KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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Renate Schuster
„Das wird ein Kruppsommer“
Geschichtspolitik im öffentlichen Raum
Renate Schuster







Zwischen dem 300. Geburtstag des Großen Friedrich und dem 100. des Großen Axel gab es den 200. des Großen Alfred. Passte schon - irgendwie. Vorstellbar wäre auch ein Festakt zum 25. Jahrestag des seinerzeit „bundesweit beachteten“ Rheinhausendramas, das zeitweilig das ganze Revier erfasste und sich bis 1993 hinzog. Passt weniger. Über das magische Areal, von dem jener Protest gegen die Schließung eines Kruppstandorts startete, wuchs das sprichwörtliche „Gras des Vergessen“. Der Ort ist inzwischen nicht nur physisch bis auf ein Logistikzentrum eine Brache. Ob und warum es dennoch spannend sein könnte, ihn erinnernd zu betreten, wäre zu prüfen und einen Versuch wert.



Vorab aber sei festgehalten: Öffentliches Interesse scheint der 25. Jahrestag jenes „AufRuhrs“ von Rheinhausen - derzeit nicht zu erregen.

Ganz anders der Mythos Krupp. Er lebt. Mit seinem unverwüstlichen Logo der drei Ringe, seit 1999 allerdings optisch überwölbt vom Thyssenbogen; mit seiner Villa Hügel, dem gemeinnützig und mäzenatisch agilen Stiftungssitz; mit seiner denkmalgeschützten Margaretenhöhe – einer der Gartenstadtidee verpflichteten, vor dem Ersten Weltkrieg für „minderbemittelte Schichten“ gespendeten Wohnsiedlung. Und heute? Präsenz des Firmennamens in einer Stadtlandschaft namens „Krupp-Gürtel“ am einstigen Standort der berühmten Gussstahlfabrik. Liebevoll bewahrt auch das im Krieg zerstörte und aus Anlass des 125jährigen Jubiläums originalgetreu rekonstruierte, inzwischen als Museum genutzte winzige „Stammhaus“ der Familie. Es ist malerisch platziert nahe der grandiosen Kulisse einer 2010 errichteten Firmenzentrale des ThyssenKrupp Konzerns, eines heute in 80 Ländern operierenden Technologieunternehmens. Krupps „Heimkehr“ von Düsseldorf nach Essen wurde von den Stadtvätern mit Stolz quittiert. Dankbar erinnerte man sich auch der Zuwendungen für Philharmonie und Folkwang Museum. Nun also das „Sommermärchen“ anlässlich gleich zweier Jahrestage.



Doppeljubiläen haben einen großen Vorzug. Sie gestatten, auf- und verklärende Erinnerungsarbeit zu dehnen. Auch die Touristikbranche wird davon profitieren.

Gefeiert wird einerseits die Firmengründung 1811 durch Friedrich Krupp.

Ihrer wurde bereits im November des Vorjahres mit einem Festakt gedacht, zu dem sich „Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur“ in der Villa Hügel einfand. Die „Welt“ vermerkte arglos: „Zum Fest kamen - wie eigentlich immer, wenn Krupp rief - die Spitzen der Politik.“ Gemeint waren nun nicht mehr Kaiser oder sonstige „Führer“, sondern nur noch Wulf und Kraft. Einen leibhaftigen Krupp, der hätte rufen können, gab es allerdings seit 1967 ohnehin nicht mehr. Aber es gab seinen Mythos und dessen eifrige Bewahrer.



Der andere Jahrestag galt der Geburt Alfreds im April 1812. Jenes Krupps, der mit nahtlosen Radreifen und anderem Zubehör für Eisenbahnen, schließlich allerlei Rüstungsgütern für fast jeden, der zahlte, einem aus „kleinsten Anfängen“ aufgestiegenen Konzern zur Weltgeltung verhalf. Er bescherte einer unbedeutenden Provinzstadt ein markantes Profil, grandioses Wachstum, allerdings auch schlechte Luft und gewaltige Ver- und Entsorgungsprobleme. Zu feiern war Alfred daher auch, weil er Berühmtheit erlangte mit freiwilligen (!) unternehmerischen Wohlfahrtseinrichtungen für politisch abstinente, auch in Krisenzeiten unentbehrliche Stammbelegschaften: Versicherungen gegen allerlei Lebensrisiken, Errichtung und Betrieb von Wohnsiedlungen, Konsumanstalten, Krankenhäusern, Schulen etc. Vieles davon war allerdings auch den Defiziten einer infrastrukturell völlig überforderten Kommune und den betriebswirtschaftlich lästigen, seinerzeit sehr hohen Fluktuationsraten der Arbeitskräfte geschuldet. Alfreds Nachfolger – Friedrich Alfried und der angeheiratete Gustav von Bohlen und Halbach, der sich dank Kaisergunst Krupp nennen durfte – sie folgten dem Stammherrn darin mit dem Bau weiterer Arbeiterkolonien, vor allem dann aber mit kulturellem Engagement – Bücherhallen, Bildungsverein. Ein Engagement, das über die reine Erhaltung, Nachzucht und Bindung leistungsfähiger, disziplinierter und der Firma treu ergebener Arbeitskraft hinaus erzieherisch auf den „ganzen Menschen“ zielte, ihn in allen seinen Lebensäußerungen nicht nur kontrollieren, sondern „heben“ wollte, ganz im reformpädagogischen Geiste, immer auch konkurrierend mit vergleichbaren Bemühungen in der Arbeiterbewegung.



Solches nicht nur von den Krupps seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg praktizierte unternehmerische Engagement wie auch die Bismarck‘schen Sozialreformen lieferten das Muster, nach dem „Rheinischer Kapitalismus“ einst als Erfolgsmodell einer sozial verantwortlichen und deshalb politisch befriedenden Variante von Industriegesellschaft galt. Es handelte sich gewissermaßen um Vorboten dessen, was heute hart umkämpft „Sozial- und Kulturstaat Deutschland“ genannt wird, umstritten, gefährdet, deshalb schutzwürdig (?), nun allerdings nicht mehr in Gestalt freiwilliger Wohltaten, sondern von Rechtsansprüchen, eingeschlossen das Recht auf notfalls kämpferische Verteidigung und inhaltliche Modifikation solcher Ansprüche.



Zur Meinungsbildung über die jetzt gefeierte Industriellendynastie versprach der Direktor des Essener Ruhrmuseums, Heinrich Theodor Grütter: „Das wird ein Kruppsommer“, denn 70 Veranstaltungen flankieren die am 31. 03. 2012 eröffnete Sonderausstellung auf der Zeche Zollverein „200 Jahre Krupp – ein Mythos wird besichtigt“. [1]

Enthüllungen sind nicht zu erwarten. Das Thema Krupp ist in unzähligen Büchern, Biographien, Dokumentationen, Filmen abgearbeitet. Sensationen also nicht, aber möglicherweise bemerkenswerte Perspektiven, Versöhnungsgesten und Ausblicke.

Im Gewand dargebotener Ambivalenz „wechselvoller“ Geschichte, sich dabei von Dämonisierung wie Heroisierung gleichermaßen distanzierend, bedient das Ausstellungskonzept drei mythische Stränge: Die technisch innovative Produktpalette und eine - alte Rechtsformen lange konservierende - Firmengeschichte, die Unternehmensfamilie mit ihren „großen Männern“ und „starken Frauen“, schließlich das Konstrukt einer Werksgemeinschaft von „Kruppianern“ und die seinerzeit als vorbildlich geltende betriebliche Sozialpolitik.



Wie dem Katalog und allerlei Verlautbarungen seines Herausgebers zu entnehmen, präsentiert die Sonderausstellung den Mythos Krupp in schönster Ausgewogenheit von Licht und Schatten, Höhen und Tiefen, Klischees und Wahrheit. Das sei „ganz nüchtern“ möglich, weil man die Kosten - 700 000 Euro - selber trage, daher „unabhängig“ agieren könne. Bei der Kruppstiftung habe man sich gar nicht erst bemüht. Schließlich sollte es keine Werbeveranstaltung werden, und andere private Geldgeber hätten vielleicht erstaunt gefragt, warum Krupp nicht zahle.



Wie sachlich und kritisch die Krupplegende auch zu deuten versucht wird, kaum eine Edelfeder und kaum ein Festredner verzichten darauf, den berühmten Wahlspruch jenes Alfreds von 1873 zu zitieren: „Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.“

Jedoch „Gemeinwohl“ war schon immer ein dehnbarer Begriff.

Und Alfreds „Generalregulativ“ von 1872 – eine Art „Betriebsverfassung“ – sollte auf jeden Fall auch „dienstbar“ sein zur „Abwehr socialer Verirrung“, so eine handschriftliche Notiz des Verfassers auf der Druckfassung jener Denkschrift. [2]



Der Testamentsvollstrecker des letzten Krupp, Bertolt Beitz, hatte im November altersweise in seiner Rede auf dem Hügel immerhin einen „moralischen Kapitalismus“ angemahnt, dessen Grundsätzen die Krupps jedoch nicht durchgängig gerecht geworden seien, aber man hätte sich bemüht.

Diese selbstkritischen Worte waren angebracht, denn so mancher mochte während der letzten 200 Jahre (schlechte) Gründe haben, am Segensreichtum Kruppschen Arbeitens zu zweifeln, etwa die tausendfachen Opfer „innovativster“ Waffentechnik, die Geschundenen von Zwangsarbeit, die Angehörigen von „Konjunkturbelegschaften“, für welche jene sozialpolitische Privilegierung nicht galt.

Wie dem Ausstellungskatalog zu entnehmen, werden diese Schattenseiten bei der Besichtigung des Krupp-Mythos durchaus nicht verschwiegen. Auch ist damit zu rechnen, dass sie zur Sprache kommen bei den geplanten Diskussionsrunden, Expertenvorträgen und Exkursionen entlang der Spuren Kruppscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Region.



Mythos Krupp also: Wie bei mythischen Großerzählungen nicht anders zu erwarten, präsentieren auch die Sonderausstellung und das Begleitprogramm vor allen Göttergeschichten: Genealogien und Legenden, Worte und Werke, Taten und Tempel, festliche Rituale, Jubiläen, reichlich Denkmäler und Begegnungen mit anderen Göttern: Staatenlenkern und Kulturheroen. Im patriarchalisch organisierten Kosmos dominiert das männliche Prinzip, was nicht ausschließt, das darin eben auch ein paar „starke Frauen“ ihren Platz finden.



In dieser Perspektive erscheinen „ die da unten“ vor allem als „Geschöpfe“: Geformt, vereinigt, erzogen, verschlissen in gewaltigen Arbeitswelten und „Werksgemeinschaften“. Sie treten auf als statistische Größen zyklisch an- und abschwellender Beanspruchung oder Verwerfung. Sie werden geadelt mit dem Namen ihrer Herren: „Kruppianer“, und sie sind erwähnenswert vor allem in der Empfängerrolle von Wohltaten, die dosiert vergeben werden nach dem Prinzip: „Von der Wiege bis zur Bahre“.

Der angekündigte „Kruppsommer“ formiert also einen Kommunikationsraum, in dem dynastischer Glanz, Aufstieg, gelegentliche Krisen, unverwüstliche Wandlungsfähigkeit alle Aufmerksamkeit beanspruchen. Phönix aus der Asche eben.

Wo „Malocher“ in eigener Sache aktiv wurden, etwa 1987, als sie sich gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze in Rheinhausen zur Wehr setzten, erscheinen sie in der Essener Sonderschau eher randständig. Drei Fotos und ein Filmbericht in der Fülle von 1500 Exponaten ist den Ausstellungsmachern dieses Aufbegehren wert.

Übersättigt vom reichen Angebot eines sommerlichen Krupp-Events könnte sich der sozial- und kulturgeschichtlich Interessierte in der Tradition jener „Fragen eines lesenden Arbeiters“ animiert fühlen, nun gerade dieser Revolte vor 25 Jahren einige Aufmerksamkeit zu schenken.





Die „Kruppianer“ von Rheinhausen – ein anderer Mythos wird besichtigt.



Spektakulär waren nicht Anlass und Resultat der Protestaktionen gegen den Verlust einer Arbeitsstätte, um den Erhalt von etwa 6000 Arbeitsplätzen. Denn das Zechen- und Hüttensterben, die Kohle- und Stahlkrise, kurzum der „Strukturwandel“ hatten längst ganze Industrieregionen nicht nur im Ruhrgebiet erfasst. Bemerkenswert am Fall Rheinhausen war, wie damals - analog zum jetzigen Kruppsommer - ein spezieller Kommunikationsraum gebildet, besetzt und gefüllt wurde, wie sich auch hier ein besonderes Interesse als allgemeines darzustellen suchte, wie sich dabei in großer Breite und Formenvielfalt verschiedenste Akteure, Sympathisanten, aber auch „Funktionsträger von Wirtschaft und Politik“, von Interessenverbänden und Medien mehr oder weniger freiwillig „in Bewegung“ setzten.

Im Unterschied zum planbaren Jubiläum war der damalige „Arbeitskampf“ für alle Beteiligten jedoch zunächst einer Überraschung geschuldet. Für die einen, weil sie mit dem Verlust „ihrer“ Arbeitsplätze nicht gerechnet hatten. Für die anderen, weil sie auf den erbitterten und lang anhaltenden Widerstand gegen diesen Verlust nicht gefasst waren. Was den einen vermeintlich sichere Existenz und Lebensperspektive, waren den anderen - betriebswirtschaftlich gesprochen – eben nur abzubauende Überkapazitäten.

Die Auseinandersetzung verlief entlang dieser groben Konfliktlinien. Es kam zu einer Art Lagerbildung, wobei der Ereignisverlauf auch eine große Heterogenität innerhalb dieser Lager, durchaus wechselnde Bündnisse und Gegnerschaften offenbarte.



Die Kruppianer von Rheinhausen stießen mit ihren Protesten zunächst auf großes Verständnis. Das machte sie nicht stutzig, sondern alle ihre Aktionen zielten darauf, dieses Verständnis wachzuhalten und auszuweiten. Es gelang ihnen wochenlang. Doch da ihre Macht letztlich auf nichts anderem als eben diesem „Verständnis“ beruhte, hatten sie keine Chance, als es abflaute und sich schließlich sogar ins Gegenteil verkehrte. Siegen konnten sie nicht, nur eine Verzögerung und paar Zugeständnisse herausschlagen. Gewinnen konnten sie immerhin ein Erfahrung, z.B. dass Kruppianer eben doch nichts Besonderes sind.



Als alles begann, fühlten sie sich im Recht und hintergangen, hatten Krupp-Stahlvorstand und Betriebsrat doch erst im September 1987 eine Vereinbarung getroffen, die den Erhalt des Standorts vorsah, allerdings um den Preis eines Belegschaftsabbaus von 2000 Mann. Nun erfuhren sie am 26. November 1987 beinahe zufällig aus den Nachrichten von einer Dreiecksabsprache zwischen Krupp, Thyssen und Mannesmann, nach welcher die Schließung ihrer Hütte und deren Produktionsverlagerung zu anderen Konzernen bis August 1988 beschlossene Sache war.

Dieses Vorgehen löste bei der Belegschaft Empörung, Wut und eine beispiellose Radikalität der Aktionen aus. Deren anfängliche Militanz war jedoch auch einer maßlosen Enttäuschung geschuldet. Denn über den Rahmen der üblichen Sozialpartnerschaft hinaus unterhielten Kruppianer traditionell zu „ihrem“ Unternehmen ein besonderes „Treuverhältnis“: Bezahlt mit einem geringen gewerkschaftlichen und überhaupt politischen Engagement hatten sie die Erfahrung gemacht, dass sie mit ihrem Wohlverhalten bisher ganz gut gefahren waren. Dies schien nun einseitig, zumal hinterrücks außer Kraft gesetzt. In nostalgischer Rückbesinnung auf die „gute alte Zeit“ machte sich der eine oder andere Luft mit Sprüchen wie „Wenn das der alte Krupp wüsste!“ oder „ Alfried hätte Cromme entlassen!“ Kurzum: Als der Deal „Treue gegen Treue“ aufgekündigt schien, waren sie zunächst orientierungslos. Schließlich sahen sich die Erschrockenen genötigt, auf etwas zurückzugreifen, was einem Krupp - egal welchem - gewiss nicht gefallen hätte: Sie aktivierten Versatzstücke tradierter und moderner „Bewegungskultur“, gegen die einst gerade jene legendäre Wohlfahrts- und Befriedungspolitik immunisieren sollte und es in Maßen auch tat.

Während die eine Bindung sich lockerte, trat an ihre Stelle eine andere: Nicht mehr Solidarisierung mit dem Unternehmen (wie noch beim Ruhrkampf 1923, der 13 Arbeitern das Leben kostete und in einer grandiosen öffentlichen Trauerfeier gewürdigt wurde), sondern mit anderen „Unternommenen“ und von Willkür Betroffenen.



Es fanden sich spontan „Wortmächtige“, die in eine neue Rolle und dabei durchaus in Konflikt mit ihrer alten gerieten, so der Sprecher des Bürgerkomitees, Pfarrer Kelp, so der Abteilungsleiter Laakmann, der in einer später immer wieder zitierten legendären Rede das Wasser der Wut - auch seiner eigenen - auf die Mühlen des Widerstands leitete.



Das kam so: 10 000 Menschen, also mehr als die Belegschaft zählte, hatten sich am 30. 11. im alten Walzwerk eingefunden, nachdem vorher bereits „wild“ gestreikt und ständig durch Rheinhausen demonstriert worden war. Dass der Vorstandvorsitzende Gerhard Cromme - wie schon am 27. 11. vor 1000 Arbeitern - erneut die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit der Werksschließung erklären würde, hatte man erwartet. Enttäuschend aber die Beiträge von „Hauptamtlichen“ der IGM und von Parteipolitikern wie dem damaligen sozialdemokratischen Arbeitsminister von NRW. Diese ergingen sich in Schuldzuweisungen an ferne Instanzen, signalisierten Ohnmacht und verbreiteten das Gefühl: „Hat doch alles keinen Sinn!“ In die resignative Stimmung hinein drückte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Steegmann dem Abteilungsleiter Laakmann das Mikrophon in die Hand. Und der hielt aus dem Stegreif eine von brausendem Beifall immer wieder unterbrochene Rede. Sie dauerte keine 10 Minuten, und doch hat man ihr später den Ruhm zugeschrieben, die Initialzündung geliefert zu haben für die folgenden Aktionen, weil sie den Arbeitern aus der Seele sprach und sie dazu aufforderte, sich nicht verloren zu geben, sondern zu kämpfen.



Schlicht, verständlich, mit Leidenschaft vorgetragen erfüllte die Rede ihren mobilisierenden Zweck, indem sie Schuldige benannte, gewissermaßen ein „Feindbild“ zeichnete, indem sie mit der Berufung auf den Rechtsstaat eine Legitimation für den Widerstand lieferte, und indem sie mit gehörigem Pathos eine ins Große zielende Verantwortung, gleichsam einen „Auftrag“ formulierte.



Hier ein paar Auszüge:

„Wir leben in einem freien Land. Wir leben in einem Rechtsstaat. Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Clique, eine kleine Mafia mit den Menschen in diesem Land macht, was sie will.

Ich werde oft von meinen Kollegen gefragt: Was kann ich denn alleine schon tun? Kollege, ich sage dir ganz klar: Vor einer Woche waren wir noch alleine, vor ein paar Tagen war die ganze Belegschaft da. Heute ist es die Stadt Duisburg und morgen wird es das ganze Revier sein.

Leute, das Buch der Geschichte ist jetzt aufgeschlagen. Und jetzt liegt es an euch, hier mal paar neue Seiten zu schreiben. Lasst die Generationen, die nach uns kommen, nachlesen, wie man einen Arbeitskampf führt.

Pfarrer Kelp, Ihnen sage ich: Ich bin ja kein besonders frommer Mann, aber sie haben mich in den letzten Tagen so ein bisschen inspiriert. Und da habe ich mir mal ihr Behandlungsbuch für Menschen zur Brust genommen. Und da habe ich etwas über Krupp gelesen. Da stand drin, wir hätten jahrelang die linke Wange und die rechte Wange hingehalten. Doch da habe ich auch noch was gelesen. Und das könnte in Zukunft unsere Parole sein: Jetzt heißt es: Auge um Auge und Zahn um Zahn. " [3]



Was zunächst im traditionellen Sinne nur „Arbeitskampf“ schien, werde er nun „wild“. also abseits gewerkschaftlicher „Friedenspflicht“, außerhalb des Ordnungsrahmens von Tarifrunden ausgetragen – hier wurde etwas Ungeheuerliches eingefordert, nämlich Eingriffe in Entscheidungsbefugnisse der „Wirtschaft“.

Dabei ging es nicht nur darum, ob die Werksschließung nach Rentabilitätsgesichtspunkten vernünftig und logisch nachvollziehbar war, auch nicht darum, ob man sie hätte in Absprache mit der Belegschaft rechtzeitig beraten und “sozialverträglich“ gestalten sollen, etwa durch die Bereitstellung von „Ersatzarbeitsplätzen“, durch Vorruhestandregelungen, Umschulungen etc., sondern es stand plötzlich zur Debatte, wer überhaupt das Sagen hat, wenn es um die „ganze Existenz“ von Lohnabhängigen geht. Und wo dieses „Sagen“ im Rechtsstaat Bundesrepublik angesiedelt war, darüber ließen auch wohlmeinende Politiker wie Blüm und Rau keinerlei Zweifel, womit sie zugleich die „systemischen“ Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten benannten und verfassungstreu bestätigten.



Damals in Rheinhausen jedenfalls beschäftigte die Kruppianer das für sie Naheliegende. Sie suchten zunächst in zahllosen Beratungen herauszufinden, was zu tun sei. Sie wurden dabei mehr oder weniger unterstützt, gebremst, oft auch allein gelassen, dann wieder mobilisiert von ihren gewählten Vertretern im Betriebsrat, von der für sie zuständigen IG- Metall, von den Belegschaften anderer Unternehmen, von Politikern verschiedenster Couleur in Stadt, Land und Bund.

Sie wählten für den gebremsten Weiterbetrieb des Werkes eine „stille Besetzung“. Denn ein nur destruktives Vorgehen hätte dem Konzernvorstand möglicherweise Vorwände geliefert, den Produktionsstandort sofort aufzugeben.

Sie platzierten am legendär gewordenen „Tor 1“ eine Mahnwache, die nicht nur eine Grenze symbolisierte, sondern sich allmählich auch zum Treffpunkt für den permanenten Informations- und Gesprächsbedarf jener Wochen entwickelte, damit zugleich nach außen signalisierte, was sich drinnen abspielte.

Immer wieder versammelten sie sich in der Halle des alten Walzwerks. Hier musste nicht nur Kruppmanager Cromme, sondern auch so mancher Gewerkschaftsfunktionär, so mancher Politiker wiederholt Rede und Antwort stehen und sich auf Schmähreden und Eierwürfe gefasst machen.

Man installierte einen eigenen Fernsehsender, den „offenen Kanal“, der über eine Großantennenanlage direkt in die Werkswohnungen strahlte.

Ehefrauen, Mütter gründeten eine Fraueninitiative mit 500 Mitgliedern, die sich nicht auf Brötchenschmieren und Kaffeekochen beschränken wollten, sondern eigene Demonstrationen mit „Kind und Kegel“ organisierten, bei denen auch das Lied der englischen Gewerkschaftsbewegung „Keiner schiebt uns weg“ gesungen wurde. Einige Frauen besuchten Longwy - eine französische „Stahlstadt im Abbau“. Hier besichtigten sie erschüttert, was Rheinhausen drohte. Sie sahen eine Brache, über der „schwarze Rabenvögel kreisten“. Hier gab es inzwischen eine Arbeitslosenquote von 60%, chancenlose Jugendliche, ansonsten weit und breit nichts. Auch darüber wurde im Fernsehen berichtet.

Die Kruppianer schwärmten aus: Sie besetzten Brücken, blockierten Straßen, sie „besuchten“ andere Betriebe, um deren Beistand einzufordern, und sie drangen als „ungebetene Gäste“ mehrfach in Verwaltungsgebäude des Konzerns ein, wo Aufsichtsräte über ihr Schicksal berieten. Sogar die Krupp-Zentrale in der Villa Hügel blieb nicht verschont. Beitz soll sich vor seinen „Mitarbeitern“ über die Hintertreppe in Sicherheit gebracht haben.





Zur Erinnerung hier einige Höhepunkte:

„Stahlaktiontag“ am 10. 12. 1987

Organisiert von Betriebsräten und IG-Metall, war er nicht der erste seiner Art, aber in seinen Dimensionen ungewöhnlich. An ihm beteiligten sich insgesamt 200 000 Menschen. Nicht nur Beschäftigte der Stahlindustrie, auch andere „Metaller“ sowie Autobauer von Opel, Bergleute, Hafenarbeiter, Angestellte, Studenten, Bauern. Es kam zu geplanten und spontanen Arbeitsniederlegungen, Demonstrationen, stundenweiser Blockade von Brücken und Straßenkreuzungen. Die Bevölkerung reagierte überwiegend mit Geduld und Sympathie. Polizisten sorgten für ein Mindestmaß an Ordnung. Die Aktion war schließlich angemeldet und erlaubt worden, also „rechtens“.

Viele Bewohner der betroffenen Städte schienen darauf gewartet zu haben, dass dem fortschreitenden Arbeitsplatzabbau endlich ein spektakulärer Widerstand entgegengesetzt würde. Die Befürchtung „das Revier säuft ab“ war verbreitet im Ruhrgebiet. Man verdächtigte die Konzerne, hier bisher verdientes Geld in Süddeutschland oder anderswo zu investieren, dem Pott lediglich Arbeitslosigkeit, Industrieruinen und sterbende Stadtteile zu hinterlassen. An Unruhen dieses Ausmaßes konnten sich nur die Älteren erinnern, etwa an die Proteste gegen Demontagen nach dem Krieg oder an die im Bergbau während der 60er Jahre.



Alarmierend wirkte das Beispiel Rheinhausen wohl auch insofern, als mancher sich fragen mochte: Wenn die erst vor wenigen Jahren modernisierte Krupphütte nicht verschont blieb, was hatten dann andere Industriestandorte zu erwarten? Jedenfalls schien sich die Prophezeiung Laakmanns in einem doppelten Sinne zu erfüllen: „Heute ist es die Stadt Duisburg und morgen wird es das ganze Revier sein“. Was den Protest betraf, so bestätigte sich dies immerhin für einen ganzen Tag.



Danach nahmen die „Nochnichtbetroffenen“ ihre Arbeit wieder auf, der Verkehr floss wie gewohnt. Ein Betriebsratsvorsitzender vermerkte bei einer ähnlichen Aktion „Es kann nicht jeden Tag Großkampftag sein“, und ein Thyssensprecher hatte seinesgleichen geraten: „Ohren zu und durch!“.



Über Rheinhausen aber lag weiterhin der Schatten großer Ungewissheit und Bedrohung. Hier konnte niemand zur Tagesordnung übergehen. Sie hatten ein Wechselbad der Gefühle zwischen Wut, Angst und Hoffnung auszuhalten. So waren sie denn auch begreiflicherweise empfänglich für Momente der Besinnung, des Trostes, für die Inszenierung von Gemeinschaftlichkeit.



Und wer wäre traditionell besser qualifiziert für solche Sehnsucht als ritualerfahrene Kirchenmänner! Gewerkschaftskritische Stimmen erklärten die Kirche kurzerhand zur „Ersatz-IGM“. [4] Das traf zu und auch wieder nicht. Denn der 18.12. war durchaus kein Tag der Kirche, sondern ein vom DGB–Landesverband initiierter Aktionstag der Solidarität.





Fackeln, Rosen, Rituale

Am 18.12. wurde allerdings tatsächlich im Anschluss an einen Fackelzug ins Werk hinein ein ökumenischer Gottesdienst vor 25 000 Menschen zelebriert. Und wer vor Tagen bei einer Demonstration vielleicht noch gesungen hatte: „Es rettet uns kein höh‘res Wesen.“, lauschte nun vielleicht bereitwillig dem Chorgesang: „Herr, erbarme dich“. Vielleicht war dieser Ruf auch realistisch. Denn wo „Märkte“ dies und das „forderten“, schien es naheliegend, ihren menschlichen Opfern wenigstens Erbarmen zu wünschen.

Zum Abschluss des Gottesdienstes verteilte man 5000 von der Kirche gestiftete Rosen. Sie wurden geschwenkt wie die Feuerzeuge bei Popkonzerten, aber man sang dazu das Lied amerikanischer Frauen, das anlässlich eines Streiks entstanden war: „Brot und Rosen“. Dieses emotionale Ereignis erfuhr eine Fortsetzung am 24.12. Nach Feiern im „trauten Kreise“ der Familien stand wohl nur wenigen der Sinn. Am „Tor 1“ fand erneut ein Gottesdienst statt. Und in den Weihnachtsnächten erhielt dort die Mahnwache viel Besuch und allerlei Geschenke. Hier auch feierten 1000 Kruppianer Silvester.





Eine unfromme Brückentaufe.

Am 20. Januar 1988 zogen 50 000 Hüttenwerker aus 63 Stahlwerken zu jener Brücke, die bereits am 01.12 1987 und danach mehrfach besetzt worden war, so zum Symbol des Arbeitskampfes avancierte. Mit Kühlwasser von der Stranggießanlage eines benachbarten Hoeschwerkes wurde die einstige „Admiral-Graf-Spee-Brücke“ umgetauft in „Brücke der Solidarität“. Jugendvertreter der Krupp-Lehrwerkstatt hatten in der Nacht das neue Namensschild angefertigt. Die Stadt Duisburg übernahm diesen Namen später.

Über diese Brücke wiederum spannte sich zehn Jahre später ein „Band der Solidarität“, „berührt“ von 220 000 Demonstranten gegen den verkündeten Subventionsabbau für Steinkohle und damit drohende Zechenschließungen. Sie bildeten die bis dahin längste Menschenkette der Bundesrepublik, 93 km lang, die von West nach Ost, von Neukirchen-Vluyn bis Lünen bei Dortmund reichte.





Singen und Mitsingen

Unter dem Motto „Wir lassen Euch nicht allein, ums Verrecken nicht“ organisierten junge Gewerkschafter gemeinsam mit dem sozial engagierten Verein „Künstler in Aktion“ am 20. Februar im alten Walzwerk von Krupp das „Aufruhr-Stahl-Konzert“. Mit 40 000 Teilnehmern war es das bis dahin größte Hallenfestival Europas. [5]





Tausend Feuer an der Ruhr

Eine Aktion wie die von 1997 gab es auch schon am 23. 02.1988. Unter dem Motto „Tausend Feuer an der Ruhr“ waren 80 000 Menschen im Ruhrgebiet mit Fackeln unterwegs. Sie bildeten eine Menschenkette von „Tor 1“ Rheinhausen bis zum “Tor 1“ der Westfalenhütte in Dortmund, also quer durch den Pott.





Ganz ohne Wirkung blieb der „AufRuhr“ nicht.

Von der „Kanzlerrunde“ zur Montanindustrie am 24.02.1988, bei der etwa eine Milliarde DM für den Strukturwandel im Ruhrgebiet in Aussicht gestellt wurde, profitierten die Rheinhausener jedoch nicht. Sie gingen leer aus. Am 11.04 demonstrierten sie deshalb innerhalb der Bannmeile des Landtags und sperrten die Rhein-Kniebrücke, um Landesvater Rau „Druck zu machen“. Der Ministerpräsident von NRW „moderierte“ schließlich bereitwillig zwischen Stahlkochern und Krupp-Vorstand, und er handelte die sogenannte „Düsseldorfer Erklärung“ aus: Sie enthielt Sozialpläne, komfortable Vorruhestandregelungen und Übernahmen in andere Stahlwerke. Niemandem sollte gekündigt werden.



Am 03.05. nahm die Belegschaft resignierend diesen Vorschlag an und stellte den Arbeitskampf ein. Am 28. Mai 1988 endete die Mahnwache an „Tor 1“ – dem Symbol des Widerstandes.



Und obwohl 1989 das Walzwerk und 1990 das Stahlwerk geschlossen werden sollten, viele Arbeiter bereits in den Ruhestand geschickt bzw. in anderen Werken beschäftigt waren, bewirkte kurioserweise ein „Stahlboom“ 1990 die Aufhebung des Stilllegungsbeschlusses. Nun sollte unbefristet weiter produziert werden, und das geschah zunächst auch. Doch die inzwischen „ausgedünnte“ Belegschaft fuhr dann doch Mitte August 1993 die letzte Schicht. Danach wurde die Produktion nach Hoesch-Krupp Dortmund verlagert.





Was bleibt? Viele Fragen.

Eingangs stand die Vermutung, es sei vielleicht ganz spannend, an diese 160 Tage zu erinnern. Immerhin wäre manches zu erfragen: War der „AufRuhr“ von Rheinhausen möglicherweise der Höhe- und zugleich Wendepunkt von Massenprotesten gegen eine unausweichliche „Revolution von oben“, gegen den schmerzlichen Umbau einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft? Die Deindustrialisierung Ostdeutschlands jedenfalls hat keinen vergleichbaren „bundesweiten“ Widerstand auslösen können. Oder auch gefragt: Trugen die Revolte von 1987 und auch das 1997 geknüpfte „Band der Solidarität“ konservative, modernisierungsfeindliche, gar egoistische Züge? Auch das wurde später erwogen. Von wem, lässt sich gar nicht so leicht erraten. Oder: War das Rheinhausendrama möglicherweise nur ein Zufallsprodukt von „schlecht kommunizierten“, aber notwendigen Entscheidungen, um Deutschland „wettbewerbsfähig“ zu machen? Davon jedenfalls ist Dr. Cromme noch heute überzeugt. Bertolt Beitz plagten allerdings später manche Zweifel, ob das wirklich nötig war. Doch er fühlte sich wohl auch mehr in der ein wenig altfränkischen Rolle des Eigentümers und nicht wie Cromme in der des „bezahlten Angestellten“ eines Dax - Konzerns. Und „so einer“ oder ein anderer hat sich vor allem und gefälligst um Renditeerwartungen von „Anlegern“ zu kümmern, wird daher bestenfalls nervös, wenn ein Managermagazin von „Gewinnschmelze“ schreibt oder ein Handelsblatt süffisant titelt: „Dünne Zukunft statt dicker Bertha“, womit nicht etwa die Zukunftsaussichten irgendwelcher „Kruppianer“ gemeint sind, sondern das Konzernmanagement bei seinen ehrgeizigen Projekten in aller Welt, z.B. in Brasilien, ein paar Probleme zu haben scheint. Ach ja, diese Märkte aber auch….



Wie auch immer: Zu beklagen ist sicher nicht der blaue Himmel über der Ruhr, sind nicht sanierte und begrünte Industriebrachen, wäre nicht die Ansiedlung „humanisierter Arbeitswelten“ und schon gar nicht denkmalgeschützte, kulturell genutzte Hüllen einstiger Dreckschleudern des „stählernen Zeitalters“. Zu fragen aber wäre immer wieder, ob und wie sich solcher wünschenswerte Wandel vollzieht und wer dabei auf der Strecke bleibt.

Mit einem „Kruppianersommer“ jedenfalls ist 2012 nicht zu rechnen. Aber wenigstens gab es nach 1987 noch so manchen künstlerischen Kommentar von Theater- und Liedermachern, von Malern und Dokumentarfilmern. [6]

Und dafür wird man doch wohl noch Neugier wecken dürfen!





Anmerkungen:

[1] Vgl. Katalog zur Ausstellung vom 31. März bis 04. November 2012: „200 Jahre Krupp – Ein Mythos wird besichtigt.“, Herausgegeben von Heinrich Theodor Grütter, Klartext Verlag Essen, 2012.

[2] Vgl. Klaus Tenfelde, „Krupp bleibt doch Krupp“, Ein Jahrhundertfest – das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912. Klartext Verlag Essen, 2005, S. 55.

[3] Zitiert nach einer Videodokumentation, verfügbar unter: http://video.google.de/videoplay?docid=2796168932126384586

[4] Vgl. Arbeiterpolitik. Formationsbriefe der Gruppe Arbeiterpolitik, 29. Jahrgang, Nr.1, 15. März 1988, S.9.

[5] Vgl. den lesenswerten und ausführlichen Kommentar vor allem zu den ästhetisch-künstlerischen Aspekten der Aktionen von Kaspar Maase, Die Kulturen in der Arbeiterbewegung und die Arbeiterbewegung in der Kultur. Ein Versuch am Beispiel Rheinhausen. In: Deutsche Gesellschaft für Volkskunde /Kommission „Arbeiterkultur“, Tübingen 1989, S. 102-122.

[6].Wer im Begleitprogramm der Essener Krupp-Ausstellung mit einem, wenn auch amüsierten oder triumphierende Seitenblick auf die fünfteilige Fernsehserie „Krupp und Krause“ von 1969 rechnet, wird leer ausgehen. Obwohl gerade dieser einstige „Straßenfeger“ sehr erinnerungswürdig sein könnte, weil auch hier eine „unfromme Taufe“ eine Rolle spielte: Das enteignete „Krupp-Gruson-Werk“ in Magdeburg erhielt 1953 den Namen „Schwermaschinenbau-Kombinat Ernst Thälmann“, SKET. Nach mehr oder weniger glückenden Privatisierungsversuchen in den 90er Jahren ist SKET heute ein Industriedienstleister, hat also weder mit den Krupps noch mit den Krauses etwas zu tun. Das Kürzel aber blieb kurioserweise erhalten. Welche „Skandale“ sich hinter ihm verbergen, dürfte inzwischen nur wenigen bekannt sein.