KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ThemaKulturation 2/2003
Deutsche Kulturgeschichte nach 1945 / Zeitgeschichte
Christoph Ochs
Aktion „Banner“.
Operativer Einsatz, Taktik und Strategie des MfS während der X. Weltfestspiele 1973
Aktion „Banner“. Operativer Einsatz, Taktik und Strategie des MfS während der X. Weltfestspiele 1973 Einleitung

Toleranz, das war ein Wort, welches im Sprachgebrauch der Staatssicherheit normalerweise nicht vorkam. Beschäftigt man sich jedoch mit dem Einsatz der Staatssicherheit während der Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele von 1973, stolpert man verdächtig oft über diese Vokabel, die dabei in mehreren Steigerungsformen, bis hin zur ‚größtmöglichen Toleranz’, gebraucht wurde.

Die X. Weltfestspiele fanden in einer Zeit der Annäherung zwischen West und Ost statt. Die Politik der SED unter Führung Erich Honeckers war seit 1971 auf die internationale Anerkennung der DDR ausgerichtet. Ziel war es, die außenpolitische Isolation zu durchbrechen und aus der verstärkten internationalen Anerkennung gleichzeitig innenpolitische Legitimation zu gewinnen. Die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten entspannten sich zu Beginn der siebziger Jahre, was 1972 seinen Ausdruck im Grundlagenvertrag zwischen DDR und Bundesrepublik fand. Eine Gruppe von 15 vorwiegend westlichen Staaten, darunter Großbritannien, die USA und Frankreich, nahmen 1973 diplomatische Beziehungen zur DDR auf. Den Höhepunkt fand diese Politik im September 1973 durch die Aufnahme der DDR in die Vereinten Nationen.

Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten dienten der DDR-Führung dazu, der Welt das Bild eines liberalen, toleranten und weltoffenen Staates zu vermitteln. Gleichzeitig sollte durch die Weltfestspiele dokumentiert werden, dass die Jugend der DDR voll hinter der Politik seiner Partei- und Staatsführung steht.

Vom 28. Juli bis zum 5. August 1973 tummelten sich mehrere hunderttausend Jugendliche aus der ganzen Republik und über zwanzigtausend ausländische Gäste in Berlin, der Hauptstadt der DDR. Es war ein buntes Treiben auf den Strassen und Plätzen der Stadt, und ein Hauch von Weltläufigkeit lag in der Luft. Die Weltfestspiele boten für die DDR-Jugend eine einmalige Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit gleichaltrigen Jugendlichen aus aller Welt. Abseits der offiziellen Veranstaltungen wurden Kontakte geknüpft und bis in die frühen Morgenstunden miteinander diskutiert. Augenscheinlich unbehelligt von Polizei und Staatssicherheit genossen die Jugendlichen die ihnen für die Zeit der Weltfestspiele gewährte Freizügigkeit.

Was für den Betrachter von außen allerdings im Verborgenen blieb und auch bleiben sollte, war das ausgeklügelte System der Kontrolle und Überwachung, welches die Staatssicherheit, in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei, wie ein Netz über die Weltfestspiele legte. Dabei gehörte es zur Taktik des MfS, sich bewusst im Hintergrund zu halten zunächst nur zu beobachten und zu dokumentieren, denn der Einsatz des MfS bei den Weltfestspielen wurde durch die neuen außenpolitischen Bedingungen geprägt. Die Staatssicherheit bediente sich daher einer Doppelstrategie. Sie wurde schon im Vorfeld aktiv, um sich dann während der Weltfestspiele auf die Kontrolle und Überwachung zu beschränken. Ein offenes Eingreifen war wegen des starken öffentlichen Interesses, welches die Weltfestspiele auch im Ausland fanden, nur im äußersten Notfall vorgesehen. Auf einen Nenner gebracht bedeutete dies, Repressionen im Vorfeld und größtmögliche Toleranz während der Weltfestspiele. Staatssicherheitsminister Erich Mielke umriss die Strategie und die Taktik des MfS kurz vor den Weltfestspielen wie folgt: „Im übrigen haben wir klar orientiert, dass man sich als Kommunist, als Tschekist diesmal wie die 3 Affen verhalten muss und trotzdem sehen, hören und richtig und konsequent handeln, wo es sein muss.“ /1/

Auf der Grundlage der von der Staatssicherheit erstellten Befehle, Weisungen und Maßnahmenpläne soll im Folgenden ein grober Überblick über den operativen Einsatz, die Taktik und die Strategie der Staatssicherheit während der X. Weltfestspiele gegeben werden. Die Darstellung soll auch Anregungen zur weiteren Forschung zu diesem Thema geben. Weitere detaillierte Untersuchungen zur Kontrolle und Überwachung der ausländischen Delegationen, besonders zur Rolle der Hauptverwaltung Aufklärung, wären wünschenswert. Darüber hinaus bieten auch das präventive Vorgehen der Staatssicherheit und der Einsatz von Inoffiziellen Mitarbeitern weitere Möglichkeiten zu Spezialuntersuchungen.


1 Der Einsatz des MfS zu den Weltfestspielen

Aus den Akten geht hervor, dass das MfS mit massiven Störungen sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung der Weltfestspiele rechnete. Es wurde ein ganzer Katalog möglicher Störungen und Provokationen aufgestellt. Danach befürchtete das MfS vor allem Provokationen gegen die Staatsgrenze der DDR, das Umfunktionieren des politischen Inhalts der Weltfestspiele und die Verbreitung feindlicher Theorien und Ideologien durch Hetz- und Propagandamaterialien. /2/ Nach den Informationen des MfS bereiteten sich besonders ausgewählte und geschulte Personen aus der Bundesrepublik darauf vor, Kontakte zu DDR-Bürgern zu knüpfen, um diese negativ zu beeinflussen und zu Provokationen anzustacheln. Befürchtet wurde auch die massive Einreise von links- und rechtsextremistischen Kräften aus Westberlin, um ihre feindlichen Ideologien unter der Jugend der DDR zu verbreiten. /3/ Ziel dieser feindlichen Kräfte war, nach Meinung des MfS, das Provozieren von Zwischenfällen mit den Sicherheitsorganen der DDR im Zusammenwirken mit negativen Personenkreisen aus der DDR. Veranstaltungen sollten gezielt durch Sprechchöre zu den Themen „Mauerbau“, „Schiessbefehl“ und „Reisefreiheit“ gestört werden. /4/ Ein weiteres Gefahrenpotential vermutete die Staatssicherheit unter der eigenen Jugend. Hier waren die Befürchtungen groß, dass sich Jugendliche ‘zusammenrotten’ könnten, um ihren Unmut über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse auszudrücken. Ob diese Berichte, die von der Staatssicherheit hauptsächlich aus Presse, Rundfunk und Fernsehen der Bundesrepublik und einzelnen IM-Berichten zusammengestellt wurden, ein reelles Bild des Bedrohungspotentials gegen die Weltfestspiele darstellten, darf bezweifelt werden. Dem Leser eröffnen sich geradezu apokalyptische Vorstellungen von Bedrohungen, Provokationen, Störungen und Terror gegen die X. Weltfestspiele. Diese Berichte wirken übertrieben und dienten auch zur Legitimation des eigenen Einsatzes.

Um ein derart großes Gefahrenpotential in den Griff zu bekommen, waren nach Meinung der MfS-Führung auch außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich. Die Staatssicherheit bereitete sich generalstabsmäßig auf ihren Einsatz vor. Es wurde eine besondere Strategie und Taktik entwickelt, die den Einsatz tausender Mitarbeiter notwendig machte.

Der Einsatz der Staatssicherheit sollte auf die spezifischen Bedingungen der Weltfestspiele ausgerichtet, mal verdeckt, an die äußeren Bedingungen angepasst, mal offen und demonstrativ erfolgen. Erich Mielke betonte, dass der Einsatz bei Tag und bei Nacht ununterbrochen zu erfolgen habe./5/ Die Staatssicherheit war von Beginn an in die Vorbereitungen und Durchführung der X. Weltfestspiele integriert. Nichts sollte und durfte den Tschekisten entgehen, so die Maßgabe von Minister Mielke./6/ Auf seinen Befehl hin wurde im April 1973 ein „Plan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele“ erarbeitet, der am 25. Juni 1973 vom Generalsekretär der SED, Erich Honecker, persönlich abgezeichnet und damit bestätigt wurde. Danach erfolgte der Einsatz des MfS unter dem Decknamen „Banner“. Dem Minister für Staatssicherheit wurde die Koordinierung der Zusammenarbeit der bewaffneten Organe übertragen./7/

Aus dem „Gesamtplan“ lässt sich die besondere Rolle des MfS während der Weltfestspiele ablesen, das zwei Aufgabenschwerpunkte zu erfüllen hatte. Einerseits sollte die Sicherheit und der Schutz der Repräsentanten der DDR, der internationalen Ehrengäste sowie der ausländischen Festivalteilnehmer gewährleistet werden. Darüber hinaus hatte das MfS für den Schutz der ausländischen Journalisten, des internationalen Pressezentrums, der Botschaften und anderer diplomatischer Einrichtungen zu sorgen. Auch für die Sicherung und den Schutz sogenannter diversionsgefährdeter Objekte, wie Grenz- und Industrieanlagen, Krankenhäuser und Kraftwerke war das MfS in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee zuständig. Andererseits sollte die Staatssicherheit die „ ... Pläne, Absichten und Maßnahmen feindlicher und negativer Kräfte zur Störung oder Diffamierung der X. Weltfestspiele rechtzeitig und umfassend ... „/8/ aufklären und verhindern, um somit Störungen und Provokationen schon im Vorfeld auszuschließen.


1.1 Mitarbeiter und Ressourcen

Zur Erfüllung dieses Aufgabenkatalogs wurden alle Kräfte der MfS-Verwaltungen von Groß-Berlin, Potsdam und Frankfurt/Oder zur Verfügung gestellt. Dazu kamen 4260 speziell ausgebildete Mitarbeiter und das gesamte Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ mit 3200 Soldaten. Der Staatssicherheit wurden 1500 ausgewählte Mitarbeiter der Volkspolizei unterstellt. Zusätzlich standen die FDJ-Delegation und die Lehrkräfte und Hörer der Juristischen Hochschule der Staatssicherheit als Reserve bereit. Aus allen Bezirken wurden Mitarbeiter nach Berlin abkommandiert. Insgesamt mobilisierte das MfS für die Weltfestspiele 27.096 Mitarbeiter./9/ Bei einer Gesamtzahl von etwa 53.000 hauptamtlichen Mitarbeitern im Jahre 1973 waren etwas mehr als die Hälfte aller MfS Mitarbeiter während der Weltfestspiele im Einsatz./10/ Dazu kamen noch 19.800 Volkspolizisten und 1750 Soldaten der Nationalen Volksarmee, darunter zwei Elitebataillone, drei Fallschirmjägerkompanien, eine gemischte Hubschrauberstaffel und ein mobiler Gefechtsstand. Als Reserven standen 8870 freiwillige Helfer der Volkspolizei und Angehörige des Zentralen Ordnerverbandes bereit./11/ Nach dem Gesamtplan setzten die bewaffneten Organe, inklusive aller Reservekräfte, ca. 60.000 Sicherungskräfte zu den X. Weltfestspielen ein.


1.2 Repressionen im Vorfeld der Weltfestspiele

Die Angst von Partei- und Staatssicherheitsführung vor öffentlichkeitswirksamen, politisch unerwünschten Zwischenfällen ist in den Akten greifbar./12/ Daher wurden die Mitarbeiter immer wieder zur Toleranz ermahnt, aber auch zur absoluten und ‘revolutionären’ Wachsamkeit. Um unliebsame Zwischenfälle von vornherein auszuschließen, durchkämmte das MfS im ersten Halbjahr 1973 zusammen mit der Volkspolizei die gesamte Republik nach möglichen Gefahrenherden. Auf Geheiß des Ministers, sollte alles, was über feindliche Pläne bekannt wird, sofort dem MfS mitgeteilt werden, damit „ ...wir vorbeugend tätig werden können, vorher eingreifen können."/13/

Tausende Jugendliche wurden wegen ihres angeblichen asozialen Verhaltens, ihrer Renitenz gegenüber den Staatsorganen oder wegen ihrer Vorstrafen überprüft bzw. verhaftet. Die Zahlen, welche die immer beflissenen Genossen der Sicherheit ihren Vorgesetzten meldeten, erschrecken den heutigen Leser.

Die Hauptabteilung IX des MfS vermeldete die stolze Zahl von 6.635 eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen asozialen Verhaltens im ersten Halbjahr 1973./14/ Das war ein Plus von 4.632 Ermittlungsverfahren im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Bis zum 23. Juli 1973 wurden 8.995 Personen durch das MfS und die Volkspolizei verhaftet, weil sie angeblich gezielt Straftaten gegen die X. Weltfestspiele vorbereiteten oder zu solchen Personenkreisen gehörten, von denen man annahm, dass sie eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung während der Festspiele darstellen könnten./15/ Bis zur Eröffnung der Feierlichkeiten wurden 553 Personen in psychiatrischen Einrichtungen eingeliefert, 929 verschwanden in Jugendwerkhöfen und 1.453 in Spezialkinderheimen./16/ In den Akten werden solche Maßnahmen als „ ... rechtzeitige Einweisung in Einrichtungen der Volksbildung und des Gesundheitswesens ... „/17/ bezeichnet. Zur Verhinderung von Reisen nach Berlin wurden bis zum 28. Juli mit 21.935 /18/ Personen Gespräche geführt und etwa 30.000 Personen unter Kontrolle genommen./19/ Bis zum Beginn der Weltfestspiele wurden nicht weniger als 5.391 Personen ermittelt, die sich in 955 kriminellen Gruppierungen organisiert haben sollen./20/

Überprüft wurden auch die verschiedenen Festivaldelegationen aus der DDR. Schließlich wollte man für die Festspiele nur Jugendliche nominieren, die den eigenen gesellschaftlichen und politischen Ansprüchen gerecht wurden. Es sollten nur jene, „ ... die von ihrer bisherigen Entwicklung und Haltung weitgehend dafür Gewähr bieten, unsere Republik würdig zu vertreten.“, zu den Weltfestspielen delegiert werden. Nach den Überprüfungen wurden viele Kandidaten unter anderem wegen mangelnder politischer Zuverlässigkeit, Vorstrafen und unmoralischem oder rowdyhaftem Auftreten abgelehnt./21/

Dass die Staatssicherheit keinerlei Risiko eingehen wollte, zeigt sich auch daran, dass ca. 50 000 Personen, die „ ... unmittelbar oder mittelbar mit den ausländischen Teilnehmern in den Objekten, deren Umgebung oder in Betreuerfunktionen in Berührung kommen konnten ... “/22/, vorbeugend überprüft wurden. Auch ausländische Bürger mit ständigem Wohnsitz in der DDR gerieten ins Blickfeld des MfS. Die extra für die Weltfestspiele gegründete ‚Arbeitsgruppe Ausländische Teilnehmer’ erhielt von anderen Diensteinheiten des MfS Informationen über ausländische Bürger in der DDR. Alle politisch-operativ aufgefallenen Ausländer sollten in einer Kartei gespeichert werden, wenn möglich mit Foto./23/ Nun konnte die Manifestation des Friedens und der Völkerverständigung beginnen.


2 Taktik und Strategie des MfS zu den Weltfestspielen

Das MfS befürchtete besonders „Zusammenrottungen“ sogenannter negativer Jugendlicher. Um nicht mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften diese Gruppen auflösen zu müssen, wurde der Einsatz von Ablenkungsmitteln erwogen, wobei die Mitarbeiter der Staatssicherheit eine erstaunliche Phantasie an den Tag legten. So wurde der spontane Einsatz eines Fanfaren- oder Spielmannszuges oder einer Beat-Kapelle angeregt, um solche Gruppierungen zu zerstreuen. Dies führte zu einer erstaunlichen Einsicht auf Seiten des MfS. „Ein Wort eines Mitglieds einer renommierten Beat-Kapelle kann unter Umständen überzeugender sein als ein Appell der Sicherungskräfte.“/24/ Auch andere, besonders phantasievolle Möglichkeiten wurden in Betracht gezogen. So heißt es an selber Stelle: Möglich seien auch „ ... andere kurzfristig zu organisierende Attraktionen, wie z. B. auch eine Flugvorführung, die zwar teuer, aber selbst in einer Grossstadt binnen weniger Minuten zu organisieren ist. Ein Flugzeug- oder Hubschraubereinsatz bietet die Möglichkeit, durch Abwurf einiger die Aufmerksamkeit auf sich lenkender Gegenstände in die Menge Interessen zu wecken (Fallschirme mit Päckchen daran, der Päckcheninhalt könnten billige Gebrauchsgegenstände sein) und durch Fortverlegen der Abwurfstelle die Menge zu zerstreuen.“

Die Einsatzkräfte wurden angewiesen, sich bei „Zusammenrottungen“ zurückzuhalten und Provokateure nur zu beobachten und zu identifizieren. Eine Verhaftung sollte später, von der Öffentlichkeit unbemerkt, erfolgen, um eine Solidarisierung von Umstehenden zu verhindern. Generell galt, dass keine administrativen Maßnahmen bei Demonstrationen im Stadion und anderen Festivalorten durchgeführt werden sollten, da zu viel Öffentlichkeit durch Rundfunk und Fernsehen aus dem Ausland bestand.

Auch sollten sich die Mitarbeiter der Staatssicherheit, gekleidet im FDJ-Hemd, in die Gruppe begeben und deren Zusammenhalt auflockern sowie durch kluge Argumentation die „Zusammenrottung“ auflösen./25/ Überhaupt setzte das MfS einen Grossteil der Mitarbeiter als FDJler getarnt ein. Ziel war es, die eingeleiteten Sicherheitsmassnahmen für Außenstehende zu verschleiern und die eigenen Kräfte schnell und überraschend zum Einsatz zu bringen. „Die Sicherungskräfte müssen in der Lage sein, an Diskussionen mit FDJlern und ausländischen Gästen teilzunehmen und dabei konsequent unseren Klassenstandpunkt, die Politik unserer Partei und Regierung vertreten.“/26/

Sprechchöre mit negativem Inhalt sollten durch, wie es hieß, progressive Kräfte, in diesem Fall die FDJ, ins Gegenteil verkehrt werden. Auch der spontane Einsatz von FDJ-Singegruppen zum Übertönen negativer Sprechchöre wurde geplant. Bei sonst unerwünschten Symbolen, Losungen und Porträts zeigte das MfS ebenfalls eine große Toleranz. Nur bei Transparenten und Spruchbändern mit übler Hetze und Diskriminierung sollte eingegriffen werden. Führten Gespräche mit den Trägern solcher unerwünschten Symbole und Losungen nicht zu dem gewünschten Ergebnis, seien diese weiter zu beobachten und zu identifizieren. Gleichzeitig wurde dafür gesorgt, dass zu den Großveranstaltungen geeignete Losungen und Träger bereitstanden, um kurzfristig die nicht gewünschten zu verdecken. Auch hier fehlt der Hinweis an die Sicherheitskräfte nicht, keine Gewalt anzuwenden, da dies dem Charakter der Weltfestspiele widersprechen würde./27/ „Als Grundsatz gilt, marxistische Kräfte bekennen ihren Standpunkt, ohne sich in unüberschaubare Auseinandersetzungen einzulassen.“/28/ Auch der Minister selbst machte sich zu diesem Thema Gedanken. Zu einem möglichen ‚sit in’ vor der Ehrentribüne sagte er: „ ... was kann man machen? Grosses Tuch darüber decken und links und rechts vorbei marschieren usw.“, um dann aber gleich wieder klar zu stellen: „Nur wenn große Störungen verursacht werden, holen wir uns natürlich dann auch die Erlaubnis zum Eingreifen.“ /29/

Die ausgegebene Taktik der größtmöglichen Toleranz führte in der Führung des MfS aber auch zu Bedenken, dass die angestrebte Freizügigkeit in der Meinungsfreiheit während der Weltfestspiele negative Auswirkungen auf die ideologische Standfestigkeit, gerade der jüngeren Mitarbeiter haben könnte. Die neue Taktik stand in scharfem Gegensatz zu den bisherigen Vorgehensweisen der Staatssicherheit. Es wurde Befürchtet, dass die Mitarbeiter in komplizierten Situationen Schwierigkeiten bekommen könnten, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Um dem entgegenzuwirken sollten die Mitarbeiter verstärkt ideologisch geschult werden./30/


2.1 Der Einsatz von Inoffiziellen Mitarbeitern

Schon im Vorfeld der Weltfestspiele wurden die Mitarbeiter angewiesen, die inoffiziellen Kontakte zu intensivieren und detaillierte Einsatzpläne für die IM zu erarbeiten. Diese sollten mittels eines „ ... selbständigen und bewussten operativen Verhaltens und Reagierens [ ... ] zur Erkennung feindliche Absichten und zur Verhinderung ihres Wirksamwerdens ... “ beitragen./31/ Wichtig waren der Staatssicherheit dabei unter anderem Informationen über Kontakthandlungen zwischen DDR-Bürgern und Teilnehmern aus nichtsozialistischen Ländern, besonders solche mit westlichen Journalisten. Zu politischen Veranstaltungen, bei denen das MfS mit Provokationen rechnete, sollten nur solche IM geschickt werden, die auch ausreichend politisch-ideologisch gefestigt waren und über genügend Lebenserfahrung verfügten./32/ Viele der IM-Berichte waren jedoch wenig aussagekräftig und beschäftigten sich eher mit Nebensächlichkeiten wie Wetter und Verpflegungssituation. Kurioserweise schickte die Hauptabteilung II/6 des MfS am 2. August 1973 ihren Gesellschaftlichen Mitarbeiter Sicherheit (GMS) „Jürgen Winter“ zu einem Treffen junger Esperantisten, an dem dieser auch auftragsgemäß teilnahm. Das Ergebnis war jedoch eher mager. „Da dieses Treffen in der Sprache der Esperantisten durchgeführt wurde, konnte der GMS nicht viel verstehen.“/33/ Allerdings stellte das MfS durch die IM-Berichte auch fest, dass es gegnerischen Kräften gelungen ist, eine Reihe von Kontakten zu sogenannten negativen Kreisen in der DDR herzustellen. „Derartige Kontakte bedürfen der weiteren intensiven politisch-operativen Kontrolle und Bearbeitung.“/34/ Betroffen waren besonders kirchliche Mitarbeiter, Journalisten, Künstler und Schriftsteller.

Die Arbeitsgruppe Ausländische Teilnehmer knüpfte ein Netz von Inoffiziellen Mitarbeitern unter den Betreuern und Dolmetschern der Delegationen und setzte insgesamt 428 Inoffizielle Mitarbeiter ein./35/ Im Abschlussbericht wurde stolz vermeldet, dass zu etwa neunzig Prozent aller eingesetzten Betreuer und Dolmetscher inoffizielle Verbindungen bestanden./36/ Diese hatten unter anderem die Aufgabe, das von den Delegationen mitgeführte Material, wie Flugblätter und Broschüren, konspirativ zu kontrollieren und über deren Inhalt Bericht erstatten. Materialien mit diskriminierenden Inhalt sollten durch die Betreuer „scheinbar unabsichtlich“, durch Beschmutzen, das Herbeiführen von Wasserrohrbrüchen oder durch den Einsatz von Säure, unbrauchbar gemacht werden./37/

Die Staatssicherheit nutzte ihren Einsatz bei den Weltfestspielen auch zur Anwerbung neuer Inoffizieller Mitarbeiter. Die ‚Arbeitsgruppe Ausländische Teilnehmer’ übernahm beispielsweise 428 Inoffizielle Mitarbeiter von anderen Diensteinheiten des MfS für ihre Arbeit. Am Ende der Aktion „Banner“ konnte sie die Werbung von 81 neuen Inoffiziellen Mitarbeitern vermelden./38/


2.2 Die ausländischen Festivalteilnehmer

Besonders im Blick der Staatssicherheit standen die ausländischen Teilnehmer der Weltfestspiele. „Der Gegner ist drin (in den Delegationen) oder mischt sich unter die Gruppen, und er wird Provokateure in Aktion treten lassen.“, so jedenfalls die Befürchtung von Stasi-Chef Mielke./39/

Für die Sicherung und Überwachung der ausländischen Delegationen war die ‚Arbeitsgruppe Ausländische Teilnehmer’ verantwortlich. Diese sollte die ausländischen Gäste und deren Unterkünfte politisch-operativ vor terroristischen Anschlägen und Provokationen sichern. Die Arbeitsgruppe entwarf für jede Unterkunft, in der ausländische Gäste untergebracht waren, detaillierte Sicherungskonzeptionen. Die Umgebung dieser Objekte wurden, wie es im Sprachgebrauch der Staatssicherheit hieß, „aufgeklärt“ und die in der unmittelbaren Nähe wohnenden Personen überprüft. Zur besseren Kontrolle wurden verdeckte Beobachtungspunkte eingerichtet und die Einschleusung politisch-operativer Mitarbeiter in die Objekte vorbereitet./40/ Zur Sicherung und Kontrolle der ausländischen Festivalteilnehmer wurden durch Staatssicherheit und Volkspolizei insgesamt 3.410 Mitarbeiter eingesetzt, davon 1.360 durch das MfS./41/

Unter der Absicherung der ausländischen Teilnehmer verstand die Staatssicherheit aber nicht nur deren Schutz vor terroristischen Anschlägen und Provokationen. Sie befürchtete, dass von den ausländischen Delegationen „ ... ideologische Zersetzungsversuche, vor allem zur Verbreitung des Sozialdemokratismus, Maoismus, Nationalismus und anderer feindlicher Ideologien ... „/42/ ausgehen könnten. Kontaktversuche von ausländischen Gästen gegenüber DDR-Bürgern und Teilnehmern anderer sozialistischer Staaten sollten zunächst nur beobachtet und dokumentiert werden, um sie später weiter zu „bearbeiten“. Die Verbreitung von Flugblättern und Broschüren mit ungewolltem politischen Inhalt durch die ausländische Delegationen sollte verhindert werden und schon verteilte Materialien durch die Sicherheitskräfte und die FDJ eingezogen werden.

Politisch-operative Mitarbeiter des MfS wurden mit dem „ ... Ziel der Aufklärung und Bekämpfung feindlicher Konzeptionen des ‚Störens durch Teilnahme’ ... “/43/, als Betreuer für die ausländischen Delegationen eingesetzt. Solche Mitarbeiter wurden auch gezielt in offizielle Funktionen im Organisationskomitee eingeschleust oder arbeiteten in einigen Fällen als Kraftfahrer. Nach den Weltfestspielen stellte die ‘Arbeitsgruppe Ausländische Teilnehmer’ fest, dass sich diese Maßnahmen bewährt hätten und wesentlich mehr Informationen aus erster Hand „abgeschöpft“ werden konnten./44/

Trotzdem sollte gegenüber abweichendem politischen Verhalten von Seiten ausländischer Festivalteilnehmer die „größtmögliche Toleranz“ an den Tag gelegt werden./45/ Ausländische Delegationen wurden bei der Einreise keiner Zollkontrolle unterzogen. Eine Ausnahme bildete nur die Einreise über den Flughafen Schönefeld. Außerdem durften die ausländischen Delegationen die für ihre Tätigkeit notwendigen technischen Mittel, wie Tonband- und Vervielfältigungsgeräte einführen. Das MfS behielt sich jedoch vor, Personen- und Gepäckkontrollen mit sogenannten operativ-taktischen Mitteln durchzuführen, so dass der Kontrollierte davon nichts bemerkte. Ebenfalls unbemerkt wurden Kopien von Passbildern aus den Reisepässen der einreisenden ausländischen Teilnehmer angefertigt, um sogenannte feindlich-negative Personen besser identifizieren und überwachen zu können./46/

Ein Zentraler Einlassverband kontrollierte die Objekte und deren Umgebung, in denen die ausländischen Teilnehmer untergebracht waren. MfS-Mitarbeiter, als FDJler getarnt, sassen an den Rezeptionen und liessen nur diejenigen in die Objekte, die über den richtigen Passierschein verfügten./47/ Somit konnte die Staatssicherheit einerseits für die allgemeine Sicherheit der ausländischen Gäste sorgen, hatte aber gleichzeitig die Möglichkeit, alle Personenbewegungen der ausländischen Gäste zu kontrollieren.

Bei den Großveranstaltungen wurden an den Aufmarschstrecken Dolmetscher eingesetzt, welche die mitgeführten Losungen und Transparente der verschiedenen Delegationen übersetzten und deren Inhalt an die Staatssicherheit weitermeldeten. So konnten unerwünschte Losungen „ ... durch sinnvolles Eingreifen der operativen Kräfte zurückgezogen werden.“/48/ Auch hatte es sich bewährt, Mitarbeiter direkt als Betreuer bei den ausländischen Delegationen einzusetzen, da so eine Führung der Inoffiziellen Mitarbeiter erleichtert wurde.


2.3 Die Sicherung der Grenze

Ein weiteres Problem stellte für die Staatssicherheit die Sicherung der Grenze zu West-Berlin dar. „Der Schiessbefehl wird natürlich nicht aufgehoben. Wir wollen aber nicht, dass jemand erschossen wird. Aber wir müssen vorbeugend so arbeiten, dass uns nichts passiert; dass wir nicht erst schießen müssen.“/49/

Auch hier galt die ausgegebene Taktik, im Vorfeld alles zu prüfen und eventuelle Störungen von Beginn an zu verhindern. Der Schiessbefehl sollte demnach flexibel gehandhabt werden. Tote an der Mauer hätten nicht in das Bild gepasst, welches die DDR der Welt zeigen wollte. Der Minister für Staatssicherheit, Mielke, schlug deshalb Prämien für diejenigen Grenzposten vor, die einen Mann ergreifen, ohne dabei zu schießen. „An der Grenze muss man die Menschen lautlos ergreifen und nicht schießen. Auch was von drüben kommt, so in Empfang nehmen und einlochen ... .“/50/

Für die Führung der Staatssicherheit war klar, dass die westliche Presse, allen voran das Feindbild Nummer eins, die ‘Springer-Presse’, das Grenzproblem aufbauschen würde. Es wurde befürchtete, dass Provokateure zu einem Marsch an die Mauer aufrufen könnten, dem sich dann, wie beim „Schneeballprinzip“, viele anschließen könnten. Das schien für die führenden Genossen ein Alptraum zu sein. Deshalb sollte „ ... alles so geschickt organisiert werden, dass gar nicht erst etwas passiert.“/51/

Die Sicherung der Grenze wurde in enger Absprache zwischen dem MfS, der Volkspolizei und dem Ministerium für Nationale Verteidigung organisiert. So verstärkte die Volkspolizei zu den Weltfestspielen ihre Streifentätigkeit in Grenznähe, und die Grenztruppen erhöhten die Zahl der Grenzposten. Auch sollten während der Weltfestspiele die Wehrpflichtigen an der Grenze zu West-Berlin durch erfahrene Offiziere ersetzt werden. Das eigentliche Problem schien nicht in der Möglichkeit von ungesetzlichen Grenzübertritten durch DDR-Bürger zu liegen, sondern in Grenzprovokationen von westlicher Seite. „Der große Unsicherheitsfaktor für uns ist die Auslösung von drüben. Deshalb wollen wir vielleicht auch bei Angriffen von drüben mit Nebelkörpern arbeiten usw., um möglichst nicht schießen zu müssen. [ ... ] Sie wollen ein paar Tote haben. Das müssen wir verhindern.“/52/

Allerdings musste das MfS bei der Auswertung der Weltfestspiele feststellen, dass es trotzdem zu 186 Straftaten nach §213 StGB (ungesetzlicher Grenzübertritt) kam, an denen 248 Bürger der DDR beteiligt waren. An der Grenze zu West-Berlin wurden 15 versuchte Grenzübertritte mit 17 Personen registriert. Die Staatssicherheit verbuchte es als großen Erfolg ihrer vorbeugenden Tätigkeit, dass in der gesamten DDR 42 versuchte Grenzübertritte verhindert werden konnten, zehn davon nach West-Berlin. Darunter war auch ein spektakulärer Versuch, die Grenze nach West-Berlin mit einer prominenten Geisel zu durchbrechen. So planten, nach Informationen der Staatssicherheit, vier Jugendliche aus Rangsdorf den Chefkommentator des DDR-Fernsehens, Karl-Eduard von Schnitzler, zu entführen. Der Plan der „Rowdygruppe“ sah vor, zum Zeitpunkt der Eröffnung der Weltfestspiele, „ ... an der Grenzübergangsstelle Friedrich-Zimmerstrasse, unter Androhung der Erschießung des Chefkommentators, das Passieren der Staatsgrenze nach Westberlin zu erzwingen.“/53/ Offenbar rechnete die Gruppe damit, dass die Sicherheitsorgane das Leben der Geisel in solch einer Situation nicht unnötig gefährden würden. Als Motiv gaben die vier ihre ablehnende Haltung gegenüber den Weltfestspielen an.


3 Zusammenfassung

Die Staatssicherheit wertete ihren Einsatz zu den X. Weltfestspiele als vollen Erfolg. „Im gesamten Zeitraum der Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele war die politisch-operative Lage in der Hauptstadt und in allen Bezirken der DDR normal und stabil. Die Sicherheit und Ordnung waren jederzeit gewährleistet.“/54/ Erich Mielke konnte am 6. August 1973 stolz vermelden, dass die bewaffneten Organe der DDR, allen voran das Ministerium für Staatssicherheit, die an sie gestellten Aufgaben voll und ganz erfüllt haben./55/

Als Erfolg wurde die vorbeugende Arbeit eingeschätzt, besonders die Maßnahmen zur Bekämpfung der Asozialität, die Verhinderung von Berlinreisen und die Aufdeckung von geplanten Grenzübertritten./56/ Es gab kaum nennenswerte Zwischenfälle, wenn man von etwa 13 Gramm Haschisch, einer geringen Menge Schund- und Schmutzliteratur und einer Pistole der Marke Browning absieht, die an der Grenze sichergestellt wurden./57/ Im Zeitraum der Festspiele wurden durch Staatssicherheit und Volkspolizei 213 Personen festgenommen. Gegen 93 von ihnen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, davon endeten 76 mit Haft. Unter den festgenommenen waren 24 Festivalteilnehmer, 3 davon aus ausländischen Delegationen. Ein Mitglied der finnischen Festivaldelegation wurde festgenommen, weil er in stark angetrunkenem Zustand eine DDR-Fahne von einem Wohnhaus entfernt hatte, um sich diese als Souvenir mit nach Hause zu nehmen./58/ Gegen die ausländischen Gäste wurden allerdings keine weiteren Maßnahmen eingeleitet. Überhaupt musste das MfS feststellen, dass ein Grossteil der ermittelten jugendlichen Täter unter starkem Alkoholeinfluss stand./59/

Selbstzufrieden konnte die Staatssicherheit feststellen, dass die im Zusammenhang mit der Aktion „Banner“ registrierten Vorkommnisse, im Vergleich zu den Aktionen „Jubiläum“ (20. Jahrestag der DDR) und „Meilenstein“ (VIII. Parteitag der SED), bedeutend geringer ausgefallen sind. So wurden zur Aktion „Meilenstein“ von 1971 in nur fünf Tagen 326 Vorkommnisse registriert, während es bei der zwölf Tage andauernden Aktion „Banner“ lediglich 124 waren./60/ Dies erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, dass mehrere hunderttausend Jugendliche und Gäste an den X. Weltfestspielen teilnahmen.

Die geringe Zahl von Vorkommnissen rechtfertigte die von der Staatssicherheit ausgegebene Taktik. Demnach hatte der schon im Vorfeld in Gang gesetzte Repressions- und Kontrollapparat funktioniert. Allerdings war es, trotz des gewaltigen Aufgebots an Mensch und Material, dem MfS nicht möglich, eine totale Kontrolle über die Weltfestspiele zu erlangen. So schätzte die Hauptabteilung XX die Zahl der festgestellten Kontakthandlungen, von DDR-Bürgern mit Personen aus dem nichtsozialistischen Ausland, als relativ ein. Es musste zugegeben werden, dass die Kontakttätigkeit „ ... während des Festivals weit höher lag.“/61/ Für die Jugendlichen gab es also, abseits von Kontrolle und Überwachung, genügend Freiräume.

Die Doppelstrategie der Staatssicherheit, durch Repressionen im Vorfeld mögliche Gefahrenherde auszuschließen und sich während der Weltfestspiele in Toleranz zu üben und im Hintergrund zu agieren, hatte sich bewährt. Das MfS nutzte die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Einsatz zu den X. Weltfestspielen zur „ ... weiteren Vervollkommnung der Formen und Methoden der Arbeit auf diesem Gebiet, für die weitere Erhöhung der Schlagkraft der bewaffneten Organe.“/62/


Anmerkungen/Nachweise

1 Protokoll der Einweisung der Repräsentanten der Partei- und Staatsführung und weiterer führender Genossen in den Gesamtplan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele, 5. 07. 1973, BStU, MfS, GVS 005 – 680/73, Bl. 92.
2 BStU, MfS, ZOS Nr. 1173, Bl. 72ff., o.D.
3 Einführende Bemerkungen zur Informierung über den “Gesamtplan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele”, 5.7.1973. BStU, MfS, ZAIG Nr. 4853, Bl. 3.
4 Hinweise über Pläne, Absichten und Maßnahmen des Gegners sowie geplante Aktivitäten feindlicher/negativer Kräfte in der DDR im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele, 26. 06. 1973. BStU, MfS, ZAIG Nr. 4852, Bl. 2.
5 Plan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele, 25.7.1973, BStU, MfS, GVS 005 – 644/73, Bl. 24.
6 Protokoll der Beratung des Ministers für Staatssicherheit mit dem Minister für Nationale Verteidigung und dem Minister des Inneren und Chef der Deutschen Volkspolizei, 24. 7. 1973, BStU, MfS, GVS 005 – 725/73, Bl. 73.
7 BStU, MfS, GVS 005 – 644/73, Bl. 3-71, Anm. 5, insb. Bl. 23.
8 Ebd., Bl. 6ff u. 4.
9 Ebd., Bl. 20f. u. Tab. des Kräfteeinsatzes des MfS, ebd,. Bl. 65, Anlage 4b.
10 Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit. Personalstruktur und Lebenswelt 1950-1989/90, Berlin 2000, S. 294.
11 Tabelle des Kräfteeinsatzes des MfS,. BStU, MfS, GVS 005 – 644/73, Bl. 62-64, Anlage 4 u. 4a, Anm. 7.
12 Zu einigen beachtenswerten Problemen im Zusammenhang mit der Gewährleistung eines störungsfreien und reibungslosen Ablaufs der X. Weltfestspiele, vom 11. 7. 1973, BStU, MfS, AGM Nr. 2066, Bl. 189.
13 BStU, MfS, GVS 005 – 725/73, Bl. 73, Anm. 6.
14 Übersicht zu eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen asozialen Verhaltens gem. § 249 StGB in der [...] unmittelbaren Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele, 5. 8. 1973, BStU, MfS, HA IX Nr. 5354, Bl. 14, Anlage 1.
15 Übersicht über durchgeführte Festnahmen im Rahmen der Maßnahmen zur vorbeugenden Beseitigung von Gefahrenmomenten [...] während der X. Weltfestspiele, 23. 7. 1973, BStU, MfS, HA IX Nr. 269, Bl. 28.
16 Übersicht zu Personen, die in psychatrischen Einrichtungen, Jugendwerkhöfen und Spezialkinderheimen untergebracht wurden, 5. 8. 1973, BStU, MfS, HA IX Nr. 5354, Bl. 21, Anlage 8.
17 Ebd., Bl. 3.
18 Übersicht über die mit kriminell und asozial gefährdeten Personen geführten Gespräche zwecks Verhinderung einer Einreise in die Hauptstadt der DDR, Berlin, während der X. Weltfestspiele, 5. 8. 1973, ebd., Bl. 19, Anlage 6.
19 Übersicht über am 23.7.1973 unter Kontrolle stehende Personen, 5. 8. 1973, ebd., Bl. 20, Anlage 7.
20 Übersicht über aufgelöste kriminelle Gruppierungen, 5. 8. 1973, ebd., Bl. 16, Anlage 3.
21 Einführende Bemerkungen zur Informierung über den “Gesamtplan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele”, 5. 7. 1973, BStU, MfS, ZAIG Nr. 4853, Bl. 3.
22 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse aus der Aktion “Banner”, 10. 8. 1973, BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 139f, AG/AF.
23 Einsatzplan der Arbeitsgruppe Ausländische Festivalteilnehmer (AG-AF) zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion „Banner“, 11. 5. 1973, ebd., Bl. 51.
24 Grundsätze für die politisch-operativen und taktischen Handlungen der Einsatzkräfte des MfS zur Verhinderung bzw. schnellen Auflösung von Zusammenrottungen Jugendlicher, 28. 6. 1973, BStU, MfS, AGM Nr. 1758, Bl. 38, HA XX. Das Folgende ebd.
25 Ebd., Bl. 36.
26 Schulungsmaterial zur Vorbereitung der Angehörigen der Hauptabteilung PS auf die Aktion „Banner“, Mai 1973, BStU, MfS, HA PS Nr. 1007, Bl. 44f.
27 BStU, MfS, AGM 1758, Bl. 73, 28. 6. 1073.
28 BStU, MfS, ZAIG Nr. 25138, Bl. 41.
29 BStU, MfS, GVS 005 – 725/73, Bl. 74, Anm. 6.
30 Ebd., Bl. 74.
31 Einsatzplan zur politisch-operativen Sicherung der Aktion „Banner“ gemäss Befehl Nr. 13/73 [...], 2. 5. 1973, BStU, MfS, ZOS 1171, Bl. 57, HA XIX.
32 BStU, MfS, ZAIG Nr. 25138, Bl. 39.
33 Stimmungsbericht v 3. 8. 1973, BStU, MfS, ZAIG Nr. 15702, Bl. 3.
34 AG/AF, Abschlusseinschätzung zur Aktion “Banner”, 15. 8. 1973, BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 181.
35 Ebd., Bl. 190.
36 AG/AF, Schlussfolgerungen aus der Aktion “Banner”,10. 8. 1973, ebd., Bl. 136.
37 Sicherungskonzeption zur politisch-operativen Sicherung der ausländischen Festivalteilnehmer während der Eröffnungsveranstaltung der X. Weltfestspiele am 28. 7. 1973 [...], BStU, MfS, ZOS Nr. 1171, Bl. 146.
38 BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 139, Anm. 22.
39 BstU, MfS, GVS 005 – 725/73, Bl. 78, Anm. 6.
40 Einsatzplan der Arbeitsgruppe Ausländische Festivalteilnehmer (AG-AF) zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion „Banner“, 11. 5. 1973, BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 39.
41 Vortrag zur Erläuterung des „Gesamtplanes der Massnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während der X. Weltfestspiele“, 5. 7. 1973, BStU, MfS, ZOS Nr. 1171, Bl. 224.
42 Ebd., Bl. 44.
43 Ebd., Bl. 36.
44 BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 179, Anm. 34.
45 BStU, MfS, AGM Nr. 1758, Bl. 2.
46 BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 185, Anm. 34.
47 Konzeption für die Tätigkeit des Zentralen Einlassverbandes, 18.6.1973, BStU, MfS, AGM Nr. 2065, Bl. 35.
48 BStU, MfS, AS Nr. 432/73, Bd. 1a, Bl. 137, Anm. 22. Das Folgende ebd.
49 Ausführungen des Ministers für Staatssicherheit; Protokoll der Beratung des Ministers für Staatssicherheit mit dem Minister für Nationale Verteidigung und dem Minister des Inneren [...], 24.7.1973, BStU, MfS, GVS 005 Nr. 725/73, Bl. 77.
50 Ebd., Bl. 84.
51 Ebd., Bl. 78.
52 Ausführungen des Ministers für Nationale Verteidigung Genosse Hoffmann; Protokoll (Anm. 49), ebd., Bl. 80.
53 Feindlich-negative Handlungen bzw. Vorkommnisse in der Hauptstadt der DDR in Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele, o.D, BStU, MfS, ZOS Nr. 1173, Bl. 45.
54 Einschätzung der feindlich-negativen Handlungen bzw. Vorkommnisse in der Hauptstadt und in den Bezirken der DDR in Vorbereitung und Durchführung der X. Weltfestspiele, 29.8.1973, BStU, MfS, ZOS Nr. 1173, Bl. 100.
55 Meldung des Ministers für Staatssicherheit an den Genossen [...] Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates, 6.8.1973, BStU, MfS, AGM Nr. 2066, Bl. 3.
56 BStU, MfS, HA IX Nr. 5354, Bl. 2, 5.8.1973.
57 BStU, MfS, ZOS Nr. 1173, Bl. 66.
58 Abschlussbericht zur Aktion „Banner“, 14. 8. 1973, BStU, MfS, HA IX Nr. 269, Bl. 1f.
59 BStU, MfS, ZOS Nr. 1173, Bl. 22. Anm. 53.
60 Ebd., Bl. 33.
61 Einschätzung festgestellter Kontakthandlungen während der Aktion „Banner“ und politisch-operative Schlussfolgerungen zur weiteren schwerpunktmäßigen Bearbeitung, 23.8.1973, BStU, MfS, ZMA XX, Bl. 1.
62 BStU, MfS, AGM Nr. 2066, Bl. 4, Anm. 55.