Kontinente im antiimperialistischen Kampf, von ihrem Streben nach Frieden und ihrer Freundschaft künden. (...) Dabei gehen wir von dem Bestreben aus, zu verdeutlichen und künstlerisch umzusetzen, dass die drei mächtigen revolutionären Ströme der Gegenwart – das sozialistische Weltsystem, die internationale Arbeiterbewegung und die nationale Befreiungsbewegung – die Entwicklung der Menschheitsgeschichte bestimmen und dass dabei die Länder des Sozialismus, insbesondere die Sowjetunion, die Hauptkraft sind." /9/

Den Jugendlichen sollte außerdem genügend Raum für einen Austausch bei kulturellen Treffen gewährt werden. /10/ Es wurde betont, dass "die künstlerische Umsetzung dieser Konzeption (...) vor allem mit den Mitteln des Liedes (...) erfolgen [muss]." /11/


3. Das Liedfestival "Politische Lieder zu den X."

3.1 Konzeption und Vorbereitung des Festivals


Die PLX sollten eine "einmütige Anklage gegen den Imperialismus (...)", eine "(...) Manifestation des proletarischen und sozialistischen Internationalismus" sein. /12/ Die Veranstaltungen sollten dem Austausch zwischen den Teilnehmern zur ideologischen Klärung von Grundfragen und künstlerischen Bereicherung dienen. /13/ Um diese Ziele zu erreichen, sollte "eine Auswahl bedeutender, von revolutionärem Kampfgeist und Optimismus getragener Lieder (...)" /14/ vorgetragen und gemeinsam gesungen werden. Die Gruppen und Solisten, "die (...) das politische Lied als Waffe verstehen und gebrauchen" /15/, wurden durch die Nationalen Festivalkomitees ausgewählt. Mit der Durchführung der PLX wurde der Oktoberklub beauftragt, der sich auch bemühte, bereits bekannte Künstler wie z.B. Dieter Süverkrüp zu engagieren. /16/ Zur Vorbereitung wurde innerhalb des Org.-Komitees eine Liedgruppe unter der Leitung Reinhold Anderts gebildet. Diese veröffentlichte z.B. die "Agitprobe 73" /17/. Aus über 1500 Einsendungen von bekannten und unbekannten Künstlern wurden u.a. dafür Beiträge ausgewählt. Die veröffentlichten Lieder schworen ihre Rezipienten auf die bevorstehenden Welfestspiele ein.

In der Jungen Welt heißt es dazu: "Es ist schon beachtlich, was unsere Gruppen und Komponisten in den vergangenen sieben Monaten so alles zu Papier und zum Klingen gebracht haben. Natürlich dominieren Titel mit Festivalthematik. (...) Die Texte sind politisch engagiert, konkret in ihrer Aussage, sind witzig und heiter." /18/ Manche Texte wie Kurt Demmlers "Hamse nicht noch ein Quartier für die X. Weltfestspiele?" waren dem FDJ-Zentralrat gar zu witzig. Auf dem besten Weg, ein Hit zu werden, wurde das Lied per zentraler Anweisung von einem auf den anderen Tag in allen Medien gesperrt. Paul Dessaus "Die junge Welt ist in Berlin zu Gast", das der Autor Erich Honecker widmete, wurde dagegen zu DEM Festivallied erklärt. /19/ Reinhold Andert, der Oktoberklub und andere weigerten sich übrigens, dieses Lied zu singen.

Der Oktoberklub und 9 weitere Singegruppen und Solisten vertraten die DDR bei den PLX. Im Vorfeld nahmen die besten Singeklubs jedes Bezirks an einer zentralen Werkstattwoche in Berlin teil. Ihre dort gewonnenen Erkenntnisse gaben an jeden Klub ihres jeweiligen Bezirks weiter. /20/ Diese Werkstätten waren für die FDJ auch ein Mittel, die Teilnehmer im Hinblick auf die bevorstehenden Festspiele politisch-ideologisch, aber auch künstlerisch zu festigen. /21/ Bis kurz vor den Weltfestspielen war schließlich die Zahl der Singeklubs auf ca. 4500 angewachsen. Die Mobilisierung der Jugend schien also gelungen. Die FDJ wertete diese zahlreichen kulturellen Initiativen als einen "Aufschwung im geistig-kulturellen Leben unserer FDJ-Gruppen und Grundorganisationen" /22/.


3.2. Die Tage des politischen Liedes während der Weltfestspiele

"Kämpfen und singen – das war schon immer eins." /23/ Mit diesen Worten kommentierte Margot Schröder in der Jungen Welt die Eröffnung der PLX, die am 29. Juli 1973 in der Werner-Seelenbinder-Halle stattfand. Dort sollten "(...) vorwiegend bekannte, massenwirksame und zum Mitsingen anregende Lieder zum Vortrag gebracht" /24/ werden. Teilnehmer dieser Eröffnungsveranstaltung waren Gruppen aus der Sowjetunion, Jugoslawien, Vietnam, Chile, der CSSR, Kuba, Puerto Rico, Italien, Frankreich, Schweden, der BRD, Guinea und der DDR. Als Solisten traten Perry Friedmann (Kanada) und Dr. Rhupen Hazarika (Indien) auf. /25/ Mit deutlichem Schwerpunkt auf den sozialistischen Ländern waren also alle drei revolutionären Hauptströmungen vertreten. In den folgenden Tagen bis zum 5. August fanden täglich von 11.00-24.00 Uhr auf der Freilichtbühne in der Weydinger Straße und in der Volksbühne Konzerte statt. Journalisten des Neuen Deutschland beschrieben die Atmosphäre folgendermaßen: "Jeder Sitz- und Stehplatz ist hier gefragt. Junge Leute erklimmen sogar Bäume und Dächer. Die Singegruppen und Solisten werden stürmisch begrüßt, ihre Lieder mitgesungen." /26/ Mitsingen war deshalb möglich, weil unter den Zuschauern (übersetzte) Texte und Noten verteilt worden waren. Auch im Abschlußbericht der Liedgruppe heißt es: "Das Publikum war stets sehr zahlreich und interessiert. (...) Manchmal hätte man sich jedoch mehr Differenziertheit in der Dosierung des Beifalls gewünscht." /27/ Insgesamt traten 103 Gruppen und Solisten aus 45 Ländern vor 172.000 Zuschauern auf – diese Dimensionen übertrafen die anderen Festivals des politischen Liedes bei weitem. /28/ Zahlenmäßig am stärksten vertreten war die internationale Arbeiterbewegung, gefolgt vom sozialistischen Weltsystem und den nationalen Befreiungsbewegungen. /29/ Für viele war es der erste Auftritt auf einem internationalen Festival dieser Größenordnung, z.B. für die Gruppe Taoné aus Puerto Rico oder Inti Illimani aus Chile. Aber auch von früheren Festivals bekannte Gruppen wie die schwedische Fria Proteatern fanden ihr Publikum. Die DDR ließ u. a. Kurt Demmler, die Klaus-Renft-Combo und Reinhold Andert auftreten. Aus der BRD reisten u.a. Floh de Cologne, Franz-Josef Degenhardt und Dieter Süverkrüp an. Die musikalische Bandbreite der Beiträge reichte vom Chanson über Beat bis hin zur Folklore. /30/ Rund um die Konzerte wurden Diskotheken, eine Klubgaststätte, eine Ausstellung zur Geschichte der Singebewegung, Songklubs, Workshops zur Liedinterpretation und Diskussionsveranstaltungen zu Themen wie "Politisches Lied und politische Massenarbeit" veranstaltet. /31/ Bei der Abschlussveranstaltung in der Werner-Seelenbinder-Halle sollten "die wirksamsten und erfolgreichsten Lieder noch einmal [erklingen] – besonders (...) solche, die das Publikum zum Mitsingen anregen und ein starkes emotionales Erlebnis bewirken." /32/

Es gelang: Die PLX mit ihrem "betont improvisierten Charakter" /33/ waren am Ende ein beeindruckendes Openair-Festival für alle Beteiligten. Die Gruppe Quinteto Tiempo aus Argentinien schrieb an den Oktoberklub: "Dank euch für eure Organisation (...). Ihr habt uns viel Kraft gegeben, dass wir weiterkämpfen können." /34/ Und weiter: "Unsere nächste Aufgabe, mit der wir schon angefangen haben, ist, das X. Festival bekannt zu machen. (...) Wir berichten über das Festival und auch über den Sozialismus in der DDR." /35/


4. Die katalysatorische Wirkung der X. Weltfestspiele

4.1 Festival des politischen Liedes


Quinteto Tiempos Aussage legt die Annahme nahe, die PLX hätten zu einer internationalen Etablierung des Festivals des politischen Liedes geführt. Bestärkt wird dies durch die finnische Zeitung Helsingin Sanomat, die 1974 Berlin als die "Hauptstadt auch des politischen Liedes der ganzen Welt" /36/ bezeichnete. 1980 konstatierte der amerikanische Pianist Frederic Rzewski: "Dieses Festival hat die Potenz, der interessanteste internationale Schauplatz der fortschrittlichen Musik zu werden." /37/

Für manche Bands waren die Weltfestspiele eine Art Initialzündung. Inti Illimani aus Chile, 1973 zum ersten Mal auf einem Festival in der DDR, traten bis 1990 noch fünfmal in Berlin auf. Auch Floh de Cologne, 1973 ebenfalls zum ersten Mal dabei, kamen bis 1981 fünfmal wieder und standen darüber hinaus auch in schriftlichem Kontakt mit dem Oktoberklub. Ähnlich verhielt es sich mit der finnischen Band Agit-Prop. /38/ Im Verlauf der 70er Jahre wurde auch das Interesse offizieller Stellen größer: 1974 schickten die sozialistischen Jugendverbände erstmals Beobachterdelegationen, 1975 schlossen sich westdeutsche Verbände an. /39/ Die Veröffentlichungen der Plattenlabels Amiga und Eterna schließlich bestätigen die katalysierende Funktion der Weltfestspiele: Von insgesamt 69 Veröffentlichungen internationaler Teilnehmer sind nur sechs aus den Jahren vor 1973. /40/

In der DDR förderten die Weltfestspiele die Institutionalisierung des Festivals. Bereits 1974 wurde eine zentrale Koordinierungsstelle im Haus der jungen Talente gegründet. 1981 wandelte die FDJ sie in ein hauptamtliches Koordinationsbüro um. Die finanzielle Unterstützung war zu diesem Zeitpunkt mit rund 1Mio Mark erheblich. /41/ Dies bedeutete aber auch, dass das Festival sich allgemeinen außenpolitischen Interessen unterzuordnen hatte. Konkret hieß das, dass die Sowjetunion und ihre Bruderländer im Programm in den Vordergrund zu stellen waren. Häufig erwies sich dies aber als musikalisch unmöglich, denn die wirklich guten Künstler kamen meist aus lateinamerikanischen oder westeuropäischen Ländern /42/ - eine Entwicklung, die sich bereits bei den PLX abgezeichnet hatte. Auch dort war es nicht möglich gewesen, die Rolle des sozialistischen Lagers mit den Mitteln des Liedes transparent zu machen, obwohl die Liedgruppe ihm eine musikalische Weiterentwicklung konstatiert hatte. /43/ Dissidenten oder unsichere Kandidaten aus dem Westen fanden ebenfalls keinen Platz im Programm. /44/

In die positive Bewertung des Festivals mischten sich so auch andere Stimmen. Reginald Rudorf stellte 1976 fest, dass "(...) Klassenkampfplatitüden und pseudofolkloristische Sangesschablonen das 6. Politische Liedertreffen (...)" beherrschten. /45/ Der englische Liedermacher Leon Russelson sprach 1986 dem Festival jeden politischen Inhalt ab und bezeichnete das Eröffnungskonzert als "manipulativ und selbstbeweihräuchernd". /46/ Olaf Schäfer kommt zu dem Schluss, das Festival des politischen Liedes sei eine perfekte Propagandaveranstaltung gewesen, eine "Spielwiese, in deren abgesteckten Grenzen sich die Folk- und Liedermacherszene ‚austoben? durfte." /47/ Dennoch strömten bis 1990 durchschnittlich 50.000 Zuschauer zum Festival. Denn es war für viele Jugendliche, Liedermacher und Mitarbeiter ein Fenster zur Welt: "Die Hunderte, die vor der Tür standen und hineinwollten (...), die sich meldeten und mitarbeiten wollten – von Jahr zu Jahr wurden es mehr –, die haben ja auch diese Sehnsucht gehabt nach Weltoffenheit, nach Kontakten (...). Das war also wie die Weltfestspiele, das hatte auch einen gewissen Rausch (...)" /48/


4.2 Singebewegung

Eine ähnliche Wirkung der Weltfestspiele auf die Singebewegung blieb aus. So erwies sich der Aufschwung, den die FDJ in der Vorbereitungsphase der PLX gesehen hatte, bald als eine falsche Annahme. Schon kurz vor den Weltfestspielen war die Singebewegung unter Jugendlichen auf relativ hohe Ablehnung gestoßen. Rundfunkumfragen von 1974 besagten, dass das Interesse am politischen Lied bei 15- bis 18-jährigen 1971 bei 10% gelegen hatten. 1974 lockte es nur noch 5%. Die Singebewegung selbst zog 1973 nur noch 9% aller Neunt- und Zehntklässler an, bis 1979 sank die Zahl der Interessierten auf 2%. Vor allem agitatorische Lieder seien "marschartig", "politische Propaganda", "nur für Funktionäre". /49/ Nachdem die Euphorie der Weltfestspiele vorbei war, war es auch mit dem "Vorzeigeobjekt der Partei" /50/ so gut wie vorbei. Außerhalb des "Ghetto[s] der Singebewegung" /51/, wie es Hans-Eckardt Wenzel 1992 formulierte, entwickelte sich im Laufe der 70er Jahre eine eigenständige Liedszene, in der Liedermacher, Liedtheater und Folkloregruppen dominierten.

5. Schluß

Ich möchte noch einmal zusammenfassen. Das Festival des politischen Liedes, aus der Singebewegung entstanden, zeigte sich in seinem Profil als idealer Programmpunkt für das Kulturprogramm der X. Weltfestspiele. Weswegen sich übrigens auch die DDR-Medien ab 1972 dafür zu interessieren begannen. Vieles, wie z.B. die Diskussionsrunden, wurde aus dem ursprünglichen Konzept übertragen. Andererseits wurde das Festival durch die Weltfestspiele auch stärker institutionalisiert. Die Singebewegung selbst konnte von dem Erfolg der PLX nicht profitieren. Sie beheimatete fortan "Kaisergeburtstagssänger", wie Wolf Biermann es einmal ausdrückte. Das Festival des politischen Liedes bezog seine Attraktivität aber weiterhin aus dem, was u. a. auch die Weltfestspiele ausgezeichnet hatte: Die DDR-Jugend kam zwar nicht in die ganze Welt, aber die Welt kam in die DDR.



Anmerkungen

1 Lutz Kirchenwitz, Liedermacher, Folkszene und Singebewegung in der DDR, in: Friedrich-Ebert-Stiftung (Meck.-Pomm.), Lied und soziale Bewegung e.V. (Hgg.), Lieder aus einem verschwundenen Land, Berlin 1999, S. 4-13, hier: S. 4.
2 Lutz Kirchenwitz, "Auferstanden als Ruine"? Das Berliner Festival des politischen Liedes 1970-1990 und 2000, in: Deutschland-Archiv 33 (2000), S. 923-33, hier: S. 924. (im Folgenden: Kirchenwitz 2000)
3 Heike Krause, Chansons im Blauhemd – der Oktoberklub, Essay aus dem Hauptseminar Alltags-, Feier-, Breiten- und Subkultur in der SBZ/ DDR an der HU Berlin im Wintersemester 02/03.
4 Kirchenwitz, Die FDJ und "ihre" Singebewegung, in: Helga Gottschlich (Hg.), "Links und links und Schritt gehalten...". Die FDJ: Konzepte – Abläufe – Grenzen, Berlin 1994, S. 326-33, hier: S. 331. (im Folgenden: Kirchenwitz 1994)
5 Kirchenwitz 2000, S. 924.
6 Lutz Kirchenwitz, Folk, Chanson und Liedermacher in der DDR. Chronisten, Kritiker, Kaisergeburtstagssänger, Berlin 1993, S. 69. (im Folgenden: Kirchenwitz 1993)
7 Zit. nach Lied und soziale Bewegung e.V. (Hg.), Rote Lieder. Festival des politischen Liedes Berlin/DDR 1970-1990, Berlin 1999, S. 2. (im Folgenden: Lied 1999)
8 Ebd., S. 2-7.
9 Kulturprogramm der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten vom 28. Juli bis 5. August 1973 in der Hauptstadt Berlin, nicht datiert, SAPMO-BArch DY 24/7189, S.1.
10 Ina Rossow, "Ketten werden knapper"? Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 im Zeichen scheinbarer Liberalität, Magisterarbeit, Leipzig 2000, S. 44. (im Folgenden: Rossow 2000)
11 Org.-Komitee X. Weltfestspiele, Kulturpolitische Grundkonzeption für das Nationalprogramm der DDR zu den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 in Berlin, nicht datiert, SAPMO-BArch DY 24/7213.
12 Org.-Komitee X. Weltfestspiele, HA Kulturveranstaltungen, Tage des politischen Liedes, Konzeption (handschriftl.: der AG Programmgestaltung) zur Vorbereitung und Durchführung der "Tage des politischen Liedes", 16.10.1972, SAPMO-BArch DY 24/7178, S. 1. (im Folgenden: Org.-Komitee, Konzeption)
13 Ebd., S. 1.
14 Ständige Kommission, Rahmenprogramm, S. 1.
15 Ebd., S. 1.
16 Interview mit Lutz Kirchenwitz, 22.7.2003.
17 Kirchenwitz 1993, S. 62.
18 Junge Welt, 1.8.1973, S. 6.
19 Kirchenwitz 1993, S. 62f.
20 Ebd., S. 1.
21 Rossow 2000, S. 54.
22 Junge Welt, 24.7.73, zit. nach Rossow 2000, S. 53.
23 Margot Schröder, "Viel Beifall für Lieder und ihre Interpreten", Junge Welt, 30.7.1973, S. 5.
24 Ständige Kommission, Rahmenprogramm, S. 2.
25 Programm des Liedfestivals "Politische Lieder zu den X.", 10.7.73, SAPMO-BArch DY 24/7178, S. 1.
26 Martin Köhler, Hans-Joachim Kynaß, zit. nach Lied 1999, S. 9.
27 Org.-Komitee X. Weltfestspiele, HA Kulturelle Veranstaltungen, Liedfestival PLX, Abschlußbericht, 9.8.1973, SAPMO-BArch DY 24/7178, S. 1.
28 E-mail von Lutz Kirchenwitz an Sarah Jost vom 31.7.2003, 12.45 Uhr.
29 Anlage zum Abschlußbericht: "Folgende Gruppen und Solisten haben am Liedfestival ‚Politische Lieder zu den X.’ teilgenommen", SAPMO-BArch DY 24/7178, S. 1-3.
30 Org.-Komitee, Abschlußbericht, S. 2.
31 Lied 1999, S. 8.
32 Ebd., S. 3.
33 Org.-Komitee, Abschlußbericht, S. 1.
34 Brief der Gruppe Quinteto Tiempo an den Oktoberklub, zit. nach Lied 1999, S. 8.
35 Zit. nach Lied 1999, S. 8.
36 Kirchenwitz 1993, S. 67f.
37 Ebd., S. 74.
38 Lied 1999, 2. Umschlagsseite.
39 Ebd., S. 10ff.
40 Ebd., Diskographie: Internationale Teilnehmer auf DDR-Langspielplatten
41 Kirchenwitz 1993, S. 75.
42 Ebd., S. 75f.
43 Abschlußbericht, S. 2.
44 Kirchenwitz 1993, S. 77.
45 Zit. nach ebd., S. 15.
46 Zit. nach Kirchenwitz 1993, S. 77.
47 Olaf Schäfer, Pädagogische Untersuchungen zur Musikkultur der FDJ. Ein erziehungswissenschaftlicher Beitrag zur Totalitarismusforschung, Berlin 1998, S. 313ff., zit. nach Lied 1999, S. 50.
48 Regina Scheer in: "Sag mir wo du stehst", Film des MDR-Fernsehens von Axel Grote und Christian Steinke, 1993, zit. nach Lied 1999, S. 50.
49 Kirchenwitz 1993, S. 64.
50 Ohse, Jugend, S. 350.
51 Hans-Eckardt Wenzel, zit. nach Kirchenwitz 1994, S. 331.