KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 23 • 2020 • Jg. 43 [18] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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RezensionKulturation 2017
über Alexander Schiebel:
Das Wunder von Mals
Dieter Kramer
Das Wunder von Mals: Ein Protest mit möglicher Langzeitwirkung
Alexander Schiebel: Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet. München: oekom 2017. 242 S., zahlr. Abb. z.T. in Farbe.
Umschlagtext: "Eine Anleitung zum Widerstand" - Impressum: "Selbstverpflichtung zum nachhaltigen Produzieren"


Wenn die Bayer AG Schwierigkeiten im Agrarbereich hat (Börsenmeldung vom 26.10.2017), so kann das ein Zeichen dafür sein, dass die Pestizid-Branche der Firma nicht mehr so stark wie üblich wächst und man kann sich darüber freuen. Wenn die Aktionäre darüber klagen, so sollten sie daran denken, dass solche Schwankungen in der Marktwirtschaft üblich sind. Diejenigen aber, die es möglicherweise am stärksten trifft, sind die Beschäftigten, die um ihre Jobs, ihre Zukunft und ihre Lebensweise fürchten. Dass daran die Marketingpolitik ihres Unternehmens Schuld ist, das sich nicht genügend um die langfristigen Wirkungen seiner Produkte kümmert, wird genauso wenig trösten wie die Arbeiter in den SUV-Autofabriken, wenn sie sich unmittelbar von Not bedroht fühlen. Dass es denen, die unter den von ihnen produzierten Giften leiden, noch schlechter geht, dafür werden sie sich nicht verantwortlich fühlen können.

Das sind strukturelle Zwänge der „imperialen Lebensweise“, denen sich niemand so einfach entziehen kann (s. Brand, Ulrich, Wissen, Markus: Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. München: Oekom 2017).

Die Zusammenhänge sind komplex. Pestizide im Agrarbereich sind in die Kritik geraten. Die einschlägigen Unternehmen und Anwender müssen sich langfristig auf voraussehbare Änderungen vorbereiten, und die Aufgabe der Politik ist es, bei notwendigen Maßnahmen vorausschauend dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten einen Zeitrahmen haben, Alternativen zu suchen. Daran ist zu denken, wenn es um den Ausstieg aus der Pestizid-Agrarwirtschaft geht. Jüngst hat das Insektensterben in Deutschland wieder einmal Aufmerksamkeit darauf gerichtet (seit Rachel Carson und ihrem Buch „Der stumme Frühling“ von 1962 weiß man allerdings davon. Von 1982, als noch mehr Pestizide verwendet wurden, ist der auf Südtirol bezogene ZDF-Fernsehfilm von Bernward Wember „Vergiftet oder arbeitslos“, von 1983 die dazugehörige Publikation. Dem Elektriker aus einem Nachbardorf, der schon lange nach Südtirol in die Ferien fährt, ist aufgefallen, dass er dort heute kaum noch Insekten an der Autoscheibe hat).

In Mals im oberen Vinschgau (Südtirol) nicht weit vom Reschenpass hat bei einer Abstimmung am 5. September 2014 eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent der Bevölkerung sich für ein Verbot von Pestiziden in der Gemarkung ausgesprochen. Das anzuzeigende Buch von Alexander Schiebel berichtet davon (S. 148/149).

In dieser Region weitet sich nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels der für Südtirol von der Salurner Klause im Süden bis zur Gegend von Mals vorherrschende Apfelanbau nach Norden aus und trifft auf Bio-Ackerbauern und Milchbauern mit ihrer Heu- und Weidewirtschaft: Die im Apfelanbau verwendeten Pestizide kontaminieren das Viehfutter, aber auch alles, was die Leute in Mals anbauen und verzehren. Die Gesundheitsgefahren, die von den Pestiziden ausgehen, werden üblicherweise verharmlost. Aber bekannt ist z. B., dass im ganzen Südtiroler Apfelanbaugebiet die menschliche Fruchtbarkeit deutlich beeinträchtigt ist: Im Sommer werden kaum Kinder gezeugt. „Sogenannte endokrine Disruptoren (Endocrine Disrupting Chemicals: EDCs) können die Wirkungen natürlicher Hormone auf Zellen imitieren. Das Pestizid DDT ist ein prominenter Vertreter dieser Störer des Hormonsystems.“ Es wird heute kaum noch angewendet. Aber es ist bei weitem nicht der einzige Stoff dieser Art, und die Wirkungen einzelner Substanzen können sich addieren. „Selbst wenn es für einzelne Stoffe ‚sichere Grenzwerte‘ gäbe, könnten sie in der Summe mit anderen EDCs trotzdem fatale Folgen haben.“ (s. Schiffer, Christian: Auf der falschen Fährte. Chemikalien, denen wir im Alltag ausgesetzt sind, können die Sensoren der Spermien gehörig stören. In: Klartext. Ein Magazin der Klaus Tschira Stiftung Heidelberg Beilage der Zeit Oktober 2017, S. 35-37). Der Apotheker Johannes Fragner-Unterpertinger von Mals, einer der zentralen Initiatoren der Aktion, warnt mit Kollegen, Ärzten und Tierärzten der Region vor den Gefahren und ist mit seinen Kenntnissen wichtiger Informant und Mittler.

Apfelplantagen, immer noch mehrfach im Jahr mit unterschiedlichen Pestiziden behandelt (S. 16), breiten sich in die Gemarkung von Mals aus und treffen dort nicht nur auf Grünlandwirtschaft mit Milchvieh (S. 21), sondern auch auf Biobauern, die ihr Gütesiegel und damit ihr Einkommen verlieren, wenn ihre Produktionsflächen mit Pestiziden aus dem Apfelanbau kontaminiert werden. Deshalb und wegen der drohenden Gesundheitsbelastung kam es zu der Idee einer Abstimmung „Pestizidfreies Mals“.

Konflikte sind vorprogrammiert. Bei einem Diskussionsabend in Laatsch im Vinschgau verabschiedete sich 2012 der damals noch als oberster Südtiroler Denkmalpfleger tätige Leo Andergassen nach seinem Diskussionsbeitrag, weil er nach eigenen Angaben andere Termine hatte. Der Unternehmer Walter Rizzi, der die Restaurierung einiger Kapellen im Vinschgau gefördert hatte, verteidigte dann als der Protagonist des kommerziellen (nicht genossenschaftlichen) Obstanbaus die Obstplantagen: Nur wenige Wochen im Jahr würden sie mit Hagelnetzen die Landschaft beeinflussen, und man könne den Fortschritt nicht aufhalten, sonder müsse ihn gestalten. Eine Architektin meinte, die neuen großen Lagerhallen für Obst seien einfach nur die Stadl von heute. Die Rizzi-Group, erstaunlicherweise bei Schiebel trotz ihrer großen Lagerhalle in Glurns in unmittelbarer Nachbarschaft von Mals nicht erwähnt, seit 1978 bestehend, versteht sich als Lieferant von frischem Qualitäts-Obst und –Gemüse und betreibt nach eigenen Worten selbst biologischen Landbau. Gleichzeitig fördert sie die Ausbreitung der Apfelanbauzone im Vinschgau nach Norden und damit die Zerstörung der einmaligen Landschaft der Malser Heide. Ob ohne oder mit wie viel Pestiziden die Rizzi-Group arbeitet, entzieht sich meiner Kenntnis.

Im Vorfeld der Malser Abstimmung plädierten die Obstbauern bei einer Veranstaltung für ihr Recht, selbst bestimmen zu können wie sie wirtschaften. Mittlerweile, nach der Abstimmung, gibt es auch Terrorakte, die für mediale Aufmerksamkeit sorgten.

Die Apfelbauern sind meist in Genossenschaften organisiert, die für die Vermarktung der Äpfel sorgen und sich dabei wie privatwirtschaftliche Unternehmen verhalten. Sie stehen unter ökonomischen Druck durch immer ausgefeilteres Marketing, das in seinen neueren Formen ihnen von der Apfelsorte über den Einsatz von Pestiziden und Düngern alles vorschreibt und mit speziellen Methoden den Absatz betreibt.

Die sorgfältige Vorbereitung der erfolgreiche Abstimmung von 2014 zum Thema „Pestizidfreies Mals“, die rechtliche Absicherung der Aktion und die Reaktionen der Politik sind Hauptthema Thema des Buches. Auf breiter Ebene beteiligten sich viele Menschen aus der Bevölkerung daran. Besonders aktiv waren viele Frauen. In ihrer Gruppe wurde eine interessante Form der Zensur geübt: „Sog wos willscht“ (S. 88, sag was Du willst), war das Motto. „Weil wir auf keinen Fall aggressiv auftreten wollten …Wir wollten eine positive Botschaft aussenden. Wir wollten sagen, was wir wollen. Nicht, was wir nicht wollen.“ (S. 87) So entstanden Transparente wie „Gesunde Heimat für Menschen Pflanzen Tiere“ (Abb. im Bildteil). Inschriften dieser Art wurden auf alte Bettlaken gedruckt; zum vereinbarten Zeitpunkt trauten sich manche nicht und hängten die Transparente nachts ans Haus, und sahen dann am Morgen, dass am Nachbarhaus auch eines hängt. Phantasievolle Aktionen finden immer an oder leicht über der Rechtsgrenze statt.

Emotionale Komponenten spielen bei dieser Auseinandersetzung eine Rolle. Wenn man über die Malser Heide fährt oder vom Kloster Marienberg (S. 70) aus auf die Wiesen und Felder von Richtung Reschenpass bis nach Prad blickt, den Ortler am Horizont, kann leicht man nachvollziehen, dass eine intensive emotionale Bindung an diese vielfältige Landschaft besteht.

Für den Autor Schiebel spielen christlich geprägte spirituelle Dimensionen (Matthäus-Evangelium, Bergpredigt, Albert Schweitzer) eine wichtige Rolle. Ob Repräsentanten der katholischen Kirche bei der Aktion eine Rolle spielten, wird nicht erkennbar. Mit Papst Franziskus im Hintergrund würde man heute das auch etwas erwarten.

Nach der Abstimmung gibt es Phasen der Entmutigung. Neue Wege werden gefunden, den Kampf fortzusetzen, so der Umweg über den deutschen Tourismus mit der Verwandlung des Südtirol-Logos in „Pestizid Tirol“ in einer Aktion in München (S. 174). Damit soll betont werden, dass ein pestizidfreies Südtirol eine besondere Attraktivität für den ökonomisch wichtigen Tourismus entwickeln würde.

Viele agrarökologischer Informationen werden mitgeliefert: Über den Apfelanbau in Monokultur (S. 38f.) und alternative Möglichkeiten (S. 136f.), über das Bewässerungssystem der Waale (S. 41; s. auch Kramer, Dieter: Waalwege und Wachstumsgesellschaft. In: Kulturation 2012-10-26) und die alte Praxis des Bewässerns („wassern“ , S. 20), über Bodendegradation (S. 41, 77), über die Gifte (S. 57, 66). Statistisch steigt für die Menschen auch in Südtirol die Lebensdauer, aber die Anzahl der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre sinkt. Stichworte wie Resilienz (S. 105/106) und Vielfalt (S. 118, 126) werden aufgegriffen. Von Ökosystem-Leistungen ist die Rede (S. 78), von solidarischer Landwirtschaft und neuen Formen der Genossenschaften (S. 103), von agrarökologischer Wende und „holistischer Richtung“ der Landwirtshaft (S. 100, 109).

„Grundwissen des Überlebens“ heisst ein Abschnitt, und da geht es um ökologische Allgemeinbildng. Der Autor meint: „Jeder und jede sollte ein Grundwissen in Bezug auf die großen Probleme der Menschheit haben; dann würde uns auch schnell klar werden, dass es zahlreiche Lösungen für diese Probleme gibt, die sich gemeinsam verwirklichen lassen.“ (S. 79). Er reagiert kulturkritisch: „Leider aber sitzen wir Menschen untätig und tatenlos in unseren kleinen Iglus und beschäftigen uns mit der Fußballbundesliga und nehmen unsere größten Probleme nicht wahr.“ (S. 81) Aber das Schlimme ist ja, die meisten wissen um die Probleme, haben aber das Gefühl aus vorhandenen Bindungen nicht herauskommen zu können. Durch das Wissen werden die Ängste um die nahe eigene Zukunft nicht aufgehoben. Viele reagieren dann einfach resignativ („Ich allein kann nichts daran ändern“) oder trotzig („Nach mir die Sintflut“) oder durch Leugnung („Das stimmt nicht“ oder „Man kann das auch anders interpretieren“, vertraut ist neuerdings auch der Verweis auf „alternative Fakten“).

In diesem Zusammenhang ist die Auflistung der vorausschaubaren Reaktionen der „Obstbau-Lobby“ (166) wertvoll. Das schärfste Argument ist oft der Hinweis auf die Welternährung, die ohne Chemie nicht zu gewährleisten sei. Man könnte diese Liste zum Training benutzen, so wie einst die Kriegsdienstverweigerer in Deutschland sich auf die Anhörungen vorbereiteten.

Es gibt andere Überlegungen. Zitiert wird der Weltagrarbericht (S. 43, 95/96, 128), der die Leistungsfähigkeit der kleinen Landwirtschaft in der Konkurrenz mit der „integrierten“ Großlandwirtschaft hervorhebt. Es hat übrigens schon Mitte des 19. Jahrhunderts Johann Gottlieb Koppe in der Tradition von Albrecht Thaer in Preußen ein vielbenutztes Lehrbuch für eine Kreislauflandwirtschaft ohne chemische „Kunstdünger“ entworfen, und zwar auch für größere Güter.

Bausteine für eine bäuerliche Zukunft und enkeltaugliche Landwirtschaft (S. 191) werden gesucht. Denkbar wäre eine Pilotregion solidarischer Landwirtschaft (S. 144), in der auch die Verbraucher sich verpflichten, regional, saisonal und biologisch einzukaufen, und davon nur abzuweichen, wenn ein Produkt aus der Region gar nicht zu finden ist (S. 103). Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) und ihre Bilanzen gehen ähnlich vor (zu erinnern ist, dass für die meisten importierten Produkte regionale Substitute existieren, auch wenn es um Produkte aus dem „alternativen“ oder veganen Umfeld geht).

Es gibt planungsrelevante Instrumente, die nutzbar sind: Mit Selbstverständlichkeiten werden auch im Vinschgau Grenzen der Bodennutzung gesetzt, z. B. was die Bebauung anbetrifft. Die Kleinparzellierung, solange sie nicht durch „Landgrabbing“ aufgehoben wird, ist wegen der Abstandsgrenzen für die Nutzung von Pestiziden wichtig (S. 199).

Schiebel recherchiert bei den Malsern ähnlich wie bei einer ethnologischen „Feldforschung“ und liefert fundierte Informationen zu Pestiziden, Nahrungsmittelproduktion und ökologischer Landwirtschaft. Gezeigt wird auch, wie die Südtiroler Politik Hindernisse in den Weg legt oder ausweichend reagiert. Aber von der Agrarlobby wird nur andeutungsweise geredet. Die ökonomischen Zusammenhänge werden nicht analysiert. Genannt werden auch nicht die „Folterwerkzeuge“ (Kredite usf.), mit denen die Apfelbauern unter Druck gesetzt werden können oder sich erpresst fühlen. Daher werden auch keine Mittel gegen ihre Ängste genannt. So werden die Gegner nicht genügend wahrgenommen. Eine Gegenrecherche zu den Apfelbauern, die selbst nicht zu Wort kommen, und zu der Frage, wovor sie sich ängstigen, gibt es nicht. Entsprechend wird auch nicht darüber gesprochen, wie man mit diesen Ängsten umgehen kann. Dass prinzipiell eine andere Landwirtschaft möglich ist, das reicht als Perspektive nicht aus. Man muss auch den „Verlierern“ (und das ist ja die große Zahl der Apfelbauern) eine Perspektive geben. Sonst treibt man sie in die Arme der verharmlosenden Chemie-Industrie oder populistischer Bewegungen, die selbst keine Perspektive für Nachhaltigkeit haben und nur mit allen Mitteln das Bestehende verteidigen, oder, noch schlimmer, man züchtet Gewalt. Der Staat hätte dann keinen Anlass, Reformen anzustoßen. Das müsste er aber, und auch dann muss es um Perspektiven gehen.

Die „Natur des Menschen“ (S. 186) ist angeblich verantwortlich für die Pestizid-Vergiftung, irgendwie dann doch auch wieder sind es „Wir Menschen …“ (S. 81), nicht aber die freigesetzten und unbeschränkten Gewinnerwartungen der Chemiekonzerne. Deren Managern wird von der Börse (den Aktionären, auch den Rentenfonds) der Zwang auferlegt, den „Shareholder Value“ ihrer Unternehmen größtmöglich und rücksichtslosest zu steigern und sich dazu mit Lobbyarbeit staatliches und politisches Wohlwollen zu sichern. Wenn die Öffentlichkeit zu sehr Druck erzeugt, wird vielleicht im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR) etwas Green Washing betrieben. Aber das Geschäft geht weiter, obwohl eigentlich völlig neue Wege nötig wären.

Auch über das aggressive Marketing der „Obstlobby“ hätte man gern mehr erfahren (wie findet sie z.B. die Wege, die auf Russland bezogenen Exportbeschränkungen zu umgehen?).

Die Auseinandersetzungen mit der Südtiroler Landesregierung und dem Landeshauptmann Kompatscher gehen weiter (S. 226f.). Derzeit werden auch die deutschen Urlaubsgäste einbezogen. „Der wahre Motor von Südtirols Wirtschaft ist der Tourismus, nicht die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft trägt weniger als 5 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung bei.“ (S. 207) Wenn die Urlaubsgäste sich durch die Pestizidbelastung abhalten lassen, „würden dann die Touristiker unsere unbelehrbaren Obstbauern ziemlich rasch zur Raison bringen.“ Eine Urlaubsdestination frei von Pestiziden könnte mit einer „Modellregion Obervinschgau als Experimentierfeld für Südtirol“ dank der Initiative von Mals auf den Weg gebracht werden (S. 207).

Eine weitere „über sich selbst hinaustreibende Reform“ wird als Möglichkeit angedeutet: Gemeinden könnten sich wie bei der Gemeinwohlökonomie verpflichten, für ihren Bedarf in öffentlichen Einrichtungen bevorzugt regionale Produkte aus biologischer Produktion zu kaufen (S. 242). Das würde auch einen ökonomischen Anreiz für die Produzenten schaffen.

Und auch ein anderer angedachter Weg ist interessant: Wenn in Südtirol an vielen Orten regelmäßige Pestizid-Rückstandsmessungen (S. 218) durchgeführt werden, dann müssen, wenn gesundheitsgefährdende zu hohe Rückstande (z. B. auf Kindergärtengeländen) gefunden werden, die Bürgermeiser in den Gemeinden einschreiten, denn sie haben die Aufgabe, ihre Bürger vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen.

Die Auseinandersetzung ist noch nicht zu Ende. Die Malser Aktion ist ein Beispiel, wie mit viel Energie und Geduld eine möglicherweise folgenreiche Innovation auf den Weg gebracht werden kann.



Dieter Kramer Dörscheid/Loreleykreis 15. November 2017 kramer.doerscheid@web.de