KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 24 • 2021 • Jg. 44 [19] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 2/2004
Redaktion
„Perspektiven durch Kultur“ - eine neue Berlin-Debatte
Die KulturInitiative’89 hat über viele Jahre darauf gedrungen, dass für Berlin ein kulturelles Entwicklungskonzept erarbeitet wird. In Diskussionsreihen, in einzelnen Vorträgen und auf mehreren Tagungen wurden mögliche kulturelle Perspektiven der Stadt und ihres engeren wie weiteren Umlands behandelt. Als Thomas Flierl das Amt des Kultursenators antrat, war die Hoffnung groß, dass nun auch die konzeptionellen Debatten eine neue Qualität erlangen. Nun scheint sie sich endlich zu erfüllen. Im August 2004 veröffentlichte der „Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Berlin“ unter der Überschrift „Berlin: Perspektiven durch Kultur - Kulturpolitische Positionen und Handlungsorientierungen zu einer Berliner Agenda 21 für Kultur“ ein Diskussionspapier (zu finden als pdf-Datei auf der Site der Senatsverwaltung unter www.senwisskult.berlin.de). In dieser neuen Situation versteht sich auch kulturation.de als Ort der öffentlichen Debatte über die kulturellen Perspektiven von Berlin. Wir bitten unsere Leser, den nun vorliegenden konzeptionellen Vorschlag zu prüfen und ihre Meinung an die Redaktion zu senden (info@kulturation.de).

Das vom Kultursenator vorgelegte Papier endet mit einer Aufforderung zur Debatte. Diesen Schlussteil geben wir nachstehend wieder. Er kann dazu anregen, über eigene Aktivitäten nachzudenken.

Die Redaktion

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„Aufforderung zu einer öffentlichen Debatte:
Vorschläge zum weiteren Prozess


Kultur in der Stadt kann nur Ergebnis eines Prozesses gemeinschaftlichen Handelns sein. Berliner Kulturpolitik steht im Spannungsfeld von staatlicher Verantwortung und bürgerschaftlichem Handeln. Deshalb erfordert und ermöglicht kaum ein anderes Politikfeld die Vergesellschaftung politischer Willensbildung und Realisierung kulturpolitischer Entscheidungen.

Trotz vielfacher Diskurse und begründeter Vorschläge zur Zukunft der Stadt Berlin ist es bislang nicht gelungen, strategische Verabredungen für konkrete politische Umsetzungsprozesse ausreichend zu treffen.

Das vorliegende Papier „Berlin: Perspektiven durch Kultur. Kulturpolitische Positionen und Handlungsorientierungen“ ist eine Aufforderung zu einer öffentlichen, ziel- und umsetzungsorientierten Debatte an alle am kulturellen Prozess beteiligten Akteure.

Der Vorschlag zu einer „Berliner Agenda 21 für Kultur“ muss daher konkret verabredet und gestaltet werden. Dazu werden folgende Anregungen gegeben:

Zur weiteren Problemschärfung der dargelegten kulturpolitischen Positionen und Handlungsfelder werden für eine öffentliche Debatte fachpolitikübergreifende, die kulturellen Fragestellungen und Zusammenhänge der Stadt Berlin besonders berührende Themen vorgeschlagen:
- - Kultur und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Stadt: Austauschbeziehungen, Vernetzung und Kooperation
- - Kulturprozesse in der Stadt im stadträumlichen Kontext

Zu ausgewählten prioritären kulturpolitischen Handlungsfeldern sollten die Ergebnisse des Arbeitsprozesses der eingesetzten Fachgremien (z.B. Expertenkommission Bezirkskulturarbeit und Bibliotheken) in öffentlichen Foren und Anhörungen im ersten Quartal 2005 debattiert werden.

Die aus dem „Forum Zukunft Berlin e.V.“ für den Herbst 2004 angekündigten Vorschläge für die Berliner Kulturpolitik (hier insbesondere des „Forums Kultur Berlin“), werden in den Prozess zu einer „Berliner Agenda 21 für Kultur“ eingebunden.

Die Erfahrungen anderer europäischer Kulturmetropolen zu Konzeption und Prozess der Formulierung einer städtischen Kulturstrategie sind für Berlin aufzunehmen und auszuwerten. Dazu wird vorgeschlagen, an den 8. Weltkongress „Metropolis“, der in Berlin im Mai 2005 unter dem Motto „Tradition und Transformation – Die Zukunft der Stadt“ stattfinden wird, ein kulturpolitisches Panel anzuschließen. Dieses sollte bezogen auf Berlin der Aufnahme internationaler Erfahrungen bei der Formulierung von Kulturstrategien für Metropolen dienen.

Die Erarbeitung einer „Berliner Agenda 21 für Kultur“ ist dann sinnvoll, wenn sich darüber für die Berliner Kulturpolitik Ziele vereinbaren und Maßnahmen für die zentralen Handlungsfelder konkret umsetzen und gestalten lassen.

Dieser Prozess muss letztlich auf die Erarbeitung eines kulturell fundierten Politikkonzeptes der Stadt zielen. Ein solches „Kulturkonzept der Stadt Berlin“ kann nur erfolgreich sein, wenn es fachpolitikübergreifend gestaltet und bürgerschaftlich getragen ist.

Die hier vorgestellten Positionen und Vorschläge sind bestimmt von den kulturpolitischen Grundsätzen der Regierungskoalition und orientiert an den mittelfristigen finanziellen Rahmenbedingungen einer Hauptstadt im Haushaltsnotstand.

Sie sind aber auch ein Angebot und eine Einladung zum Dialog, über den Notstand hinaus zu denken und kulturpolitische Konzepte zu entwickeln, die den Reformstau zur Kenntnis nehmen und die daraus resultierende Krise als Chance begreifen.

Berlin ist das einzigartige Labor der deutschen und europäischen Einigung, weil diese hier gerade kulturell auf ebenso spontane wie selbstverständliche Weise gestaltet, reflektiert und vermittelt wird. Mit seinen historischen Brüchen muss Berlin zugleich als Kommune neu zu sich finden, sich gewissermaßen zivilgesellschaftlich neu erfinden. Vor genau diesem Hintergrund bleibt Berliner Kulturpolitik gefordert, die kulturelle Kraft der Stadt neu zu definieren.

In diesem Sinn ist die mit diesem kulturpolitischen Positionspapier verbundene Aufforderung zu einer „Berliner Agenda 21 für Kultur“ zu verstehen: Ein Anfang, offen für weitere Vorschläge und also fortzuschreiben.“