KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 2012
Männerquartett
KULTURINFARKT UND KULTURGEBRABBEL
Rezitativ

Deutschlands Kulturbetrieb steht vor dem Infarkt.
Wenn es eine ästhetische Durchdringung gibt, verdanken wir sie dem kommerziellen Sektor.
Mehr Unternehmergeist.
Wichtigtuer ertrinken in selbstreferentiellem Gebrabbel.
Kulturmanagement - nur der deutschen Sprache eigen.

Immerhin gibt es jetzt mehr nackte Haut.
Neue Medien haben Sex-Appeal.

Die Kulturindustrie ist in den Händen der Amerikaner, Japaner, Koreaner, Brasilianer.
Alle Kulturpolitik dient dazu, die Ekstase zu bremsen.
Der Kulturbetrieb ist geprägt durch Staatsnähe.
Die Krise der Kulturpolitik wird als Finanzierungskrise empfunden.

Alle Tabus sind längst gebrochen.
Das 68er Projekt war die Abschaffung der Autorität.
“Kultur für alle” - eine Hochkultur nach dem Muster der kommunistischen Länder.
Die Eintrittspreise bleiben unten.

Deutschland ist das Land der Literaturpreise.
Die Verbilligung der Kulturangebote erstickt unternehmerische Initiative.
Heute ist alles Kultur.
Berlin ist womöglich die prototypische Stadt.
Alles wurde Kultur.

Meritorische Kulturförderung verzerrt die Märkte.
Kulturwirtschaft als Retter in der Not.
An den paar schamlosen Gagen stören wir uns nicht.

Gleichberechtigung: Bürger der Phantasie.
Künftige Kulturpolitik belohnt Eigeninitiative und kulturelles Unternehmertum.
Der unumgängliche Rückbau der Infrastruktur.

DDR - vom Westen gepriesen als Paradies einer politisch gedemütigten, dafür umso kultursüchtigeren Bevölkerung.
Die Halbierung der kulturellen Infrastruktur läßt sich gut begründen.
Verknappung schafft Vielfalt.
Das amerikanische System ist Europa in der Frage der sozialen Diversität voraus.

Die staatliche Förderung von Computerspielen könnte genau das sein, was Kulturförderung heute nicht sein darf.
Ärgerlich ist, dass die Rundfunkanstalten auch journalistische Angebote im Internet zu besetzen suchen.
Wir sind keine Kulturinsel.

Jedem Kind ein Tablet würde die Schwäche von “Jedem Kind ein Instrument” ausmerzen.

(Nach Haselbach/Klein/Knüsel/Opitz komponiert von Volker Gransow)