KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 2018
Wolfgang Herzberg
Kurze Replik auf eine Rezension von Dieter Kramer
(Siehe unten in der Rubrik Kritik die Rezension Zukunftsbündnisse für eine sozial-ökologische Zeitenwende - Manifest der Teilhabe)

In der Sache stimme ich Dieter Kramer aus zwei Gründen nicht zu:
1. Hat er selbst keinen mir alternativ-schlüssigen Ausstieg aus der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft angeboten, während meine Forderungen für alle Lebensbereiche dafür m.E. Vorschläge machen, um einen globalen Marktradikalismus auf vielen Ebenen zurückzudrängen und ein demokratisches Primat des Gemeinwohls gegenüber der weiteren Privatisierung des Reichtums möglichst mit politischen Mitteln durchzusetzen. Und dabei das bürgerliche Lager zu integrieren, wie das bürgerliche Zeitalter einst den Adel integrierte und unterordnete. Dazu geben z.B. auch viele UN-Resolutionen völkerrechtliche Handhaben, auch viele Verfassungen, die sich darauf beziehen.
2. Hat Kramer m.E. nicht verstanden, dass ein neues Verständnis von revolutionärem und evolutionärem Wandel des bürgerlichen Zeitalters, als jeweils "einfache Negationen" des Industriekapitalismus des 19. Jahrhunderts, von dem Marx ausging, durchaus die geschichtliche Basis darstellen, um darauf aufbauend, eine "Negation der Negation" von emanzipatorischen Momenten von Revolutionen und Evolutionen in der Zukunft hinzubekommen, wenn das linke Spektrum sich viel stärker solidarisiert, neu programmatisch klärt und dadurch die Kraft gewinnt, gegenüber dem bürgerlichen Lager wieder in die Offensive zu gelangen, d.h. dafür Mehrheiten zu gewinnen. Dies wird um so dringender, je mehr die globalen und nationalen, sozial-ökologischen und demokratischen Krisen eskalieren, aufgrund des kapitalistischen Markt- und Wachstumsradikalismus, bei gleichzeitiger Privatisierung des erwirtschafteten universellen gesellschaftlichen Reichtums. Es gibt m.E. keinen abrupten Ausstieg aus dieser Produktionsweise, ohne die "wirklichen Bewegungen" der Geschichte zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert neu zu begreifen und im Sinne einer Synthese der emanzipatorischen Momente aufzuheben, was auch heißt: ohne die repressiven Momente weiter zurückzudrängen. Alles andere scheint mir illusorisch und voluntaristisch, weil es vom Gang der globalen Geschichte abstrahiert.