KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 21 • 2018 • Jg. 41 [16] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 2011
Harald Dehne
Dietrich Mühlberg ist 75 geworden
Eine Feier der Kulturinitiative ´89 im Berliner Salon Rohnstock ehrte ihn
Fast alle, die im Laufe des Nachmittags erschienen, kannten sich über eine durchaus weithin berühmt gewordene und auch heute unablässiger denn je pulsierende Schnittstelle: Professor Doktor Dietrich Peter Otto Mühlberg, geboren am 29. Februar 1936 in Berlin. Theoretiker trafen auf Praktiker, originäre Kulturwissenschaftler oder fachnahe Experten auf Politiker, ganz junge Leute mit ihren Neugeborenen auf Altgestandene, ein spielwütiger Pianist auf eine sangesfreudige Diseuse. Die Parole hieß: Hier trifft sich die Berliner Kulturwissenschaft. Was eigentlich angesagt war: Hier geht es um einen integren intellektuellen Integrator.

Die Kulturinitiative ´89 hatte Freunde und Weggefährten von Dietrich Mühlberg am 19. März 2011 zu einer feierlichen Würdigung im geselligen Kreis eingeladen. Dafür bildete der Salon Rohnstock in Berlin-Prenzlauer Berg den passenden Rahmen. Anlass war der 75. Geburtstag des Altmeisters der ostdeutschen Kulturwissenschaft, der jahrzehntelang an der Humboldt-Universität zu Berlin gewirkt hat und auch – oder erst recht – im „Ruhestand“ den wissenschaftlichen Diskurs in unseren Breiten sehr nachhaltig bestimmt. Eindeutige Spuren verbreiten sich zum Beispiel gerade auch über dieses Online-Journal in die ganze Welt hinaus...

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Ina Merkel, Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin aus Marburg. Weitere Festredner waren Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba, Europäischer Ethnologe an der Humboldt-Universität, Prof. Dr. Diethart Kerbs, Berliner Fotografiehistoriker, und Prof. Dr. Lothar Bisky, Leipziger Kulturwissenschaftler und Fraktionsvorsitzender der Linken im Europäischen Parlament. Diese erste Runde beschloss ein sehr geistreicher Kurzfilm des Berliner Kulturwissenschaftlers Stefan Paubel.

In einem zweiten Programmteil erinnerten sich sowohl Fachkollegen als auch Schüler an ihre Debatten und Erlebnisse mit dem studierten Philosophen und kulturtheoretischen wie kulturhistorischen Universitätslehrer Dietrich Mühlberg in den vergangenen Jahrzehnten: So der Kunstwissenschaftler Dr. Werner Stockfisch; Dr. sc. Horst Groschopp, Kulturwissenschaftler und Direktor der Humanistischen Akademie Berlin; Prof. Dr. Jürgen Marten, Jurist und Kultursoziologe; Dr. Konstanze Kriese, Kulturwissenschaftlerin; Herr Horst, Dichter, Maschinenbauer, Übersetzer sowie Katrin Rohnstock, Germanistin und Direktorin der gastgebenden „Rohnstock-Biografien“.

Für musikalische Auflockerungen zwischen den einzelnen Beiträgen, die von Petra Schwarz, auch Kulturwissenschaftlerin aus Berlin, moderiert wurden, sorgten die mit großartiger Leichtigkeit vorgetragenen Stücke und Improvisationen von Michael Letz am Klavier. Er begleitete auch die Kulturwissenschaftlerin Gerta Stecher, die ihre Würdigung dem Jubilar und dem Publikum zunächst rezitierend und referierend vortrug, dann aber als Chansonnette auch gesanglich zu beeindrucken vermochte.

Dieser dritte März-Sonnabend, und es war in der Tat ein sonniger Abend nach einem selten schönen Tag, dem überdies auch noch der größte Vollmond seit sehr vielen Jahren folgen sollte (wenn das nichts bedeuten könnte, oder?), dieser Tag jedenfalls ermöglichte das freudige Wiedersehen mehrerer Generationen von Kulturwissenschaftlern, nicht nur aus Berlin und nicht nur als Frucht der Humboldt-Universität zu Berlin. Allen, die gekommen waren, brachte er, wie immer bei solchen Anlässen im Umfeld des Jubilars, eine fröhliche Kommunikation, geistige Anregung und viel Spaß, summa summarum: ein rundes Vergnügen im Kreise Gleichgesinnter. Und dieser Tag zeigte auch einen weiteren großartigen Erfolg der Arbeit Dietrich Mühlbergs: die kulturwissenschaftliche Gemeinde ist außerordentlich lebendig und sie lebt – glücklicherweise – durchaus verstreut, ergo einfach überall. Doch eine wichtige intellektuelle Quelle, auf die sich ungezählte Jünger und Alte beziehen, sprudelt nach wie vor ergiebig in der Mitte Berlins und damit auch Europas. Nachhaltig! Danke, Dietrich. Nun aber hurtig weitermachen!