KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 24 • 2021 • Jg. 44 [19] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 2020
Dietrich MĂĽhlberg
30 Jahre Förderband – ein Grußwort
Zu dieser Jubiläumsfeier von Förderband e.V. – Kulturintiative Berlin hier im Kulturhaus „silent green“, überbringe ich Grüße und Glückwünsche der KulturInitiative’89 – Gesellschaft für demokratische Kultur. Wir gratulieren euch zu dreißig Jahren erfolgreicher Arbeit – von der auch wir immer wieder profitiert haben.
Und euer Jubiläum ist Anlass für einen kurzen Rückblick auf 30 Jahre gemeinsame Geschichte. Dies in drei Schritten

Erstens ist das eine Anmerkung zu GrĂĽndungsabsicht, GrĂĽndung und den schlieĂźlichen Folgen.
Am Anfang hatten wir unterschiedliche Motive und Absichten, gerieten dann aber in denselben Strudel.
Förderband ging es um die Arbeits- und Wirkungsmöglichkeiten aller Arten von Künstlern. In dem großen Durcheinander der Jahre 1989/90 setzten die bei euch versammelten Akteure erste Akzente der Bewahrung und Erneuerung des „Kunstbetriebs“.
Unser Gründungsmotiv war die Kulturwissenschaft. Mitte der 80er hatten wir etwa 2000 Absolventen (Direkt- und Fernstudium) in allen möglichen kulturellen Sphären und meinten, ein Berufsverband dieser Kuwis wäre gut, um die gemeinsamen Interessen in Kulturpolitik, kultureller Praxis, in Ausbildung und Forschung durchzusetzen.
Und aus der Absicht, einen Berufsverband der Kulturarbeiter zu gründen, wurde im Wirbel der Veränderungen das Konzept für eine „Kulturpolitische Gesellschaft der DDR“. Kulturminister Dietmar Keller (der zu unserer Runde gehörte) bestätigte im November unseren Antrag als Verein und dann überschlugen sich die Ereignisse.
Am 22. Dezember machten wir auf Drängen unserer westberliner Freunde die erste deutsch-deutsche kulturpolitische Tagung in der überfüllten Akademie der Künste (Mitbegründer von Förderband waren dabei) und residierten kurz darauf am Gendarmenmarkt auf zwei Etagen der ehemaligen CDU-Zentrale. Unter unserem Dach mehrere Arbeitskreise, Institute und Redaktionen - Zeit der großen Unübersichtlichkeit.
Diese Versammlung irritierter unternehmungslustiger Kulturleute aller Art war – genau wie die Schwestern und Brüder von Förderband – zum Beschäftigungsträger geworden, korrekt gesagt: zum „Träger für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“. Alles wurde nun als „Maßnahme“ organisiert und unsere Gesellschaft bauchte eine personalreiche Geschäftsführung.
Und während wir Institute, Forschungsprojekte, ein Filmstudio und zwei Redaktionen hatten, profilierte sich Förderband mit aufwendigen Kunstprojekten – Tacheles, ACUD, Pfefferberg, Kryptonale, sicherte Räume und „Fördertöpfe“.

Zweiter Abschnitt: Mitte der 90er Jahre wurden wir unsere „arbeitsmarktpolitischen“ Pflichten los und konnten uns auf unsere ursprünglichen Absichten konzentrieren: Untersuchung der kulturellen Situation, Anregung der öffentlichen Debatte, Kommunikation unter Kulturwissenschaftlern.
Das war nur möglich, weil uns nun Förderband als eines seiner Projekte absicherte. So wurden unsere Ostdeutschen Kulturtage, die Erforschung der Stadtkultur in Mitte, mehrere kulturwissenschaftliche Konferenzen, die Debattenreihen und auch die „Mitteilungen aus der kulturwissenschaftlichen Forschung“ wie das Online-Journal kulturation zu gemeinsamen Projekten. Dies auch, weil immer wieder – und dies bis heute – Kulturwissenschaftlerinnen aktiv bei Förderband mitwirkten.

Bis schließlich drittens unsere letzte Mitarbeiterin das angehäufte Material aus 25 Jahren Vereinsgeschichte in 36 Umzugskisten einordnete, die inzwischen im Bundesarchiv liegen und dort über unsere gemeinsame Geschichte Auskunft geben können. Wir räumten unser Domizil im Kulturhaus Mitte und schließlich auch das kleine Büro in der Förderband-Zentrale.
Obwohl unser Durchschnittsalter von Jahr zu Jahr ansteigt, sind wir - wie Förderband auch - immer noch ein Kreis mobiler Enthusiasten und inzwischen stark an der eigenen Geschichte interessiert. Denn was wir gemeinsam seit dem Ende der DDR, mit der erfolgreichen Sicherung und Umwandlung der Kulturlandschaft hier in Berlin erlebt haben, darf als geschichtliches Ereignis gewertet werden. Es sollte unbedingt auch festgehalten und untersucht werden. Und es ist auf jeden Fall ein guter Anlass, es bei diesem Jubiläum fröhlich zu feiern.