KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
 Start  Reports  Themen  Texte  Zeitdokumente  Kritik  Veranstaltungen 
 Editorial  Impressum  Redaktion  Forum  Suche 
TextKulturation 1/2003
Kaspar Maase
Eine Republik von Provinzlern?
Ästhetisierte Region und nationale Identifikation im vereinigten Deutschland

Keine Schlacht im Teutoburger Wald

Im Sommer 1999, als die deutsche Regierung ihren Sitz in die neue alte Hauptstadt Berlin verlegte, fand fernab in der Provinz ein bemerkenswertes Ereignis statt. Dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, einem der bedeutendsten nationalen Monumente, wurde für zehn Wochen ein Sporttrikot übergestreift. Der germanische Heros trug nun die Farben des Bundesliga-Fußballvereins "Arminia" im benachbarten Bielefeld. Vor allem aber warb er mit dem unübersehbaren Logo auf seiner Brust für das "Herforder Pils" des Sponsors von "Arminia", eine regionale Brauerei mit überregionalen Ambitionen.
Die Aktion hatte ein beachtliches Medienecho im ganzen Land;[1] darunter waren nur ganz wenige kritische Stimmen. In der Umgebung gab es Unbehagen darüber, dass das "urdeutsche Denkmal" nun "Werbung machen" müsse.[2]
Die politisch Verantwortlichen aber sahen die Chance, die ökonomisch wie touristisch etwas im Schatten liegende Region Ostwestfalen-Lippe ins Rampenlicht zu rücken, und fragten ganz pragmatisch: "Was nutzt uns ein Symbol, das immer weniger Gäste anzieht?"[3]
Die Nüchternheit im Umgang mit dem Nationalmonument scheint mir das eigentlich Bemerkenswerte. Hier fand ein postmoderner Denkmalsturz statt, und die deutsche Öffentlichkeit sah absolut keinen Grund zur Aufregung. 1999 gab es keine Schlacht im Teutoburger Wald.
Um das Nicht-Ereignis angemessen zu beurteilen, müssen wir einen Blick werfen auf die Geschichte des Hermannsdenkmals.[4] Es war das erste der klassischen Nationalmonumente, die nach der Reichsgründung 1871 in Deutschland errichtet wurden, auf einem Hügel des Teutoburger Waldes bei Detmold in der ehemaligen Grafschaft Lippe, heute im Osten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gelegen. 1838 gründete sich der Verein, der in allen deutschen Staaten für das Projekt nach einem Entwurf Ernst von Bandels sammelte. 1875 wurde dann die 26 m hohe Figur auf dem 31 m hohen Sockel "an das deutsche Volk" übergeben - in Anwesenheit des als "Arminius Wilhelmus" glorifizierten deutschen Kaisers Wilhelm I.[5] Mittlerweile, nach dem Sieg über Frankreich und der Reichsgründung durch "Blut und Eisen" (Bismarck) manifestierte sich in der Legende von Hermann, der die Deutschen von Rom befreite,[6] ein an Schwung gewinnender deutscher Chauvinismus. Mit der Germaniafigur des Niederwalddenkmals über dem Rhein bei Rüdesheim (1877-83) und dem auf die Barbarossasage bezogenen Kyffhäuserdenkmal in Thüringen (1896) bildete das Hermannsdenkmal die Trinität eines expansiven nationalen Kultus.
Dargestellt ist Arminius,[7] römischer Bürger und Fürst des (wahrscheinlich) germanischen Stammes der Cherusker. Er erhielt um den Beginn unserer Zeitrechnung eine militärische Ausbildung bei den Römern und stand dann als Kommandeur von Hilfstruppen in ihren Diensten. Im Laufe der Kämpfe an der Nordflanke des Römischen Reiches wechselte er die Seiten, baute eine eigene Heeresmacht auf und besiegte im Jahr 9 unserer Zeitrechnung den römischen Statthalter Varus vernichtend. Bis vor kurzem nahm man an, die Schlacht habe im Teutoburger Wald stattgefunden; so lag es nahe, dem schon im 17. Jahrhundert zu "Hermann dem Cherusker" re-germanisierten Nationalhelden dort ein Denkmal zu setzen. Selbstverständlich blickt der Recke mit dem erhobenen Schwert nach Westen, um den "Erbfeind" einzuschüchtern. Seine militärische Mannestugend verband das Deutsche Reich mit einer legendären gemanischen Vorzeit; das "antirömische" Element konnte man - gut lutherisch - antikatholisch deuten, völkisch gegen die Überfremdung des deutschen Volkstums lesen oder schlicht antifranzösisch. "Hermann der Cherusker" vereinte das alles, und so taugte er als populäre Verkörperung deutscher Größe. Wie sehr, mag man auch daran erkennen, daß in New Ulm, Minnesota, von Deutschamerikanern ein etwas kleineres Hermannsdenkmal errichtet wurde (1888-1897), immerhin auch 31 m hoch.
Ich denke, erst vor diesem Hintergrund ist zu würdigen, was im Sommer 1999 (nicht) geschah. Der älteste deutsche Nationalheld hatte ein Comeback als regionaler Werbeträger für Profifußball und Bier. Man stelle sich die Freiheitsstatue im Basketballtrikot vor oder den Vercingetorix von Clermont-Ferrand unter einer Bierwerbung - das gäbe wohl einigen Aufruhr. Nichts dergleichen in Deutschland. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn vor einigen Jahren die Initiative Erfolg gehabt hätte, den Hermann von Christo und Jeanne-Claude verpacken zu lassen. Aber die hatten ein feines Gefühl für die aktuellen Bedeutungshierarchien. Sie lehnten den Koloss als "zu klein" ab,[8] hüllten den Berliner Reichstag in glänzende Folie und landeten damit den größten Publikumserfolg, den zeitgenössische Kunst in Deutschland je hatte. Jetzt scheint es, als sei das ehemalige Nationaldenkmal nur noch von regionaler Bedeutung, nicht mehr Herzensangelegenheit des deutschen Volkes, sondern Wahrzeichen für Ostwestfalen-Lippe und seine Produkte.[9]
Dezentrierung und Entnationalisierung scheinen bemerkenswert gerade auf dem Hintergrund der Besorgnisse, die auch nüchterne Beobachter im Zusammenhang mit der deutsch-deutschen Vereinigung empfanden. Man befürchtete eine nationalistische Euphorie, das Wiederhineingleiten in das Geleise unberechenbarer deutscher Großmachtpolitik, und nicht selten wurde damals die Schreckensvision eines "Vierten Reiches" beschworen. Der niederländische Schriftsteller Cees Noteboom sah 1989 einen Strom von "Trabis" aus der DDR zum Hermannsdenkmal pilgern.[10] Bis heute gilt der Koloss als Wallfahrtsort für Rechtsradikale, die gern einen Besuch der germanomythisch aufgeladenen Externsteine im Teutoburger Wald anschließen.[11]
Für die deutsche Öffentlichkeit jedoch scheint Hermann kein nationales Heiligtum mehr dazustellen; als er in den Dienst der Werbung trat, war kein Protest zu hören. Das kontrastierte deutlich mit der lauten Debatte, die zur selben Zeit um die kommerzielle Nutzung eines anderen deutschen Denkmals entbrannte: der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Als der Glockenturm für Bauarbeiten eingerüstet wurde, mietete ein Kosmetikhersteller die Fläche und präsentierte im Zentrum von Westberlin ein großes Transparent mit einem Bild des Models Claudia Schiffer. Die kommerzielle Nutzung des religiösen Bauwerks stieß auf heftige Kritik mit Resonanz im ganzen Land. Was hingegen dem früheren Nationalheros Hermann geschah, scheint man trotz bundesweiter Berichterstattung nur als Ereignis von regionaler Bedeutung wahrgenommen zu haben.


Das Verschwinden von Tradition

Hermanns Herabstufung führt zu der These, die in diesem Aufsatz entwickelt werden soll. Nach zehn Jahren Einheit, zu Beginn der "Berliner Republik", stellte sich Deutschland als ein Land dar, das vergleichsweise wenig Wert auf zentrale Repräsentationen nationaler historischer Traditionen legt. Hingegen fiel in den vergangenen Jahren eine ausgeprägte regionale, ja regionalistische Orientierung in der staatlichen Symbolpolitik wie in den alltäglichen Selbstzuordnungen der Menschen auf. Ich will in drei Schritten vorgehen. Erstens werde ich die beiden Tendenzen exemplarisch auf verschiedenen Feldern veranschaulichen. Zweitens will ich fragen, ob es sich hier um das aus dem 19. Jahrhundert bekannte Muster handelt, über die Konstruktion von Regionalcharakteren nationale Identifizierung zu befördern. Im dritten Teil möchte ich zeigen, daß der aktuelle Trend deutlich andere, in mancher Hinsicht postnationale Akzente trägt.
Zunächst also einige empirische Hinweise. Der Anfang der "Berliner Republik" 1999 war gekennzeichnet von überdeutlichem Bemühen um ein niedriges nationales Profil. Den Beginn der Regierungsarbeit in der neuen Hauptstadt markierten eine gewaltige Begrüßungstorte des Berliner Bürgermeisters, eine Kranzniederlegung am Grabe Willy Brandts und eine schon vom lokalen Wahlkampf geprägte Stadtrundfahrt von Kanzler Schröder - so touristisch, daß sie im Verkehrsstau steckenblieb. Der Einzug des Parlaments wurde herausgehoben durch die Öffnung seines neuen Sitzes für die Bevölkerung. Zentrale Attraktion war und ist die neue Kuppel auf dem alten Reichstagsgebäude, ein Werk des britischen Architekten Sir Norman Foster. Sie wird vor allem als ästhetisch faszinierende High-Tech-Architektur wahrgenommen und täglich von Tausenden genutzt als einzigartige Aussichtsplattform im neuen Zentrum. Das durchsichtige, weithin sichtbare neue Wahrzeichen stellte den traditionsträchtigen Bau des alten Reichstages von 1883 glatt in den Schatten. Die Bilder vom lichtdurchfluteten, spiralisch aufsteigenden Gang in der gläsernen Halbkugel werben heute für das neue Berlin; sie überlagern ältere Bilder, die das Gebäude mit traumatischen Ereignissen der deutschen Geschichte verknüpften: das Foto von der Hissung der Sowjetflagge auf der Ruine 1945, die Aufnahme vom brennenden Reichstag mit dem ausgeglühten Gerippe der alten Kuppel 1933. Sie überlagern die Erinnerung an Reichstagsbrand und nationalsozialistisches Ermächtigungsgesetz, die sich wiederum vor das eher durch Machtlosigkeit als durch demokratische Kühnheit gekennzeichnete Parlament der Kaiserzeit geschoben hatten. Das entsprach durchaus dem offiziellen Bemühen, den Bundestag abzukoppeln von den politischen Traditionen des Reichstags; die Debatte um die korrekte Bezeichnung des Parlamentssitzes im umgestalten Reichstagsgebäude enthüllte eine geradezu bizarre Berührungsangst. Die eigentliche Vergangenheitsaustreibung hatte allerdings schon zwei Jahre vorher stattgefunden, mit der Verpackung des massigen Baus durch Christo und Jeanne-Claude. Durch heiter gestimmte Massenspaziergänge und Picknicks auf dem vorgelagerten Grün eigneten sich die Berliner und viele von auswärts Angereiste den "neuen Reichstag" an. Am 28. August 1999 wurde Goethes 250. Geburtstag begangen - auch dies kein nationales Ereignis, sondern Anlaß für regionale events in Frankfurt am Main und Weimar. Die Feiern waren überhaupt nicht zu vergleichen mit denen von 1949, als beide deutsche Staaten versuchten, sich der Legitimation durch den Klassiker zu versichern, und mit der Resonanz auf Thomas Manns damalige Reden. Am Anfang des Goethejahrs hielt Bundespräsident Herzog die obligate Ansprache, doch die war bald wieder vergessen. Im Sommer warb man für die touristischen Highlights von Weimar und Frankfurt und für mehr oder minder obskure regionale Spezialitäten, die vom Jubiläum zu profitieren suchten. "Goethes Liebling" zum Beispiel, Thüringer Mettwurst im Schweinedarm, verzeichnete ein Umsatzplus von 20%, seit der Name des Dichterfürsten das Produkt adelt.[12]
Nach dem bissigen Kommentar eines Journalisten maß sich die Geltung Goethes im Gedenkjahr an der Zahl der belegten Hotelbetten.[13] Doch es wäre ein Mißverständnis, in der Wendung zum Regionaltourismus vor allem Verzicht zu sehen, ein Zurückschrecken vor dem hohen Ton nationaler Erbe-Beschwörung à la "Volk der Dichter und Denker". Was auffällt in den letzten Jahren, ist vielmehr das anhaltende und aufwendige Bemühen öffentlicher Institutionen, mithilfe neuer ästhetischer Strategien die Identifizierung der Bürger mit ihrer Region oder ihrem Bundesland zu fördern - eine offensive und innovative Symbol-Politik der Regionalisierung.


"... die verrückteste Ausstellung, die ich je gesehen habe!"

Zunächst sind zwei zentrale Begriffe zu definieren. "Ästhetisch" verstehe ich im Folgenden im Sinne von aisthesis: sinnliche Erkenntnis. Mit John Dewey sehe ich ästhetische Erfahrung fundiert in der normalen Lebenstätigkeit.[14]
Durch die Intensität sinnlicher und emotionaler Eindrücke ragt sie heraus aus dem Getriebe des Alltags und hebt uns darüber empor. Sie steigert das unmittelbare Daseinsgefühl, indem sie Züge gewöhnlichen Erfahrens sozusagen von allem Störenden und Zufälligen reinigt, sie verdichtet und emotional zu einem Ganzen verbindet. Überlegungen des Kultursoziologen Gerhard Schulze zur Ästhetisierung der Alltagswelt, die er im Konzept des "Erlebnisses" fokussiert,[15] scheinen in einem ähnlichen Verständnis des Ästhetischen gegründet.
Regionale Identifikation verstehe ich hier als subjektive Herstellung einer positiv besetzten Beziehung zur überlokalen Umwelt.[16] Sie kann mehr oder weniger stabil sein und reicht von der hedonistischen Empfindung, daß es sich irgendwo "gut leben lasse" bis zur ethnischen Selbstdefinition, jemand sei in seinem Wesenskern ein Thüringer und daher verpflichtet, Thüringer Art und Thüringer Erbe gegen alle vermuteten Bedrohungen zu bewahren.
Der Versuch, Identifikation mit dem Bundesland zu stärken und an die jeweils regierende Partei zu binden, gehört schon länger zum politischen Repertoire Westdeutschlands. Am systematischsten betreibt das Geschäft die CSU; sie präsentiert sich derart als privilegierte Vertreterin bayerischer Lebensart und Mentalität, daß die politischen Konkurrenten daneben farblos und fremd (auf bayerisch: "zuagroast - zugereist") erscheinen. Neben dem Bodenständigen wird zunehmend mit einer beinahe stammesspezifischen Modernität geworben - "Laptop und Lederhose" lautet der jüngste, erfolgreiche Slogan. Vergleichbares versucht die SPD auf ihren politischen Erbhöfen; "Wir in NRW" hieß das dann in Nordrheinwestfalen.
Das ist sozusagen Standard, und es ist eine recht konventionelle Strategie. Trotz Laptopbeschwörung spielen Aura und Glanz einer vormodernen, möglichst monarchischen Vergangenheit die tragende Rolle. Aktuelle Projekte diesen Typs sind der Wiederaufbau der barocken Frauenkirche in Dresden, der Garnisonkirche in Potsdam und, noch umstritten, des Stadtschlosses in Berlin. Gerade das Ideal einer äußerlichen Restauration des früheren Zustandes unterscheidet sie von der Umgestaltung des Reichstagsgebäudes oder der modernen Erweiterung des Deutschen Historischen Museums im barocken Berliner Zeughaus durch I.M. Pei.
Eine deutlich andere Strategie zeigt sich in einer ganzen Reihe von Ausstellungen, mit denen verschiedene Landesregierungen regionale Identifizierung zu fördern suchten. Sie setzen, das scheint mir die entscheidende Differenz, auf ästhetische Mobilisierung[17] des Erbes der Industriemoderne. 1998/99 gab es allein vier große Projekte, die weder Auratisierung noch Geschichtsdidaktik betrieben, sondern - in unterschiedlicher Konsequenz - ästhetische Erfahrung inszenierten. Gemeinsam ist ihnen, daß die "bespielten" Gebäude nicht nur einen Rahmen oder eine Bühne liefern, sondern selber als Hauptdarsteller eines allein schon durch seine Dimensionen überwältigenden, faszinierenden Ensembles auftreten. Es sind, darin gründen der regionale Bezug und das Identifizierungsangebot, Giganten der Industrietechnik; in Deutschland nennt man sie gerne, in einer Mischung aus Bewunderung und Distanz, Kathedralen der Arbeit. Allesamt stillgelegt, verkörpern die Dinosaurier eines prometheischen Zeitalters eine Vergangenheit, die gleichermaßen verklärt wie zum Problem geworden ist. Als inszenatorisch revitalisierte, ästhetisch zu einem zweiten Leben erweckte Attraktionsmaschinen symbolisieren sie zugleich die Fähigkeit und das Selbstvertrauen der Region, aus dem industrialistischen Erbe eine offene Zukunft zu gestalten.
So lautet das Konzept. Und zumindest im Westen spricht die große Resonanz der Besucher dafür, daß sie die hier eröffneten Spiel- und Reflexionsfelder auch annahmen. "Sonne, Mond und Sterne" zählte 1999 in viereinhalb Monaten 213.000 Gäste. Ein Viertel davon hatte einen Haupt- oder Realschulabschluss;[18] das liegt zwar deutlich unter dem Anteil dieser Gruppe an der Bevölkerung, aber deutlich über ihrem Anteil am Publikum anderer kulturhistorischer Ausstellungen. Gut die Hälfte der Besucher nannte als Hauptmotiv die Besichtigung der Industrieanlage, und viele wurden, wie im Gästebuch zu lesen war, "überwältigt von der Schönheit der Produktionswelt, die bisher verschlossen war." Das galt nicht nur für Auswärtige, denen die Arbeitswelt der Ruhrindustrie unbekannt war, sondern auch für die Einheimischen. In einer Befragung äußerten sich fast 90% positiv über die "verrückteste Ausstellung (in einem verrückten Museum), die ich je gesehen habe! Sehr interessant und beeindruckend!"[19] Daß das Identifikationsangebot der Ausstellung angenommen wurde, darauf verweisen Kommentare wie "Eine Kulturstätte wie diese in unserer Heimat macht uns stolz"; "Schön, schön. Ruhrgebietler fühlen sich wohl!!"; Wie sollen unsere Kinder sonst die Geschichte dieser Region wirklich verstehen lernen?"; "Eine tolle und auch nachdenklich stimmende Ausstellung in fantastischer Kulisse - ein Stück Heimat, die mein Herz erwärmte"; Ich entdecke die Welt, in der ich aufgewachsen bin, neu"; Ein Stück Heimat wurde mir näher gebracht. Danke!!!" Wegen der außerordentlichen Resonanz wurde die Ausstellung im Jahr 2000 fortgeführt.
Ihr Vorläufer war 1994/95 die begeistert aufgenommene Ruhrgebietsgeschichtsschau "Feuer und Flamme" im Oberhausener Gasometer gewesen.[20] 1999 erlebte dann die stillgelegte Kokerei der Zeche Zollverein in Essen "Sonne, Mond und Sterne. Kultur und Natur der Energie"[21] - nach dem Willen der Ausstellungsmacher die Verwandlung eines Industrieareals in einen verwunschenen Phantasieraum, in dem das Märchen von der Kohle erzählt werden soll. Hier war das durch Größe wie Formensprache faszinierende Technofossil direkter Akteur. Die Kokerei, in der bis 1993 täglich aus 10.000 Tonnen Kohle Koks und Gas erzeugt wurden, verwandelt sich in eine photovoltaische Anlage zur Gewinnung von Solarenergie, und die Besucher beteiligen sich daran, indem sie Module der entstehenden Sonnenfabrik ("Watt von der Sonne") erwerben; eine Liste führt alle Spender namentlich auf. Eine stärkeres Symbol, um sich mit der Erneuerung der proletarischen Region zu identifizieren, ist schwerlich denkbar. Dem Land Nordrheinwestfalen war das 10,5 Mio DM wert.[22]Das ehemalige Großkraftwerk Vockerode an der Elbe war 1998 und 1999 Schauplatz für zwei Ausstellungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts.[23] Das monumentale Kesselhaus beherbergte Exponate, die überraschend kombiniert und überwiegend assoziativ und metaphorisch verbunden waren; ein eigens erbauter "Erlebnispfad"[24] führte die Besucher hindurch. Der gewaltige Industriebau und die materiellen Zeugen der dort eingesetzten Kräfte wirkten zusammen mit den historisch-ästhetischen Collagen als postindustrielle Eindruckserzeugungsmaschine mit regionalistischer Einstimmungsfrequenz. An beiden Orten verband sich die überwältigende Ästhetik der Funktionsbauten - überraschend auch für die ehemals Beschäftigten, denn die Inszenierung macht die stillgelegte Anlage zur einer neuen, fremdartigen Sinneserfahrung - mit Elementen klassischer Ausstellungstechnik: Vitrinen, Originalobjekte mit der Aura des Authentischen, erläuternde Texttafeln. Kunst gehörte an prominenter Stelle dazu, traditionelle Tafelbilder wie zeitgenössische Installationen. Die Zutaten illustrierten jedoch nicht ein didaktisches Konzept; einzelne Themen (durchaus im musikalischen Sinn) wurden assoziativ, collageartig, in erhellenden und irritierenden Konstellationen der Exponate vergegenwärtigt. Im Vockeroder Kraftwerk boten sich, so ein Rezensent, "ästhetische Konfrontationen von hohem Reizwert: Stahlträger gegen ottonische Kapitellkunst, von der Hitze angefressene Eisenroste, die den Blick auf hochkalibriges Waffengerät öffnen, das gut sichtbar unter einem liegt und über das man zwangsläufig hinweg gehen muß, das wohltemperierte Klavier ertönt in einem früheren Schaltstand".[25] Der Arrangeur der Medien und Erzählweisen kündigt die selbstverleugnend dienende Rolle gegenüber den - so die klassische museologische Sicht - zu präsentierenden und sachgerecht zu kommentierenden Zeugnissen der Geschichte auf. Die Inszenierung führt den Besucher entlang verschiedener "Merk- und Zeigewelten", provoziert sinnliche Erkenntnis, öffnet überraschende Blickachsen und macht Vorschläge für persönliche Sinngebung.[26] Ausstellung wird zum eigenständigen Genre angewandter Kunst wie Gartengestaltung oder Produktdesign. Am weitesten in dieser Richtung ging die vierte hier zu erwähnende Variation des neuen, ästhetisierten Regionalismus. Sie fand unter dem Titel "Prometheus. Menschen. Bilder. Visionen" in der Alten Völklinger Hütte im Saarland statt; das Ensemble zählt seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hier ist die Inszenierung alles. Die "Ausstellung" kam ohne Originale aus - sie war selbst ein Originalkunstwerk, das in überwiegend medialen Installationen Entwicklung und Probleme neuzeitlicher Körper- und Menschenbilder in Europa visualisierte. Denk-Räume und verfremdende Kontrastierungen eröffneten Fragenhorizonte und phantasieanregende Perspektiven.[27] Auch hier spielten die Stahlwerksarchitektur und ihre nach der Stillegung ästhetisch freigesetzte Formensprache eine Hauptrolle, auch hier ging es um das Selbstverständnis und die Zukunftsvisionen einer vom Ethos der Montanindustrie geprägten, nun verunsicherten Region.
Viele weitere Beispiele ließen sich anführen, die im Medium der sinnlichen Erkenntnis regionale Erfahrungen bearbeiten und der reflektierenden wie identifikatorischen Aneignung darbieten. Zu nennen wären etwa "Ferropolis - Die Stadt aus Eisen", die seit der Expo 2000 im mitteldeutschen Braunkohlerevier die Faszination der Tagebautechnik und das Erbe der Umwelteingriffe thematisiert. Oder das (nichtkommerziell!) zum illuminierten Landschafts- und Abenteuerpark umgenutzte ehemalige Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich.[28]


Typisch deutsch?

Bei den dargestellten Modellen handelt es sich um Angebote zur ästhetisch akzentuierten regionalen Identifizierung. Viele Belege sprechen für breite, positive Resonanz. Aber was bedeutet das subjektiv? Welche Rolle spielt für die Deutschen des 21. Jahrhunderts die Identifikation mit der Region, in der sie leben, und wie verknüpfen sie eine eventuelle Selbstdefinition als Westfale oder Sächsin mit ihrer nationalen Zugehörigkeit? Um ehrlich zu sein: Ich kann nur punktuelle Hinweise geben, und ich bezweifle auch, daß eine eindeutige Antwort, die für längere Zeit Gültigkeit beansprucht, sinnvoll wäre. Selbstidentifikation ist keine Sache sozialwissenschaftlich abgefragter Meinungen, sondern praktischer Handlungen. Die Menschen der Postmoderne verfügen über schillernde Optionen und mehrdeutige Bindungen. Ihre Selbstzuordnung wechselt mit dem Handlungskontext, mit der konkreten Situation und den Interaktionspartnern, sie hängt ab von der Wahrnehmung sozialen Konformitätsdrucks und medienvermittelter öffentlicher Erwartungen.
Zunächst ist eine historische Anmerkung zu machen. "Heimat" war ein Schlüsselwort deutscher Mentalitätsgeschichte in den letzten beiden Jahrhunderten.[29] Entsprechend tief ist auch heute noch im Alltagsbewußtsein die Erwartung verankert, daß ein normaler Mensch emotional mit einer lokalen oder regionalen Lebenswelt verbunden sei; mit dieser Erwartung der Anderen muß sich jede Person auseinandersetzen. Hermann Bausinger hat jüngst, mit nur ganz leichtem Augenzwinkern, behauptet, als Ergebnis von Jahrhunderten territorialstaatlicher Zersplitterung sei das "lebendige Bewußtsein regionaler Unterschiede ... typisch deutsch".[30]
Vor diesem Hintergrund einige demoskopische Befunde. In den neunziger Jahren wählte ein knappes Fünftel der Bundesbürger unter verschiedenen, einander ausschließenden Möglichkeiten, sich selber zu bezeichnen, einen landsmannschaftlichen Namen wie Thüringer, Westfale oder Berliner. Einen Sonderfall bildet die Selbstidentifizierung von Menschen auf dem Territorium der ehemaligen DDR als "Ostdeutsche". So hielt es dort immerhin jeder zweite (1995); nur jeder Dritte bezeichnete sich als Deutscher - während auf der anderen Seite nur jeder Zehnte sich als "Westdeutscher" verstand.[31] Zur Landsmannschaft bekennen sich keineswegs nur die Älteren. Auch unter Schülern erklärt ein nennenswerter Anteil, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Region sei wichtig für ihr Wohlbefinden und ihren Stolz.[32]
Auf die offene Frage, zu welcher Gruppe sie sich zugehörig fühlten, antworten in einer nicht repräsentativen Studie viele Interviewpartner als erstes mit regionalen Identifizierungen. Im weiteren stellte sich heraus, daß dahinter Probleme standen, die die meisten nach 1945 Geborenen mit ihrer "schwierigen Nation" haben. Hier dominieren ambivalente Gefühle; im Schatten von Auschwitz ist es für viele kaum möglich, sich ungebrochen als Deutsche zu definieren. Für nicht wenige liegen nationale Selbstzuordnung und Nationalismus so eng beieinander, daß es zu einer heiklen Aufgabe wird, die Zugehörigkeit zu den Deutschen zu formulieren. Regionale Identifizierung ist also nicht nur stärker alltagsrelevant und damit subjektiv bedeutsamer; es fällt auch leichter, an Land und Leuten der näheren Umgebung das Positive und Schöne herauszustellen. Im Bekenntnis zur Region, so der bedenkenswerte Befund, kann sich ein Zugehörigkeitsbedürfnis artikulieren, dem im Blick auf die Nation massive politische Bedenken entgegenstehen.[33]
Welche Bedeutung hat nun im Alltag die ästhetische Dimension regionaler Identifizierung? Ein exemplarischer Hinweis muß hier genügen. Ganz offensichtlich (und umstritten) ist sie bei einem der effektivsten Medien alltäglichen Stimmungsmanagements, der populären Musik. Einer der ganz großen Hits in den deutschen Pop-Charts im Frühjahr 1999 war Marius Müller-Westernhagens "Wieder hier" mit dem Refrain "Ich bin wieder hier / In meinem Revier. / Will nie wieder weg / hab' mich nur versteckt" und der viele anrührenden Botschaft, er sei "froh, zu Hause zu sein". Damit reüssierte auch in der Popmusik eine Tendenz, die als sogenannte "volkstümliche Musik", genauer: als volkstümlicher Schlager, in Deutschland seit den achtziger Jahren großen Erfolg hat: die Beschwörung einer heimatlich-überschaubaren heilen Welt im regionalen Winkel, mal sentimental bis zum religiös überzuckerten Kitsch, mal derb nach den Klischees einer ländlich-urtümlichen Volkhaftigkeit. Jedenfalls gehören Zeichen, die Tracht und Mundart, Dörflichkeit und Natur, Gemeinschaft und kollektive Gestimmtheit evozieren, zum unverzichtbaren Repertoire der entsprechenden Inszenierungen. Der Ausbruch der volkstümlichen Musik aus ihrer Marktnische[34] wurde seit dem Anfang der 1980er von zunächst wenigen Unternehmern energisch betrieben, und gegen Ende des Jahrzehnts war das in Sound und Marketing auf die Höhe der Zeit gebrachte Produkt etabliert. Auf irgendeinem der ca. 25 Fernsehkanäle lief jeden Tag zur prime time eine Show des volkstümlichen Schlagers. Nach der Vereinigung erhielt das Genre neuen Schub durch den außerordentlichen Erfolg, den es bei vielen Ex-DDR-Bürgern hatte. Mittlerweile ist der Höhepunkt des Booms überschritten. Der volkstümliche Schlager ist, bei wachsenden Überschneidungen mit anderen Genres wie dem deutschen Schlager und dem Alpen-Rock als spezieller Ethnopop-Variante, als relevantes Genre etabliert; sein Publikum ist definitiv nicht beschränkt auf Senioren aus der Unterschicht.
Der Erfolg der volkstümlichen Schlagers und seine Aufgipfelung nach 1989 waren begleitet von konservativen Vereinnahmungsversuchen und ressentimentgeladenen Beschwörungen, die deutsche Sprache und Gefühlslage gegen das angelsächsisch dominierte internationale Popmusikgeschäft zu verteidigen. Diese Kombination wiederum gab Anlaß zu scharfer Ideologiekritik. "Das Zusammenwachsen der beiden deutschen Gesellschaften hat als gemeinsame Kultur nur das Volkstümliche hervorgebracht"; den Kern der "großdeutschen Volkstümlichkeit" bilde ein "eigenartige[r] Verbund von Alkohol, Sexualität, Faschismus und Regression", hieß es. Und im Klartext: in jeder Volksmusiksendung des Fernsehens stecke ein "Nazi-Traum"[35] Volkstümliche Musik galt nicht wenigen als Soundtrack des Vierten Reichs. Ernstzunehmende Untersuchungen der kulturellen Praxis, um die es hier geht, gibt es bis heute nicht. Unübersehbar ist aber die große Nachfrage nach derartigen Inszenierungen von Regionalität und Heimatbezug, die Angebote für regionale Identifizierung machen. Man mag sich in diesem Zusammenhang erinnern an Walter Benjamins Warnung vor der "Ästhetisierung der Politik, welche der Faschismus betreibt."[36] Wie überzeugend ist nun die These, dieser Regionalismus bilde einen gefährlichen emotionalen Treibsatz für machtstaatlichen deutschen Nationalismus[37]? Immerhin funktionierte es nach der Reichseinigung 1871 so.


Raketen und Feuerwerk

Wer sich nur ein wenig beschäftigt hat mit der Faszination des Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert, wer die Vielzahl der Quellen bedenkt, die im reißenden Strom dieses politischen Glaubens zusammenlaufen, der wird zurückhaltend sein mit Prognosen über seine schwindende Kraft. Ich stelle hier auch keine Prognose vor, sondern eine Momentaufnahme des Verhältnisses von nationalstaatlicher Integrationssymbolik und modernisiertem Regionalismus. Zunächst aber ein kurzer Blick auf das Verhältnis von Regionalkultur und Reichsnationalismus in Deutschland zwischen 1871 und 1914. Aus den Untersuchungen von Celia Applegate,[38] Alon Confino,[39] Detlef Briesen und anderen[40] wissen wir, daß - sehr vereinfacht - das Bild der Zweistufenrakete hier ganz gut trifft. Die bürgerlichen Eliten und die staatlichen Autoritäten auf lokaler und regionaler Ebene verbanden zwei Zielstellungen. Die Inszenierung regionaler Besonderheit und die Einübung partikularstaatlicher Identifizierung ("Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein!") durch die Rituale von Trachtentragen und gemeinsamem Singen waren kein Gegensatz zur Produktion des Stolzes darauf, Deutscher im mächtigen Deutschen Reich zu sein. Wohnort, Region, Teilstaat und Nationalstaat waren (und sind bis heute) verknüpft in einer Ordnung "gestufter Identitätspotentiale".[41] Es gab Reibungen zwischen den Loyalitäten und die Kultivierung welfischer oder altbairischer Vorbehalte; aber im August 1914 fühlten sich auch der "waschechte Pfälzer" und der "erdverwurzelte Westfale" rückhaltlos als Deutsche aufgerufen. Applegate arbeitet heraus, wie "Heimat" und "Heimatliebe" als "natürliche Grundlage" für die Identifikation mit Nation und Reich instrumentalisiert wurden . Briesen zeigt, daß die Erfindung regionaler Traditionen auf die Einbindung in den Gesamtstaat hin angelegt war. Zugespitzt: Der echte Franke, Mecklenburger, Schwabe usw. zeichnete sich "immer schon" durch ganz besondere Hingabe an Kaiser und Reich aus. Das "Siegerländer Heimatbuch" von 1914 brachte es auf den Punkt mit dem Wunsch: "... möge es uns nie an Männern fehlen, die von sich sagen können: Ich bin ein echter Deutscher und noch dazu ein Siegerländer, und das gilt soviel wie zwei Deutsche."[42]
Auch heute wird in Deutschland noch traditionelles Heimat- und Regionalbewußtsein gepflegt, das sich mehr oder minder schnell zur ersten Stufe einer Nationalismus-Rakete umrüsten ließe. Sicher passen einige der früheren ideologischen Verbindungsstücke nicht mehr, aber aktuelle ökonomische Konflikte und der verführerische "kulturelle Rassismus" versprechen wirksamen Ersatz. Uns geht es jedoch um den Regionalismus neuen Typs, und der ist, wie im Folgenden zu zeigen sein wird, ausgeprägt subjektbezogen; regionale Identifizierungen tragen ästhetischen, erlebniszentrierten Charakter. Man empfindet sich zugehörig, weil die Region mit angenehmen Erinnerungen und der Erfahrung guter Gefühle verbunden wird. Um das zweifelhafte Bild ein letztes Mal zu strapazieren: Hier dienen identifikatorische Treib- und Sprengstoffe nicht dem Raketenbau, sondern der flüchtigen, dem Augenblick verhafteten Kunst des Feuerwerks. Die erwähnten Ausstellungen beispielsweise gehorchen nicht der rationalistischen Didaktik des Erklärens und Einordnens, sie zielen auf spontane sinnliche Erkenntnis, die von Verfremdung, Staunen und Assoziation ausgeht. Im Verhältnis zur Region vermitteln sie weder fragloses Wissen noch stiften sie herzerwärmende Traditionen. Es werden keine eindeutigen Herkunftslinien geknüpft, um die heutigen Besucher mit Vorfahren zu verbinden, die ihnen Erbe und Auftrag hinterlassen haben oder verbindliche Vorbilder darstellen. Region wird hier positiv bedeutsam als Anlaß für Erfahrungen, die (mit einer Formulierung Gerhard Schulzes) dem individuellen "Projekt schönen Lebens"[43] dienen. Überraschende und befremdende Perspektiven auf Vergangenes verdichten sich in Arrangements von Objekten, die sich in der Einbildungskraft festsetzen und dort ein eigenes, irritierendes Leben beginnen. Totgeglaubte Regionalgeschichte wird transponiert in einen Möglichkeitsraum, in Energie für Denkspiele und Traumexpeditionen. Für die Einheimischen ist die Ausstellung eine regionale Attraktion; sie wird genutzt als Bühne, auf der man sich als Besucher bewegen und lustvoll ästhetische Erfahrungen machen kann. Region gewinnt den Reiz historischer Tiefe als "Rekonstruktion eines assoziativ zusammengehaltenen Kosmos",[44] und sie erweist sich als Ort intensiven, zur Alterität hin geöffneten Erlebens hier und jetzt.


Virtuelle Regionen und die Heimat des Merchandising

Ausstellungen machen die Region ästhetisch reizvoll und liefern Stoff für Identifizierung; sie haben die Kraft außergewöhnlicher Ereignisse, weil sie einmalig sind.
Kontinuierlicher, alltagsnäher ermöglicht eine andere Massenkunst gesteigertes Erleben des regional Besonderen. Der kommerzielle Fußball funktioniert seit einiger Zeit ebenfalls als Medium des neuen Regionalismus, als Anlaß und Vehikel für die Produktion einer "Wir-Region" oder eines regionalen Wir. In der ehemaligen DDR sind Vereine wie Hansa Rostock oder Energie Cottbus zu Kristallisationskernen eines in Frage gestellten Selbstwerts geworden, weit über die jeweilige Stadt hinaus. Und westdeutsche Beobachter waren erstaunt, was der Gewinn von europäischen Pokalwettbewerben durch Schalke 04 und Borussia Dortmund im Frühjahr 1997 ans Tageslicht brachte. In den Mannschaften spielen Professionals aus mehreren Kontinenten, unter denen kaum Kinder der Region zu finden sind; Schalke wurde von einem niederländischen Trainer zum Sieg geführt. Doch die Begeisterung überwand tiefsitzende Lokalrivalitäten zwischen den Vereinen und aktivierte regionale Identifkationen. Im Endspiel gegen Turin feuerten auch Anhänger konkurrierender Clubs die Dortmunder mit dem Schlachtruf "Ruhrpott, Ruhrpott!" an.
Wie haben wir uns solche Identifizierungsprozesse vorzustellen? Dienen hier knochenharte, unsentimentale Geschäftsunternehmen mit einer multinationalen work force als Anziehungspunkte, um die sich eine symbolische Gemeinschaft regionaler Anhänger und Experten schart, die daraus ihre Selbstvergewisserung speisen?[45] Unzweifelhaft ist jedenfalls, daß es zu kurz greift, hier nur rauschhaftes Aufgehen in der Masse zu sehen. Heutige Fans beteiligen sich in großer Zahl aktiv an den Inszenierungen ihrer local heroes. Sie legen Wert auf Eigenständigkeit und leisten durch kreative Praxen einen unübersehbaren Beitrag dazu, daß das Erlebnis, die einmalige, den Alltag überstrahlende und vertiefende Erfahrung sich ereignet. Länger schon werden kunstreiche Sprechchöre und Gesänge gepflegt;[46] viele Fanclubs produzieren eigene Fanzines. Neben der umlaufenden "La Ola"-Welle wurden ausgefeilte Choreographien entwickelt, mit denen Tausende Besucher eine eigene visuelle Botschaft ins Stadion und über die Massenmedien senden. Hier scheint es, als gebe das kommerzielle Produkt "Fußball" nur noch den Rahmen ab für Publikumsaktivitäten zum "Zweck des 'Über-sich-selbst-Staunens'"[47] Zum selbst geschaffenen Erlebnis gehört schließlich auch die - glücklicherweise überwiegend noch ritualisierte - Machtprobe mit den gegnerischen Fans. Ich komme auf den Fußball zurück.
Vorher noch eine Anmerkung dazu, wie der "volkstümliche Schlager" die Region konstruiert. Es ist eine virtuelle Regionalität, eine Welt frei flottierender Zeichen; sie beziehen sich auf keinen Referenten jenseits der Inszenierung mehr, sondern auf die Essenz der wohltuenden, beheimatenden, regressiven Empfindungen, die man früher einmal mit konkreten, differenten Regionen zu verbinden pflegte. Schon länger wissen wir, daß die Lobpreisung der unverwechselbaren, unersetzlichen Heimat sich an jedem Ort derselben Topoi bedient. In den Liedern brauchten nur die Namen ersetzt zu werden, dann konnte Franken mit denselben Worten zum schönsten Fleck der Welt erklärt werden wie Thüringen. Hermann Bausinger sprach schon 1964 vom "multiplen Wiesengrund" und verteidigte die Funktionalität derartiger "Konfektionsware, die man anderswo ebenso trägt".[48]
Mittlerweile ist die Verselbständigung der Zeichen fortgeschritten, und ebenso, behaupte ich, die Kunst der virtualitätsbasierten Stimmungsgenerierung im Publikum. Es ist eine geschlossene Welt der Signifikanten, die auf nichts verweisen als auf andere Arrangements derselben Signifikanten; sie dienen den Rezipienten dazu, jene wohltuende Regressionsempfindung auszulösen, die Begriffe wie "Heimat" und "Region" versprechen.
Dem Aufstieg der Signifikanten "Alpenglühn" und "Edelweiß", Dirndl und Trachtenjanker entspricht der Niedergang der wirklichen Alpenregionen als sommerliche Urlaubsziele. Keine reale Landschaft vermag die Regionalitätserlebnisse auszulösen, die die flottierenden Signifikanten im Kosmos des volkstümlichen Schlagers ermöglichen. Und so muß man sich auch fragen, welche Beziehungen die virtuelle Welt von Birkengrün und Herzlichkeit, Jodelklang und Nordseestrand noch zum Nationalen in der realen Gestalt staatlicher Symbolpolitik und kollektiver Ansprüche hat. Mir scheint, der Drang in die Nische virtueller Heimatlichkeit korreliert eher mit der Blässe zentralstaatlicher Symbolpolitik als daß er auf ein spezifisches, brisantes Reservoir für nationalistische Mobilisierung verwiese.
Die ästhetische Aneignung von Region hat immer weniger gemein mit dem traditionalen - und weiterhin relevanten! - Muster der Identifizierung mit Heimat; gesucht und geschätzt wird eine "Kulisse, die zur Steigerung positiver Erlebnisse beiträgt."[49] Daß dabei die Substanz regionaler Identifizierung sich verändert, sei an einem letzten Beispiel angedeutet, das den Kreis schließt zu Hermann dem Arminen. Die erlebnisorientierte Identifikation mit dem regionalen Fußballunternehmen scheint an einigen Orten dahin zu führen, daß die (relativ) geschichtslosen kommerziellen Zeichen des Vereins neben, vielleicht sogar vor die traditionellen Zeichen treten, die bisher die Region in ihrer landschaftlichen, historischen, ethnisch-kulturellen Besonderheit repräsentierten.
Neu ist nicht, daß bekannte Fußballclubs oder Stadien in Reiseführern als regionale Sehenswürdigkeit angeführt werden; das gibt es schon seit Jahrzehnten. Neues zeigt sich am Beispiel "Bayern". Das Lemma an sich ist mittlerweile mehrdeutig geworden in Deutschland. Es hängt vom Kontext ab, ob es "Bundesland/Region" oder "Münchner Fußballclub" bedeutet. Ein Kollege hat nun in Souvenirläden beobachtet, daß dort das Bayerische zunehmend durch Fanartikel des FC Bayern München GmbH repräsentiert wird.[50] Solche Läden bilden eine einzigartige Quelle; sie bieten sozusagen die Hitliste der Regionalsymbole. Was hier in den Regalen steht, auf T-Shirts gedruckt oder als Tonträger zu kaufen ist, das sind die Zeichen, die für die meisten die Region repräsentieren. Was die Kunden nicht annehmen, fällt aus dem Angebot.
Souvenirläden orientieren sich zunächst einmal am Heterostereotyp des Regionalen; ihre Zielgruppe sind Touristen, die die Essenz des Bayerischen als Andenken erwerben wollen. Doch wissen wir, daß das Fremdbild auf Dauer das Autostereotyp beeinflußt. Regionen bauen heute mit allen Künsten der PR ein Image auf, um sich weltweit zu "verkaufen"; so beeinflussen auch die Fremden das Bild Bayerns. Jedenfalls nehmen Fanartikel des FC Bayern hier immer größeren Raum ein. Neben die weißblauen Rauten treten die rotweißen Vereinsfarben, neben den bayerischen Löwen das Logo des Sponsors Opel, neben das T-Shirt König Ludwigs das Bild des schönen Mehmet Scholl, neben die Lederhose das Bayern-Trikot der Saison. Die Merchandising-Experten des Fußballunternehmens liefern die Symbole der Region.
Man kann zumindest spekulieren, worauf der Erfolg in der Konkurrenz der Zeichen beruht. Wer mit der Bundesliga aufgewachsen ist, dem bieten die events der Bayern-Spiele und der Bayern-PR mehr an Erlebnis, mehr Stoff für das Projekt des schönen Lebens, mehr Identifizierungspunkte als Neuschwanstein, Schuhplattler und kerniger Dialekt.
Aus diesem Grund bin ich auch zuversichtlich, daß unser vom Vergessen bedrohter Nationalheld gute Aussichten hat auf eine Karriere als Freak vom Teutoburger Wald. Hermann als Arminia-Fan, erkennbar am Trikot mit dem "Herforder"-Logo, das ist der kommende Sympathieträger der Region Ostwestfalen-Lippe. Der putzige Flügelhelm verleiht dem Koloss das gewisse Etwas, die schräge Unverwechselbarkeit auf dem heißumkämpften Markt der Symbole. Und schließlich könnten an der Verwandlung von Arminius in einen Arminen auch die Vergnügen finden, die sich gerne an den bizarren Windungen der Selbstreferentialität erfreuen.


Ambivalenzen

Regionalität boomt in Deutschland seit den 1980ern: als Element politischer Strategien, ökologischer und ökonomischer Konzepte wie im Alltag, auf Speisekarten und Tagen der Mundartliteratur.[51] In neuerer Zeit tritt eine Entwicklung in den Vordergrund, die ich als ästhetisch akzentuierte Identifizierung mit dem Regionalen bezeichne. Sie findet sich in der staatlichen Repräsentation von Regionalgeschichte ebenso wie in der verbreiteten Suche nach Erlebnis in der Freizeit. Wir fragten: Wie verhält sich der neue Typ regionaler Identifikationen zur symbolischen Repräsentation der Nation in der Berliner Republik und zu möglichen Steigerungen eines deutschen Nationalismus? Ich habe zu zeigen versucht, daß die ästhetischen Regionalidentifikationen nicht dem Potenzierungsmodell des Kaiserreichs entsprechen; sie eignen sich nicht besonders als Brennstoff für Staats- und Volksnationalismus. Region, die reale wie die virtuelle, ist eine unter vielen "Kulissen des Glücks",[52] die die Menschen aus ganz selbstbezogenen Motiven suchen; der ausgeprägt hedonistische Charakter paßt nicht recht zum Anspruch des Nationalismus, Opfer für die imagined community zu bringen.
Damit ist keinesfalls gesagt, wie das Hermanns-Beispiel nahelegen könnte, daß es sich hier um ein Nullsummenspiel handelt: Je mehr Erlebnis und Schönheit aus den ästhetischen und virtuellen Inszenierungen des Regionalen gezogen wird, desto schwächer die nationale Identifizierung und das nationalistische Dispositiv. Es handelt sich eher um eine Dissoziation der Elemente; sie zeigen wachsende Eigenlogik, ohne daß künftig Verknüpfungen und Dynamisierungen unter xenophobischen Vorzeichen ausgeschlossen wären. Und das Mischungsverhältnis zwischen "alten" und "neuen" regionalen Identifizierungen wäre erst noch zu untersuchen.
Mit Gewißheit kann man jedoch feststellen: Die Konjunktur des Regionalen bildet nicht die Ursache für das relativ niedrige Profil der "Berliner Republik" und für die geringe Resonanz auf zentrale Symbolisierungen des Nationalstaats. Da wären andere Gründe zu erörtern: die anhaltende Schwierigkeit, nach dem Zivilisationsbruch der Rassenmorde ein Selbstverständnis als europäische Macht zu finden; Rücksicht auf vermutete internationale Empfindlichkeiten; die verständliche Weigerung vieler Ostdeutscher, sich mit dem westdeutsch riechenden[53] Zentralstaat zu identifizieren (was, nebenbei bemerkt, auf ein großes Potential für nationalistische Radikalisierung verweist); die schlechten Integrationsmöglichkeiten für Millionen sogenannten Ausländer, die heute zur deutschen Nation zählen, was starke Tendenzen zur Selbstethnisierung und Ghettobildung hervorruft; schließlich die bemerkenswerte Abwesenheit einer öffentlichen Debatte über Probleme und Optionen der Deutschen in der Welt des 21. Jahrhunderts.
Als Bürger habe ich ambivalente Gefühle angesichts der relativen Schwäche der Angebote, sich mit der Berliner Republik als Nationalstaat der Deutschen zu identifizieren. Die Verbundenheit mit einem Ort oder einer Region mag konkreter, emotional differenzierter und sinnlicher sein als die Verbundenheit mit dem Staat, dessen Bürger man ist - aber keineswegs ist sie per se harmloser, besser oder humaner. Gute Gefühle für die Wir-Region als Quelle ästhetischer Erfahrung mögen Vorteile haben im Vergleich mit aggressivem Nationalismus oder in der Perspektive einer Sensibilisierung des Erlebens - doch ein Impuls, die Region für alle ihre Bewohner besser einzurichten, geht davon nicht unbedingt aus.
Angesichts der Geschichte des 20. Jahrhunderts empfinden das viele Deutsche anders. In der Sympathie für die kleinen Identifikationen bemerke ich auch Mißtrauen gegenüber dem Zentralstaat und eine Art Peter-Pan-Syndrom; man will sich nicht ernsthaft auseinandersetzen damit, daß Deutschland eine bedeutende Macht in dieser Welt darstellt und als solche handeln muss - weil das heißt, Entscheidungen zu treffen, die nur in Ausnahmefällen das Bedürfnis nach moralischer Eindeutigkeit und Beruhigung befriedigen.
Eine zweitrangige Episode der Debatte um das zentrale Holocaust-Memorial in der Hauptstadt hat mich nachdenklich gestimmt; sie zeigte die Kraft des regionalistischen Dispositivs und seine inhärente Borniertheit. Martin Walser bemerkte in einer Diskussion eher beiläufig, über das Mahnmal sollten eigentlich die Berliner abstimmen. "Das wäre doch viel besser, als wenn der Bundestag entschiede. Denn die Berliner müssen ja mit dem Mahnmahl leben."[54] Das Memorial, das die Deutschen (und auch das Parlament) in ihrer Hauptstadt an den deutschen Völkermord erinnert, wird zur Frage einer lebenswerten Umwelt der Berliner. Es ist ihre Region, also ihre Sache. Ich gestehe: Das macht mich sprachlos.
Andererseits brauche ich nur einen Satz zu lesen aus der Festrede am Hermannsdenkmal 1875: "Wir stehen wieder da, geehrt und gefürchtet im Rate der Völker, ihnen nicht bloß ein Volk der Denker und Dichter, sondern nun auch wehrbereit und waffengewaltig, ein Volk der selbstbewußten Tatkraft – und empfinden wird deren Wucht ein Jeder, der es wagen sollte, uns ferner zu stören in dem Werke des Friedens, das wir nun vorhaben, in dem Bemühen, auszubauen und lebensvoll zu gestalten unser neuerstandenes Reich ...".[55]
Dieser Ton ist noch nicht getilgt aus dem Reservoir möglicher deutscher Identifikationen. Als Deutscher der ersten Nachkriegsgeneration, geboren ein Jahr nach dem Ende des Nationalsozialismus, könnte ich mir für die "Berliner Republik" schlimmere Aussichten vorstellen als eine Republik von Provinzlern.



Anmerkungen und Nachweise

[1] Bis zum 10. August 1999 wurden 115 Presseberichte mit einer Gesamtauflage von 22 Mio. gezählt , dazu 18 TV-Sendungen mit einer Einschaltquote von 14,2 Mio. Quelle, auch zum Folgenden: Auswahl von PR-Veröffentlichungen anläßlich der Einkleidung des Hermannsdenkmals am 16. Juli 1999, vorgelegt von der Public Relations von Hoyningen-Huene, August 1999 [Hamburg].

[2] Münstersche Zeitung, 17. Juli 1999.

[3] Lippe Aktuell, 21. Juli 1999; vgl. auch die PR-Publikation "Ostwestfalen-Lippe", Verlagsbeilage zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 20. Oktober 1999. Ähnlich äußerte sich einer der beiden Initiatoren, Andreas Karger, Inhaber einer Werbeagentur, in einem telefonischen Interview am 20. Sept. 1999. Ihm habe ich für Informationen und Materialien zu danken.

[4] Vgl. zum Folgenden Günther Engelbert (ed.): Ein Jahrhundert Hermannsdenkmal 1875-1975. Detmold: Naturwissenschaftlicher und historischer Verein für das Land Lippe 1975; Charlotte Tacke: Die 1900-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Wald 1909 In: Manfred Hettling, Paul Nolte (eds.): Bürgerliche Feste. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1993, p. 192-230; Dies.: Denkmal im sozialen Raum. Nationale Symbole in Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1995; Dies.: Nationale Symbole in Deutschland und Frankreich. In: Heinz-Gerhard Haupt, Jürgen Kocka (eds.): Geschichte und Vergleich. Frankfurt/M.: Campus 1996, p. 131-154; Andreas Dörner: Politischer Mythos und symbolische Politik. Der Herrmannsmythos: zur Entstehung des Nationalbewusstseins der Deutschen. Reinbek: Rowohlt 1996.

[5] Tacke, Denkmal, S. 216.

[6] Vgl. Horst Callies: Arminius - Held der Deutschen. In: Engelbert, Jahrhundert, p. 33-42, hier p. 41 f.

[7] Vgl. Volker Losemann: Art. "Arminius". In: Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, ed. Hubert Cancik, Helmuth Schneider, vol. 2, Stuttgart: Metzler 1997, Sp. 14-16.

[8] URL http://www.bi-info.de/frames/angebot/biele/umland/hermann2.htm, 14. 8. 1999

[9] Schon 1975 sah Thomas Nipperdey im Monument nur noch "ein sichtbares Stück der regionalen Wirklichkeit, ein Stück ... Heimat" (Thomas Nipperdey: Zum Jubiläum des Hermannsdenkmals. In: Engelbert, Jahrhundert, p. 11-31, hier p. 31.

[10] Zit. n. Klaus Poehle: Ist europäische Identität möglich? In: Politik und Gesellschaft 3/1998 [http://www.fes.de/ipg/ipg3_98/artpoehle.html, 13. 8. 1999].

[11] Einen materialreichen Überblick über politische Versammlungen am Hermannsdenkmal von 1875 bis 1992 sowie über die Instrumentalisierung der nationalen Ikone gibt Dirk Mellies: Arminius - Der Mega Star. Mißbrauch und Vermarktung des Hermannsdenkmals von der Einweihung bis heute. [Detmold: Fotokopiertes Manuskript 1993].

[12] Mit Goethes Liebling zum Gewinn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Aug. 1999.

[13] Thomas Wirtz: Dem Schönen, Guten, Baren - Ein Gedenkjahr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Dez. 1999.

[14] Vgl. John Dewey: Art as Experience. New York: G.P. Putnam's Sons 1958.

[15] Vgl. Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/M.: Campus 1992.

[16] Vgl. ausführlicher Kaspar Maase: Nahwelten zwischen "Heimat" und "Kulisse". Anmerkungen zur volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Regionalitätsforschung. In: Zeitschrift für Volkskunde 94 (1998) S. 53-70.

[17] Auch die traditionellen Identifikationsangebote setzen auf die ästhetische Kraft alter Repräsentationsbauten oder landschaftlicher Schönheiten. Nun wird der Modus sinnlicher Erkenntnis ausgeweitet auf Felder, die sich bislang gegen ästhetische Aneignung zu sperren schienen: die Präsentation regionaler Geschichte und das Erbe der Schornsteinindustrien.

[18] Thomas Janzen: Ergebnisse einer Besucherbefragung. In: Sonne, Mond und Sterne. Kultur und Natur der Energie. Ein Rückblick. Bottrop: Pomp 2000, p. 66 f.

[19] Ebd., p. 65. Auszüge aus dem Besucherbuch ebd., p. 56-62, und in: Pressespiegel 1999. Sonne, Mond und Sterne. Kultur und Natur der Energie. Eine Ausstellung auf der Kokerei Zollverein Essen. o. O., unpaginiert.

[20] Feuer & Flamme - 200 Jahre Ruhrgebiet. Eine Ausstellung im Gasometer Oberhausen. 22. Juli bis 1. November 1994. Essen: Klartext 1994.

[21] Sonne, Mond und Sterne. Kultur und Natur der Energie. Katalog zur Ausstellung auf der Kokerei Zollverein in Essen 13. Mai bis 13. September 1999 im Rahmen des Finales der Internationalen Bauausstellung Emscher Park. Bottrop: Pomp 1999.

[22] Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 30. Sept. 1999.

[23] mittendrin. Sachsen-Anhalt in der Geschichte. Katalog zur Ausstellung im stillgelegten Kraftwerk Vockerode, 15. Mai bis 13. September 1998, hg. v. Franz-Josef Brüggemeier et al. Dessau: Anhaltische Verlagsgesellschaft 1998; unter strom. Energie, Chemie und Alltag in Sachsen-Anhalt 1890-1990. Katalog zur Ausstellung im stillgelegten Kraftwerk Vockerode 3. Juli bis 24. Oktober 1999, hg. v. Franz-Josef Brüggemeier et al. Wittenberg: Drei Kastanien Verlag 1999.

[24] Vgl. Jürg Steiner: Konversion. In: unter strom, S. 25-29.

[25] Utz Jeggle: Mittendrin. Anmerkungen zu einer historischen Schau in Sachsen-Anhalt. In: Historische Anthropologie 7 (1999) S. 336-342, hier S. 337.

[26] Gottfried Korff: Labyrinth der Bilder? Bemerkungen zur Ausstellung "Prometheus. Menschen, Bilder, Visionen". In: Historische Anthropologie 7 (1999) S. 154-164, hier S. 160.

[27] Richard van Dülmen (ed.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500-2000. Wien: Böhlau 1998.

[28] Vgl. Angela Schwarz: Vom Industriebetrieb zum Landschaftspark. Arbeiter und das Hüttenwerk Duisburg-Meiderich zwischen Alltäglichkeit und Attraktion. Essen: Klartext 2001.

[29] Vgl. Konrad Köstlin, Hermann Bausinger (eds.): Heimat und Identität. Probleme regionaler Kultur. Neumünster: Wachholtz 1980; Hermann Bausinger: Heimat und Identität. In: Elisabeth Moosmann (ed.): Heimat - Sehnsucht nach Identität. Berlin: Ästhetik und Kommunikation 1980, S. 13-29; Ders.: Heimat in einer offenen Gesellschaft. In: Heimat. Analysen, Themen, Perspektiven. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 1990, S. 76-90.

[30] Hermann Bausinger: Typisch deutsch. Wie deutsch sind die Deutschen? München 2000, p. 33.

[31] Elisabeth Noelle-Neumann, Edith Köcher (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie. Bd. 9. München: Saur 1993, S. 396; Bd. 10, 1997, S. 496 f.

[32] Bodo von Borries: Regionalgeschichtliche Motivation und regionale Identifikation bei Jugendlichen. In: Bernd Mütter/Uwe Uffelmann (eds.): Regionale Identität im vereinigten Deutschland. Weinheim: Deutscher Studien Verlag 1996, S. 152-162; Gabriele Magull: Überlegungen zur regionalen Identität und zur Nutzung der Heimatgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. In: ebd., S. 116-123.

[33] Irene Götz: "Wo ich mich so richtig als Bayer gefühlt habe". Zum Verhältnis von nationaler und regionaler Identifizierung in qualitativen Interviews. In: Daniel Drascek et al. (eds.): Erzählen über Orte und Zeiten. Münster: Waxmann 1999, S. 35-57.

[34] Vgl. Ralf Grabowski: "Zünftig, bunt und heiter". Beobachtungen über Fans des volkstümlichen Schlagers. Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde 1999.

[35] Georg Seeßlen: VOLKs TÜMLICHKEIT. Über Volksmusik, Biertrinken, Bauerntheater und andere Erscheinungen gnadenloser Gemütlichkeit im neuen Deutschland. Greiz 1993, S. 7, 43.

[36] Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Frankfurt/M: Suhrkamp 1963, p. 51.

[37] Unter den Bedingungen vollzogener staatlicher Einheit verstehe ich unter Nationalismus das von Hobsbawm formulierte Prinzip, "that the political duty ... to the polity which encompasses and represents the ... nation, overrides all other public obligations, and in extreme cases (such as wars) all other obligations of whatever kind." (Eric J. Hobsbawm: Nations and nationalism since 1780. Cambridge: Cambridge UP 1900, p. 9)

[38] Celia Applegate: A nation of provincials: The German Idea of Heimat. Berkeley: Univ. of Calif. Press 1990. [39] Alon Confino: The Nation as a Local Metaphor: Württemberg, Imperial Germany and National Memory, 1871-1918. Chapel Hill: Univ. of North Carolina Press 1997.

[40] Detlef Briesen, Rüdiger Gans, Armin Flender: Regionalbewußtsein in Montanregionen im 19. und 20. Jahrhundert. Bochum: Brockmeyer 1994.

[41] Vgl. Bausinger, Typisch, p. 151.

[42] Georg Mollat (Hg.): Siegerländer Heimatbuch. Siegen 1914, S. IV, zit. n. Detlef Briesen, Rüdiger Gans: Regionale Identifikation als "Invention of Tradition". In: Berichte zur deutschen Landeskunde, Bd. 66 (1992) H. 1, S. 61-73, Zit. S. 69.

[43] Schulze: Erlebnisgesellschaft, p. 35.

[44] Jeggle: Mittendrin, p. 340.

[45] Zum Konzept der symbolischen Regionalgemeinschaft vgl. Peter Weichhart: Raumbezogene Identität. Stuttgart: Franz Steiner 1990.

[46] Reinhard Kopiez, Guido Brink: Fußball-Fangesänge: eine FANomenologie. Würzburg: Königshausen & Neumann 1998.

[47] Michael Prosser: Stadt und Stadion. Aspekte der Entwicklung des Zuschauerfestes "Fußballveranstaltung" in Deutschland. In: Olaf Bockhorn et al. (eds.): Urbane Welten. Wien: Verein für Volkskunde 1999, S. 435-449, Zit. S. 448, Anm. 25. Dort weiteres Material zu den Choreographien sowie Internet-Adressen der Fanclubs, die ständig über die neuesten Inszenierungen informieren. 1999 gab es allein 1.761 Fanclubs des FC Bayern München in ganz Deutschland und dem Ausland (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Nov. 1999).

[48] Hermann Bausinger: Multipler Wiesengrund. In: Ders.: Der blinde Hund. Tübingen: Schwäbisches Tagblatt [1991], S. 69-71, Zit. S. 70 f.

[49] Georg Kneer, Dieter Rink: Milieu und Natur. In: Michael Hofmann et al. (eds.): Ökostile. Zur kulturellen Vielfalt umweltbezogenen Handelns. Marburg: AVK 1999, S. 121-144, Zit. S. 138.

[50] Ein Aufsatz von Michael Prosser dazu ist in Vorbereitung.

[51] Vgl. Maase, Nahwelten.

[52] Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks. Streifzüge durch die Eventkultur. Frankfurt/M.: Campus 1999.

[53] Gottfried Korff: Volkskundliche Notizen zur politischen Olfaktorik. In: Konrad Köstlin (ed.): Ethnographisches Wissen. Wien: Institut für Volkskunde 1999, p. 83-98.

[54] Martin Walser: Das Gerücht. Eine Nachricht und ihre Erfinder, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juni 1999.

[55] Geh. Regierungsrat Preuß am 16. August 1875; zit. n. Peter Veddeler: Nationale Feiern am Hermannsdenkmal in früherer Zeit. In: Engelbert, Jahrhundert, S. 167-182, Zit. S. 172.