KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ThemaKulturation 1/2006
Deutsche Kulturgeschichte nach 1945 / Zeitgeschichte
Dietrich Mühlberg
Notizen zur Entstehung und Entwicklung der Disziplin Kulturwissenschaft in der DDR
Diskussionsbeitrag am 17. März 2006
Text als PDF hier: Text Dietrich Mühlberg als pdf

Die Grundaussagen der nachfolgenden Notizen gehen auf einen Text von 1993 zurück (aus Anlass von Nachfragen über die mögliche Perspektive von Kulturwissenschaft), die sich auf ein noch älteres Papier stützten, das ich im Jahre 1988 im Institut für Kulturwissenschaft zur Diskussion gestellt hatte. Das liegt nun bald zwei Jahrzehnte (und eine ganze Epoche) zurück. Es ist aus der Sicht eines Beteiligten geschrieben, der vor 43 Jahren in das Philosophische Institut der Humboldt-Universität, Abteilung Ästhetik eintrat und darüber nachzudenken begann, wie eine Kulturauffassung wissenschaftlich zu gründen sei. Das war zusammen mit den sofort einsetzenden Lehrverpflichtungen zu leisten. Das nur schwach relativierte Großthema der 1963 begonnenen Dissertationsschrift lautete „Der dialektische Determinismus im historischen Kulturprozess. Versuch zu den philosophischen Grundlagen der Kulturauffassung der sozialistischen Gesellschaft“. Die Themen der damaligen Kolleginnen und Kollegen waren nicht minder ausgreifend. Die erste eigene Publikation zum Gegenstande (1964 in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie erschienen) hieß schlicht „Zur marxistischen Auffassung der Kulturgeschichte“. Der Rückblick zeigt, dass Vieles davon (freilich in anderer Diktion) auch heute so geschrieben werden müsste. Damit soll nicht die eigene Weitsicht gepriesen werden, solche Aktualität ist den retardierenden Zeitläufen geschuldet. Und sie ist nicht minder ein Beleg dafür, dass es trotz aller dogmatischen Kuriositäten und Gebote der frühen 60er Jahre lohnend war, sich an den Grunderkenntnissen von Karl Marx abzuarbeiten.

Eine historisch-kritische Sicht auf die Kulturwissenschaft der DDR steht aus. Wahrscheinlich ist es auch schwierig, den Verflechtungen von großer Gesellschaftspolitik und Kulturverständnis, von Realien eines universitären Studienbetriebs und disziplinären Verflechtungen der Institute, von wissenschaftlichem Selbstverständnis und realer Verortung im internationalen Wissenschaftsgefüge, von Anspruch und personaler Leistungsfähigkeit gerecht zu werden. Ganz zu schweigen von den „Wirkungen“ und Folgen, die die kulturwissenschaftliche Forschungs-, Publikations-, Beratungs- und Lehrtätigkeit möglicherweise hatte. Diesem Anspruch wollen und können diese Notizen nicht gerecht werden. Vielleicht aber können sie begründen, warum eine rückblickende Betrachtung sinnvoll und lohnend sein könnte.

Einleitend soll auf die Entstehung und Entwicklung des universitären Studiengangs "Kulturwissenschaft" eingegangen werden. Dabei bleibt zunächst der Anteil der mindestens gleichrangigen Partnerdisziplin Ästhetik ausgespart - ebenso wie die stark auf die Künste orientierenden „Nebenfächer“, die ja zur „Pflicht“ der Studierenden gehörten. Danach wird kurz auf die wechselnden kulturpolitischen Faktoren eingegangen und vor diesem Hintergrund dann versucht, Etappen der Wissenschaftsentwicklung zu unterscheiden. Abschließend wird auf die heutige wissenschaftliche Situation geblickt und gefragt, was die ostdeutsche kulturwissenschaftliche Tradition wohl hätte einbringen können.


1. Der universitäre Studiengang "Kulturwissenschaft"

Bekanntlich ist der Begriff "Kulturwissenschaften" seit gut hundert Jahren in der Diskussion[1], doch erst vor gut vierzig Jahren wurde an zwei deutschen Universitäten ein Studiengang mit dem anspruchsvoll-weitgreifenden Namen "Kulturwissenschaft" eingerichtet. Allerdings: ohne dass es damals eine "Kulturwissenschaft" als ausgewiesene Disziplin gegeben hätte. Und er existierte in dieser Form nur über drei Jahrzehnte, 1993/94 verließen die letzten immatrikulierten Studenten dieses Studiengangs die Universität.

Eine der Ursachen für die Gründung einer solchen Studienrichtung bestand in der wachsenden Bedeutung, die kulturelle Prozesse und Vorgänge in allen Industriegesellschaften zu dieser Zeit bekamen (umfangreichere Freizeit, "Humanisierung der Arbeitswelt", neue Bildungsanforderungen, Demokratisierung der Künste, Sinnfragen usw.). In fast allen europäischen Ländern entstanden neue Berufe im Bereich der Humandienstleistungen. In der DDR benötigten der Staat und die Kommunen, gesellschaftliche Organisationen, Massenmedien und traditionelle Kultureinrichtungen, aber auch industrielle und agrarische Großbetriebe sehr früh schon Fachkräfte, die in der Lage waren, die inzwischen entstandenen kulturellen Einrichtungen recht verschiedener Art kompetent zu leiten. Es wurden Sachverständige gebraucht, deren Kenntnisse über eine traditionelle disziplinäre "kulturelle" Ausbildung (Germanistik, Kunstgeschichte, Pädagogik usw.) hinausging. Eine "interdisziplinäre" Ausbildung sollte sie vor allem dazu befähigen, (kultur)historische Hintergründe und soziale Voraussetzungen ihres speziellen kulturellen Arbeitsfeldes zu erkennen und zu berücksichtigen. Dafür sollte der (nun so genannte) kulturwissenschaftliche Studiengang ausbilden, der immer in der Kombination mit einer literatur- oder kunstwissenschaftlichen Disziplin, später auch mit anderen Fächern[2] studiert wurde.

Ohne Zweifel war die Gründung einer solchen "Kulturwissenschaft" auch dadurch mitgeprägt, dass zu dieser Zeit an den Universitäten der DDR so wichtige Wissenschaften wie die Soziologie (aus ideologischen Gründen abgelehnt) oder die Sozialpädagogik noch keine eigenständigen Disziplinen waren oder völlig fehlten[3]; die Sozialpsychologie steckte in den Anfängen, Erwachsenenbildung beschränkte sich auf Berufsausbildung, Freizeitpädagogik war (und blieb) unbekannt, die Volkskunde zeigte noch keine große Neigung, sich der 'Volkskultur in der technischen Welt"[4] zuzuwenden und die Literatur- wie Kunstwissenschaften waren in ihren Disziplinen noch weit davon entfernt, etwa Rezeptions- und Wirkungszusammenhängen nachzugehen. Einzelne Wissenschaftler aber hatten bereits ganz andere Wege eingeschlagen und wirkten als Anreger der frühen Kulturwissenschaft[5].

Unter diesen Bedingungen war den Absolventen von Anfang an ein breites Einsatzfeld sicher. Hauptsächliche Bereiche waren: regionale und örtliche Kulturarbeit (Kulturämter, Kulturhäuser, Jugendklubs, Ferienheime), Kunst vermittelnde Einrichtungen (Verlage, Theater, Museen, Galerien, Schallplattenproduktion, Agenturen, Management der Unterhaltungskunst, Ausstellungswesen), Massenmedien (Kulturredaktionen der Zeitungen und Zeitschriften, Hörfunk, Film und Fernsehen), Umweltgestaltung (Mode, Design, Stadtplanung) Großbetriebe (betriebliche Kulturhäuser, Erwachsenenbildung, bis Mitte der 70er Jahre auch als "Kulturassistenten" in Betriebsleitungen), Parteien und gesellschaftliche Organisationen (Kulturabteilungen, kulturelle Einrichtungen), Staat (untere bis mittlere kulturpolitische Funktionen in nachgeordneten Einrichtungen des Kulturministeriums und in den Kulturabteilungen in den Bezirken, "höhere" Funktionen verlangten hier - wie bei den Parteien - einen anderen Karriereverlauf), Lehre und Forschung (Universitäten, Kunsthochschulen, Akademieinstitute).


2. Kulturpolitische Faktoren

Das alles setzte sich unter den Bedingungen einer nach Plan errichteten Gesellschaft über ein spezifisches politisches Handeln durch, das ideologisch motiviert und angeleitet war. Auf den ersten Blick standen politische und ideologische Motive bei der Installierung von Kulturwissenschaft sogar im Vordergrund. Kennern ist es geläufig, dass das Kulturthema die sozialistische Bewegung seit ihren Anfängen begleitet. In gesellschaftlicher Verantwortung waren es Leo Trotzki und dann auch W. I. Lenin, die sich als erste grundsätzlich dazu äußerten. Für unseren Zusammenhang begann es mit den auf Stalins Tod folgenden Debatten, was denn Sozialismus als Gesellschaftsform nun sein solle. Die Führer der „kommunistischen und Arbeiterparteien“ Europas einigten sich 1957 auf einige grundsätzliche Merkmale. Darunter findet sich auch eine Revolution auf dem Gebiete der Ideologie und Kultur und die Schaffung einer dem Sozialismus treu ergebenen Intelligenz. 1958 hat das dann die SED für ihren politischen Verantwortungsbereich ausgeführt. Thematisch ging es um drei Aufgaben:
- um die kulturelle Hebung der werktätigen Massen (kulturelle Massenarbeit),
- um die Behebung kultureller Defizite der neuen Eliten und ihres Nachwuchses (Höhen der Kultur stürmen),
- um die Überwindung der bürgerlichen Ideologie und die Inaugurierung eines neuen Wertesystems (neues Menschenbild).
Dies alles sowohl als theoretische wie auch als praktische Aufgabe.

In diesem Sinne beschloss die Sozialistische Einheitspartei als zentrale politische Kraft 1958, dass auch in der DDR eine sozialistische Kulturrevolution notwendig sei. Dies mit der hauptsächlichen Begründung, der "subjektive Faktor" - gemeint war die Befähigung der großenteils aus den Unterschichten aufgestiegenen neuen Funktionselite) sei gegenüber neuen Anforderungen an ihr kulturelle Niveau zurückgeblieben. Dies auch praktisch zu ändern war die Aufgabe, die den unmittelbaren Anlass dafür bot, dass 1960 eine Kulturkonferenz des ZK der SED beschloss, dass „Zur Ausbildung leitender Kulturfunktionäre ... die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen [sind]. Dazu gehören die Ausarbeitung eines Berufsbildes spezieller Bildungswege für Kulturfunktionäre, wie Fachschulbildung, Hochschulbildung und mit beiden Einrichtungen verbundenes Fernstudium“. Daraufhin geschah zunächst nichts. Doch zwei Jahre später, am 8. August 1962 hat dann das Sekretariat des ZK (als zentrales Machtorgan der SED) den Aufbau eines einheitlichen Qualifizierungssystems für Kulturfunktionäre beschlossen.

Auf Anweisung der Regierung hatten dann die Universitätsinstitute für Philosophie (Berlin und Leipzig) die neue Fachrichtung zu installieren. Die gaben das dann - Kultur hatte ja offenbar was mit den Künsten zu tun - an ihre Abteilungen für Ästhetik weiter. An denen hatte bereits Anfang der 50er Jahre ein Philosophiestudium mit der Spezialisierung auf Ästhetik (und mit literatur- und kunstwissenschaftlichen Zweitfächern) begonnen. Darauf aufbauend begann mit dem Wintersemester 1963 an der Humboldt-Universität die Ausbildung in der Fachrichtung "Kulturwissenschaft".

Keiner der damals an der Lehre beteiligten Wissenschaftler wusste zu diesem Zeitpunkt sehr genau, was wohl der Gegenstand dieser "Kulturwissenschaft" sein könnte. Was mit dem Worte "Kultur" zu dieser Zeit verbunden wurde, das waren allgemeine humanistische Überzeugungen und die Erwartung, dass die tiefgreifenden Veränderungen der Lebensbedingungen, wie sie eine sozialistische Revolution mit sich brachte, auch alle daran Beteiligten verändern würden, sie zu neuen, zu wertvolleren Menschen erheben müsste.

Um das unter den deutschen Bedingungen anzugehen, konnten nicht einfach die vorhandenen sowjetischen Modelle übertragen werden. Es wurden Ideen wieder aufgegriffen, die in den kulturellen Wertorientierungen der alten Sozialdemokratie vor 1914, im Kulturidealismus der deutschen Linken und in der sozialistischen Abteilung der Lebensreformbewegung lebendig gewesen waren. Wiederbelebt wurden kultursozialistische Ideen vom "neuen Menschen", wie sie in den 1920er Jahren intellektuelle Kreise der deutschen, österreichischen und skandinavischen Arbeiterbewegung gepflegt hatten. In der Arbeitsweise allerdings lebten die Praktiken der bürgerlichen Volkswohl- und Volkserziehungsbewegung (Carl Victor Böhmert, Friedrich Naumann usw.) und der "ästhetischen Sozialreform" (Lichtwark, „Kunstwart“, „Dürerbund“ usw.) aus der Zeit zwischen 1890 und 1914 wieder auf.

In diesen Traditionen stehende Politiker, "Kulturarbeiter" und Theoretiker dieser Zeit haben das Kultur-Problem ("die Kultur") auf drei "Ebenen" gesehen, in drei Richtungen gedacht und auszudrücken versucht.

Einmal wurden unter „Kultur“ die so genannten höheren Werte der menschlichen Gesellschaft verstanden, basierend letztlich auf der Arbeit der Vielen. Von Kultur reden hieß dann auch, den Menschen als Menschen zu begreifen, das Befinden des einzelnen für bedeutsam zu halten - also seine sozial geprägte Individualität anzuerkennen, bzw. seine Individualität sozial zu prägen. Und Schließlich wurde unter Kultur schöpferisches Gestalten verstanden. Voran alle Formen produktiver Arbeit, deren Entfremdung zu überwinden sei, damit sie dem freien künstlerischen Schaffen gleich werde. Vorzüglich durch das Hineintragen der Künste in die (industrielle) Arbeitssphäre könne das "menschliche Wesen" des Produzierens wieder angeeignet werden. Als Korrektiv rationaler Erkenntnis wurde Kultur auch als die differenzierte Ausbildung der Sinne verstanden.

In den 1950er und 1960er Jahren haben die "kulturell Engagierten" in der DDR - je nach ihrem politischen Standort, nach ihrer Stellung in der Gesellschaft, nach ihrer philosophischen Bildung oder ihrem Beruf - "die Kultur" jeweils als eine andere Kombination dieser drei Aspekte verstanden. Kulturpolitiker und Künstler waren sich damals darin einig, dass Kultur wesentlich in der ästhetischen Bildung und künstlerischen Produktivität des Volkes bestehe.


3. Zur Wissenschaftsentwicklung

An den Universitäten Berlin und Leipzig begann "Kulturwissenschaft" bei dieser Lage als eine philosophisch geprägte Theorieproduktion (im Westen hieß das ein Jahrzehnt später "Ableitungsmarxismus" und war - jedenfalls in der hohen Zeit der Marxexegese - wesentlich systematischer und vor allem breiter institutionalisiert). Aus Grundlehren des historischen Materialismus wurden allgemeine kulturelle Schlüsse gezogen, mit politischen Erfahrungen verbunden und oft kurzschlüssig mit ideologischen Axiomen angereichert (etwa der Art: "In der sozialistischen Gesellschaft der DDR wird alles Wertvolle der Menschheitskultur bewahrt und gepflegt!"). So kritisch die Ergebnisse dieser Anfangsphase auch zu bewerten sind, wissenschaftliche Erträge sind nicht zu übersehen. Darunter vor allem:

Erstens die Aufarbeitung des zivilisationsgeschichtlichen Konzepts von Marx und Engels, von Philosophen und Kulturhistorikern des 18. und 19. Jahrhunderts (Von Vico, Ferguson und Condorcet, über Herder, Hegel und Fourier zu Burckhardt, Gothein und Lamprecht) - mit Folgen in einer entsprechenden Prägung. Das war zugleich eine intensive Beschäftigung mit "bürgerlich humanistischen Entwicklungslehren".

Zweitens wurde das sozialhistorische Schicksal des menschlichen Individuums zum Zentralproblem der Kulturwissenschaft gemacht. Kultur wurde in den sozial organisierten Reproduktionsprozessen der Individuen aufgesucht und als Gesamtheit der Möglichkeiten für selbstbestimmte Subjektivität begriffen. Dafür hat es viele annähernde Formulierungen gegeben - bis zu der, dass Kultur alles das sei, was "primärfunktional der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung"[6] diene.

Dritten brachte diese frühe Zeit die ersten Sondierungen für eine Kulturgeschichte der deutschen Arbeiter und ihrer Bewegung (eingeleitet als Sammlung und Archivierung der mit der Arbeiterbewegung verbundenen Kunstäußerungen).

Viertens wurde von den so ausgerichteten Kultur-Wissenschaftlern eine gewisse Sensibilität für die "menschliche Seite" aller sozialen Entwicklungsprozesse ausgebildet. Gerade diese Empfindlichkeit hat auch einige von ihnen (gemessen an der sehr geringen Zahl waren es allerdings zu viele) in schwere innere und äußere Konflikte gebracht. Doch gab ihnen das auch die Möglichkeit, an der gegen Ende der sechziger Jahre einsetzenden Diskussion über die Perspektiven der sozialistischen Gesellschaft mit kulturellen Absichten aktiv teilzunehmen.

Diese wissenschaftliche Entfaltung bildete die Voraussetzung für eine Lehrtätigkeit, die die künftigen "Kulturarbeiter" mit einer (historisch aus der europäischen Kulturgeschichte hergeleiteten) humanistischen Grundeinstellung geistig auszustatten sich bemühte, die die individuelle Subjektivität betonte, die die Achtung vor den kulturellen Ansprüchen arbeitender Menschen hervorhob und dazu aufforderte, die proklamierten sozialistischen Kulturideale ernst zu nehmen. Die Vermittlung berufsfeldbezogener Kompetenzen blieb dem gegenüber deutlich zurück; es wurde versucht, Voraussetzungen späterer kulturpolitischer Handlungsfähigkeit zu vermitteln, doch beschränkte sich das (aufgrund des Mangels an entsprechenden Praxisfeldern der Forschung) auf die Erläuterung von kulturellen Programmatiken.

In dieser ersten Phase der Kulturwissenschaft war die Spanne zwischen den hohen kulturtheoretischen Abstraktionen und der Alltagsrealität enorm; heroische Illusionen konnten die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit überdecken. Doch wurde schon damals die Funktionalisierung der kulturtheoretischen Axiome durch eine borniert-schulmeisterliche Politik bemerkt und kritisiert ("Zehn Gebote der sozialistischen Lebensweise und Moral" usw.), die - weltfremd und doktrinär zugleich - an den (kulturellen) Interessen der Bevölkerung vorbeiging.

Als Anfang der 1970er Jahre Zeichen einer Wende hin zu demokratischerer und sozial angemessenerer Gesamtpolitik aufleuchteten und von politischen Kräften in der DDR versucht wurde, eine sozialistische Gesellschaftskonzeption von den (inzwischen qualitativ gewandelten) Bedürfnissen der arbeitenden Menschen her zu entwickeln, da hatten Kulturwissenschaftler bereits ein entsprechendes Konzept umfassender kultureller Entwicklung vorgelegt. Sieht man vom DDR-spezifischen Parteichinesisch einiger Formulierungen ab, so kann man darin Grundzüge eines zeitgemäßen Kulturkonzepts für eine entwickelte industrielle Gesellschaft sehen. Da sich Reformen in der Wirtschaft, eine Demokratisierung des politischen Systems und eine Liberalisierung des geistigen Lebens andeuteten, erzeugte das die Hoffnung (wie sich bald herausstellen sollte, war sie illusionär), dass sich nun alles wenden werde. Darin lag auch ein Antrieb für die kulturwissenschaftliche Forschung und Lehre; er verlor seine enthusiastischen Züge, als die SED ihre anfängliche Absicht zu konzeptioneller Neubestimmung der sozialistischen Gesellschaft aufgab. Zugleich aber hat das die Forschung auf die Frage gelenkt, wie sich die sozialen Bedingungen individueller Entfaltung in den modernen industriellen Gesellschaften geschichtlich entwickelt haben.

Offensichtlich begann mit den siebziger Jahren eine zweite "Entwicklungsetappe" von Kulturwissenschaft in der DDR. Die Arbeitsgruppen an den Universitäten Berlin und Leipzig konnten sich verjüngen und stabilisieren; An einer Reihe anderer Universitäten und Hochschulen wurden kleine Abteilungen für "Kulturtheorie und Ästhetik" eingerichtet (nur einer verschwindend geringen Zahl ihrer Mitarbeiter gelang es allerdings, zu wissenschaftlichen Fragestellungen vorzudringen), die Institute der Parteien und gesellschaftlichen Organisationen bauten ihre Kulturabteilungen aus. Das Institut der Humboldt-Universität versuchte es, die universitäre Kommunikationen zu entwickeln, Wissenschaftler anderer Institute in eigene Projekte einzubeziehen (Zeitschrift MKF, kulturtheoretische Kolloquien, bald mit internationaler Beteiligung, Austausch mit westdeutschen Wissenschaftlern und Instituten). Eine rückblickende Aufzählung der damals eröffneten wissenschaftlichen Arbeitsfelder kann andeuten, dass damals Voraussetzungen für eine mögliche Weiterentwicklung unter veränderten Bedingungen erbracht worden sind. Nun setzten (u. a.) ein:

- Forschungen zur aktuellen (wie historischen) Lebensweise sozialer Gruppen, zu den Bedürfnissen, Verhaltensformen und Wertorientierungen vor allem der arbeitenden Menschen; "Freizeitforschung" wurde ein kulturwissenschaftliches Spezialgebiet.

- "Arbeitskultur" wurde zu einem Forschungsfeld verschiedener Disziplinen. Betrachtet wurden Wirkungen der Arbeitssituation auf die Lebensweise, Probleme der technischen Kreativität, Wechselbeziehungen zwischen Technik und Kultur.

- Kulturwissenschaftler und Ästhetiker wandten sich der räumlich-gegenständlichen Umwelt, der Siedlungs- und Wohnweise und der kulturellen Infrastruktur zu.

- Einige Studien zur lokalen, regionalen, gruppen- und schichtenspezifischen kulturellen Differenzierungen wurden vorgelegt (Gruppen der Arbeiterklasse, Jugendliche, Dörfler, technische Intelligenz).

- Ausbau der Individualitäts- und Persönlichkeitstheorie zu einem Konzept der "individuellen Reproduktion".

- Es wurde ein aufgeklärteres Traditionsverhältnis ausgebildet und zu einem umfassenderen "Erbe-Konzept" beigetragen, das die frühere Enge etwas aufbrach und das dem wissenschaftlichen Kulturverständnis stärker entsprach[7].

- Es zeigten sich erste Ansätze zur Erforschung internationaler Kulturprozesse und damit für international-vergleichende kulturwissenschaftliche Studien.

- Die Umrisse einer Kulturgeschichte der deutschen Arbeiterklasse wurden skizziert (mit starker Betonung der enormen kulturellen Folgen von kapitalistischer Lohnarbeit, marktvermittelter Lebensweise, industrialisierter Siedlung, Kommunikation und Zeitordnung usw.) [8].


4. Weiterentwicklung und mögliche Zukunftschancen

Nach 1970 gelang es mehreren Kulturwissenschaftlern, die Grenzen philosophisch-theoretischer Reflexionen zu überschreiten und auch die (durch die Ausbildungsverpflichtungen verursachte) Neigung zu einem ungesicherten Universalismus zu unterdrücken. Sie nahmen Arbeitsbeziehungen zu Projekten anderer (sozial- und geisteswissenschaftlichen) Disziplinen auf, "stellten" sich anderen Fachsprachen wie Methoden und fanden in einigen Bereichen Anschluss an die internationale Wissenschaftsentwicklung. Das gilt für Spezialbereiche der Geschichtswissenschaft, der Ethnographie, der Volkskunde, der Soziologie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaft. Aber was sich dabei in zwei Jahrzehnten bilden konnte, war mehr eine Verheißung auf Künftiges. Generell erreichten die sozialwissenschaftlichen Bereiche nur punktuell und nicht in ganzer Breite das "internationalen Niveau". Entsprechende Rückstände der Kulturwissenschaftler sind nicht so aufgefallen, weil sie mit ihren Arbeiten durchaus verblüfften und Wirkungen in der Öffentlichkeit erzielen konnten. Aber die beruhten mehr darauf, dass sie sich einigen brennenden sozialen Problemen gestellt haben, weniger noch lag das an verlässlicher oder zwingender wissenschaftlicher Beweisführung. Diese Hinwendung zu den Realitäten hatte selbstverständlich Folgen für die Ausbildung. Viele Studierende wurden nachdrücklich für die sozialen Widersprüche und Konflikte, für die Wandlungen und Stagnationen sensibilisiert.

Verbunden mit der gleichzeitigen Annäherung an "Einzelwissenschaften" hatte das eine gewisse Vernachlässigung theoretischer und methodologischer Probleme zur Folge. Dies auch, weil jede theoretische Wendung nach wie vor den weitgehend unfruchtbaren Nachweis ihrer Übereinstimmung mit "marxistischen Grundpositionen" verlangte. So wurden neuere Entwicklungen etwa in der Handlungs-, Kommunikations- und Zeichentheorie zwar wahrgenommen, aber nicht hinreichend verarbeitet und auch geisteswissenschaftliche Differenzierungen der letzten Jahrzehnte konnten bei der stark sozialwissenschaftlichen Orientierung keine große Rolle spielen. Zugleich differenzierten sich die Arbeitsweisen aber dadurch, dass Anregungen der Biographie- und Lebenslaufforschung, von ethnohistorischen, symbol- und systemtheoretischen Forschungen aufgenommen worden sind. Von einem "einheitlichen" kulturtheoretischen Konzept konnte seitdem nicht mehr die Rede sein. Über die mögliche Tragfähigkeit der vertretenen kulturwissenschaftlichen Forschungsansätze wäre im Kontext konkreter Projekte zu entscheiden - die aber sind vorläufig nicht in Sicht.

Ein Gesamturteil fällt schwer und dürfte auch nicht objektiv ausfallen. Der universalistische Anspruch ergab sich aus der Aufgabenstellung. Er war verbunden mit der Übernahme vieler „passender“ Ideen, ohne dass das auf die ferneren Konsequenzen durchgearbeitet werden konnte. Dazu war die Anzahl der Kulturwissenschaftler in der DDR zu gering, und es gab bei den Freunden im Osten keine Partner. Auch im eigenen Lande fehlten bei den meisten der relevanten Disziplinen verwandte durchgearbeitete Konzepte. So hatte diese Disziplin - von ihren praktischen Verwicklungen ganz abgesehen - einen unbekümmert-eklektischen Grundzug. Sie war nicht auf Abgrenzung aus, sondern offen für alles Brauchbare. Weder von der Leistungsfähigkeit des Personals noch von den Ergebnissen her soll die ostberliner Kulturwissenschaft überbewertet werden. Nimmt man aber die ausgebildete wissenschaftliche Haltung zu den sozialen und kulturellen Realitäten und die Wirklichkeitsnähe der ausgebildeten Studenten so gehört sie wohl zu den Erfolgsgeschichten der DDR.

Konnte die hier skizzierte ostdeutsche Kulturwissenschaft unter den veränderten Bedingungen eine Zukunft haben? Schon die Frage müßig. Denn es gelang den Kulturwissenschaftlern der Humboldt-Universität zwar noch, einen breiten internationalen Protest zu organisieren, der die sofortige (und schon beschlossene) Abwicklung der Fachrichtung wie die der beiden Institute stoppte (bekanntlich in einer Art "Kampfabstimmung" der Landesregierung gegen die zuständige Wissenschaftssenatorin), doch die dann tätige SBK hielt von dem hier skizzierten Zuschnitt von Kulturwissenschaft überhaupt nichts und hat durch ihre Entscheidungen die Fortführung der dreißigjährigen Entwicklung und auch jedes Anknüpfen daran unmöglich gemacht. Die einstige Stärke der DDR-Kulturwissenschaft wurde ihr - und darin lag eine gewisse Konsequenz - sogar als „Soziologismus“ angelastet. Die westlichen Verdrängungswissenschaftler, die das Institut daraufhin übernahmen, können ohne jede Häme als mittleres Personal des geistesgeschichtlichen Mainstreams qualifiziert werden. Dies ist übrigens das einzige, was man ihnen bei der Selbstverständlichkeit zugute halten kann, mit der sie sich das älteste deutsche kulturwissenschaftliche Institut[9] aneigneten und in die Bedeutungslosigkeit führten.

Womöglich kommt eine übergreifende Betrachtung der heutigen kulturwissenschaftlichen Situation zu einem ähnlich negativen Befund - sieht man von den verwandten Ethnologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftlern ab. Es dürfte keine Übertreibung sein, wenn man mit dem Blick auf die kulturellen Umbrüche und Konflikte der Gegenwart die deutsche Kulturwissenschaft als eine komplette Leerstelle bezeichnet. Dies nicht nur wegen der weitgehenden Distanz, die die wenigen Kulturwissenschaftler zu den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und alltagswirklichen Verwicklungen der Kulturen haben. Das Gerede über den sogenannten Cultural Turn in den Wissenschaften - auf Deutsch: nun soll alles irgendwie Kultur sein - täuscht auch noch darüber hinweg, dass die seriöse Kulturwissenschaft hierzulande auch quantitativ sträflich unterentwickelt ist.

Vielleicht liegt in dem Unbehagen an dieser Malaise das Motiv für einen Rückblick. Und so sollte trotz (oder gerade wegen?) des unrühmlichen Endes der ostdeutschen Kulturwissenschaft die Frage aufgeworfen werden, was deren Tradition hätte einbringen können. Hier ein Vorschlag in fünf Punkten, der - das ist ja unschwer zu erkennen - sich auch an den überdeutlichen Mängeln des geistesgeschichtlichen Unterhaltungsbetriebs reibt, der heute als Kulturwissenschaft firmiert. Zu den eigenständigen Merkmalen ostdeutscher Kulturwissenschaft zähle ich (und dies scheint mir die Kollegen der Leipziger Universität wie die der Gewi-Akademie einzuschließen):

1. eine bestimmte marxistische Traditionslinie, innerhalb derer immer wieder aufs Neue nach den sozialen und kulturellen Vermittlungen zwischen sozialen Markrostrukturen und individuellem Dasein gesucht wurde.

2. einen bestimmten Sinn für die Nöte und für die Chancen der Menschen in der modernen Welt - Voraussetzung für jedes wissenschaftliche und praktische Interesse an Kultur.

3. eine bestimmte gesellschaftskritische Haltung, ohne die Kulturwissenschaft sinnlos ist. Aus dieser Geisteshaltung folgen ihre Utopien, ihre Änderungsabsichten und ihre wissenschaftliche Sensibilität. Sie waren untrennbar verbunden mit Hoffnungen, die an eine reformierte DDR geknüpft waren. Es muss nicht betont werden, dass sie durch den Beitritt zur Bundesrepublik nicht erfüllt worden sind.

4. eine thematische Orientierung, die zwar die heutige Problemlage nicht annähernd erschöpft, sich aber keineswegs auf die spezifischen Verwicklungen des "Staatssozialismus" beschränkte: Wandlungen der Lebensweisen und Lebensstile, Spannungen zwischen Individualisierung und Massenkultur, ökologische Wende in der abendländischen Kulturauffassung, kulturelle Situation der Frauen, Voraussetzungen für einen kulturellen Pluralismus (Gruppenkulturen, Minderheiten, Föderalismus), kulturelles Leben der Städte und Gemeinden (Soziokultur, Vereinswesen), Formen der Kulturförderung, Spanne zwischen Alternativkultur und kommerziellem Kulturbetrieb usw. Und schließlich auch die Frage danach, was denn europäische Kultur sei und wie darin deren (staats)sozialistische Elemente platziert sind.

5. Einige Kenntnis der ostdeutschen Kultur und ihrer Geschichte.

Wenn das so ist, könnten sich die „Absolventen“ dieses Studienganges in den aktuellen Kulturdebatten als ein nützliches Potenzial erweisen oder erwiesen haben. Dem nachzugehen und auch zu fragen, worin ihre spezifische Reaktionsweise auf die Kulturprobleme der heutigen Gesellschaften besteht, dürfte Aufschluss über die Realitätsnähe des vertretenen kulturtheoretischen Ansatzes geben.


Nachsatz zu einem idealen Aufbau des Studiengangs Kulturwissenschaft

Obwohl gerade die "Logik" der Kulturwissenschaft(en) durch die allgemeine theoretische Zerstreuung in den letzten Jahrzehnten strittiger denn je geworden ist, mag dennoch eine Art Strukturvorschlag das hier vertretene kulturwissenschaftliche Konzept etwas anschaulicher machen. Es ist ein (unter den gegebenen Bedingungen gewiss nicht realisierbarer) Vorschlag für eine ideale Struktur universitärer Kulturwissenschaft. Er ist einseitig, versucht aber Tendenzen der internationalen Wissenschaftsentwicklung ebenso zu berücksichtigen wie die Leistungen der frühen deutschen Kulturgeschichtsschreibung, die deutschen Traditionen historischer Kultursoziologie und Ethnographie. Es ist dies auch eine (gewiss nur ideale) Gliederung der im Studiengang Kulturwissenschaft zu präsentierenden Fächer.

Das Modell unterscheidet drei Ebenen: Theorien, Teildisziplinen und angewandte Bereiche:

1. Allgemeine Kulturtheorie; sie umfasst etwa folgende Teilgebiete
* Theorien der Kulturgeschichte
* Theorien der kulturellen Systeme und der Kommunikation
* Theorien "individueller Reproduktion", der Biographie
* Theorien kultureller Wertung
* Kultursemiotik
* Wissenschaftsgeschichte u. Methodologie der Kulturwissenschaft

2. Kulturwissenschaftliche 'Teildisziplinen" (etwa)
* Kulturgeschichte / historische Anthropologie
* International vergleichende. Kulturforschung
* Ethnologie (Völkerkunde u. europäische Volkskunde)
* Kultursoziologie
* Kulturelle Kommunikations- und Medienwissenschaft
* Theorie und Geschichte von Kulturpolitik und Kulturarbeit
* Kulturökonomie

3. Angewandte Kulturwissenschaft (etwa)
* Kulturpädagogik
* Freizeitpädagogik
* Interkulturelle Erziehung
* Organisation und Verwaltung kultureller Prozesse
* Ökonomie kultureller Einrichtungen
* Kulturrecht


Anmerkungen

1 ] Vgl. dazu: Dietrich Mühlberg, Kulturwissenschaften. In: Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, Bd. 2, Hamburg 1990, S. 912 - 919.

2 ] dazu gehörten vor allem Bibliothekswissenschaft bzw. Information und Dokumentation, einzelne Studierende entschieden sich für Soziologie, Geschichte, Ethnographie, Philosophie, Hungarologie oder Theologie.

3 ] Das änderte sich erst in den 70er Jahren wirklich, als sich die Soziologie - ähnlich wie die Kulturwissenschaft - aus der Einbindung in die Philosophie löste.

4 ] Herrmann Bausinger, Volkskultur in der technischen Welt Stuttgart 1961

5 ] Bereits 1962 war Robert Weimann „New Criticism“ erschienen, 1967 folgte „Shakespeare und das Volkstheater“. Eine Gruppe des 1969 gegründeten Zentralinstituts für Literaturgeschichte (ZIL) hat schon bald ihr sozial gegründetes kommunikationstheoretisches Literaturkonzept in einer Serie von Publikationen expliziert. Diese Gruppe hatte sich vorher als Abteilung „Literaturtheorie und allgemeine Literaturwissenschaft“ am kulturwissenschaftlichen Institut gebildet. Ihr gehörten Robert Weimann, Wilhelm Girnus, Nyota Thun und Manfred Naumann an (der hier ein kunstsoziologisches Gemeinschaftsprojekt begann).

6 ] wie Lothar Parade meinte.

7 ] Vgl. dazu: Georg Iggers, Social History in the GDR. New Orientations in Recent East European Historiography (Introduction), Oxford 1991.

8 ] Vgl. dazu: Dietrich Mühlberg, Zum Stand kulturgeschichtlicher Proletariatsforschung in der DDR. In: Friedhelm Boll (Hg.), Arbeiterkulturen zwischen Alltag und Politik, Wien-München-Zürich 1986, S. 71-48. Siehe dazu auch: Volker Gransow, Zwischen Bier und Bildung. Kulturwissenschaftliche Revisionen in der DDR. In: Deutschland Archiv, 22. Jahrgang, Juni 1989, S. 667-671.

9 ] An der Leipziger Universität wurde das adäquate Institut erst kurze Zeit später selbständig - wenn solche Zeitrechnung auch in der Sache keine Rolle spielt. Aber man kann anführen, dass der langjährige Chef des Leipziger Instituts - Erhard John - an der ersten kulturwissenschaftlichen Dissertation „neuen Typs“ bereits 1956 zu arbeiten begann - allerdings als Doktorand am philosophischen „Mutterinstitut“ der Kulturwissenschaftler in Berlin.