KULTURATIONOnline Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik
Nr. 22 • 2019 • Jg. 42 [17] • ISSN 1610-8329
Herausgeberin: Kulturinitiative 89
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ReportKulturation 1/2010
Thomas Hertel
Wissenschaftliche und ästhetische Anwandlungen eines Hochgebirgstouristen
Die Redaktion hatte ihren Freund und kulturwissenschaftlichen Kollegen Dr. Thomas Hertel gebeten, ihr von seiner mehrwöchigen Reise durch Nepal einen informativen Gruß zu senden. Vor allem interessierte, ob denn eine selbst organisierte wandernde Umrundung des Annapurna-Gebirges als Mittel körperlicher Kräftigung und geistiger Erfrischung zu empfehlen sei. Inzwischen ging eine Mail aus Kathmandu ein. Wir geben sie hier geringfügig gekürzt wieder, damit sich der geneigte Leser selbst ein Bild machen kann.
Er wird dann schnell bemerken, dass unser Wandersmann seinen Reisebericht dazu nutzt, ihn vornehmlich in seine Lese- und Bilderwelten zu entführen. Leider können wir mit der Technologie von www.kulturation.de die vielen verführerischen Links nicht übernehmen, die Thomas Hertel eingebaut hat. Als Notbehelf setzen wir für Interessierte die entsprechenden Adressen in eckigen Klammern dazu. Viel Vergnügen bei der ergänzenden Lektüre wünscht die Redaktion.


Nepal


Liebe Redaktion,

ich befürchte, dass mein Reisebericht euch, die ihr ja über exzellente kulturwissenschaftliche Vorbildung verfügt, arg enttäuschen wird. Denn die Erwartungen, die sich mit Nepal (z. B. als Ursprungsregion des Buddhismus sowie mit dort vorhandenen fremden kulturellen Dingen und Verhältnissen) verbinden, kann ich bestimmt nicht erfüllen. Über das angelesene Reiseführerwissen bin ich eigentlich nicht hinausgekommen. Ich muss sogar eine mentale Verdunkelung eingestehen. Noch bei keiner meiner Urlaubsexpeditionen war das bewusstes Sein so getrübt, waren die Einsichten so dürftig - oder metaphorisch gesagt: noch nie war die geistige Luft so dünn. Meine Netze blieben weitgehend leer. Kein Fang gelang, den ich stolz vorweisen könnte. Nicht mal Anglerlatein kann ich anbieten. Und geniale Dichter haben es längst ausgesprochen:

Du mußt aus deiner Gegend alles holen,
denn auch von Reisen kommst du leer zurück,
verläßt du dich, beginnen Kapriolen
und du verlierst dir Stück um Stück.


Noch nie besaß die tiefe Wahrheit dieser Verse von Gottfried Benn für mich so starke Geltung wie bei der nepalesischen Bergwanderung.

Zur Rechtfertigung könnte ich auf eine verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit im Hochgebirge verweisen: "Es steht außer Zweifel, dass bei Aufstiegen ohne zusätzlichen Sauerstoff unser zentrales Nervensystem nicht nur in der Höhe selbst, sondern auch nach der Rückkehr vom Gipfel beeinträchtigt ist, wobei vor allem Kurzzeitgedächtnis, Konzentrationsfähigkeit sowie Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit betroffen sind. Die Alltagstauglichkeit unseres Gehirns wird offenbar nicht gestört, aber noch ist das Schadensmuster nicht hinreichend sicher bekannt." Dies das Wort einer Autorität: Klaus Mees: Aufstieg in die Todeszone. Aus dem Tagebuch eines Expeditionsarztes (München 2003, S. 96.)

Nepal


Die tückischen Berggeister lauern nicht nur auf den Achttausendern. Auch die 5416 Meter am Thorung La Pass haben es in sich. Ab einer bestimmten Höhe (sagen wir: ab 3000 m oder bei robusteren Naturen ab 6000 m) ist es für Lebewesen mit menschlicher Konstitution offenbar besser, Berge aus der Ferne zu besehen als hinaufzugehen. Selbst wenn man von der Höhenkrankheit verschont bleibt, fällt es ziemlich schwer, ein tugendhaftes Leben im Sinne der Nikomachischen Ethik des Aristoteles zu führen. Die abendliche Lektüre ist beispielsweise stark beeinträchtigt. Teils wurde ich allzu schnell von Müdigkeit überwältigt, teils hielt mich das matte Funzellicht im Zimmer (bzw. gar ein Stromausfall) vom Lesen ab. Die mitgeschleppten Bücher waren überflüssiger Ballast. Was ich gelesen hatte, blieb kaum hängen. Das gilt hauptsächlich für Michael Tomasello: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition (Frankfurt am Main 2006); das Buch hatte ich mir als Abendlektüre vorgenommen.

Die kleine Schrift von Karl Eibl: Kultur als Zwischenwelt. Eine evolutionsbiologische Perspektive (Frankfurt am Main 2009) habe ich ja noch halbwegs kapiert. Dennoch muss ich beide Bücher nun an langen Winterabenden nochmals studieren, um jenes Manko zu beheben. (Ich erwähne dies nur deshalb, weil ich euch beiläufig zeigen möchte, dass mir Anschlusslektüren zum Werk von Holzkamp-Osterkamp [http://www.kritische-psychologie.de/texte/uo1975a.html] nach wie vor am Herzen liegen.) Ich möchte meinen, dass sich die Beschäftigung mit Fachliteratur bei all meinen früheren Reisen weitaus fruchtbarer ausgewirkt hat. Solche Effekte waren diesmal nicht zu verzeichnen und daher rührt mein Unbehagen.

Nepal


Es gelang mir bedauerlicherweise auch nicht, "Weltauge" im Sinne von Schopenhauer zu sein. Wenn beim Wandern permanent die linke Fußsole und die rechte Schulter um die Wette schmerzen, kann die Gegend noch so schön sein, es ist kaum möglich, "sich rein anschauend zu verhalten, sich in die Anschauung zu verlieren und die Erkenntnis, welche ursprünglich nur zum Dienste des Willens da ist, diesem Dienste zu entziehn, d.h. sein Interesse, sein Wollen, seine Zwecke ganz aus den Augen zu lassen, sonach seiner Persönlichkeit sich auf eine Zeit völlig zu entäußern, um als rein erkennendes Subjekt, klares Weltauge, übrig zu bleiben." Damit ihr wisst wo es steht: Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung (Bd. 1), in: DERSELBE, Sämtliche Werke. Textkritisch bearbeitet und herausgegeben von Wolfgang Freiherr von Löhneysen. 5 Bände, Stuttgart/Frankfurt a. M - Nachdruck 1986, Frankfurt a. M., S. 266. Anders gesagt: Nix mit Kontemplation. Und Weisheiten wie >DER WEG IST DAS ZIEL< hält man für Witze, deren Verfallsdatum abgelaufen ist.

Nepal


Nun habe ich unterwegs durchaus auch einige interessante Dinge gesehen (und zum Teil fotografisch festgehalten). Schöne Dinge, die nach Deutung verlangen. Ich würde in diesem Zusammenhang Diderot zustimmen:
"Wenn man den Menschen [...] ausschließt, dann ist das erhabene und ergreifende Schauspiel der Natur nur noch eine traurige und stumme Szene. Das Weltall verstummt, Schweigen und Dunkelheit überwältigen es; alles verwandelt sich in eine ungeheure Einöde, in der sich die Erscheinungen - unbeobachtete Erscheinungen - dunkel und dumpf abspielen. Das Dasein des Menschen macht die Existenz der Dinge doch erst interessant." (auch hier der Nachweis: Artikel "Enzyklopädie" [1755], in: Philosophische Schriften (Berlin: Aufbau-Verlag 1961), Bd. 1, S. 186.)

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Aber auf diesem Gebiet bleibt mein Reisebericht ebenso mager. Meine Sinn-Synthesen behalte ich lieber für mich. Tretjakow hätte sie als "Individualidiotismen" diagnostiziert. Hermeneutische Reaktionen auf die Fotos sollte man ohnehin lieber dem Betrachter überlassen (- vielleicht könnte man einige Aspekte im Dialog anrühren, aber beim Monolog sind Missverständnisse vorprogrammiert).

Ich war zwar als Tourist unterwegs, habe mir jedoch wirklich Mühe gegeben, wissenschaftliche und ästhetische Anwandlungen aufkommen zu lassen. Im Zoo von Kathmandu betrachtete ich z. B. sehr aufmerksam die Affen und die zahlreichen Schulkinder, um herauszufinden, ob die These von Tomasello zutrifft, dass die Menschen beim Imitationslernen absolut überlegen sind - also viel besser Nachäffen können als die Affen, welche die Emulation bevorzugen (- hierzu konnte ich mir sogar durch das Internet, das derzeit in Kathmandu relativ stabil funktioniert, noch einmal die Erkenntnisse aus den Einzelwissenschaften in Erinnerung rufen, welche Gerhard Lauer in seinem lesenwerten Artikel über Spiegelneuronen zusammengetragen hat). [http://www.user.gwdg.de/~glauer/Publikationen/downloads/lauer_spiegelneuronen.pdf]

Aber eigentlich besteht meine Mission doch darin, mich selbst im Nachahmen zu üben und womöglich die Klassiker der Reiseliteratur zum Vorbild zu nehmen. Stattdessen sende ich Euch unsortierte Zitate und halbverdaute Lektüreresultate. Allerdings: wenn nur der Reisebericht verunglückt und dafür der Wanderer heil davon kommt, kann man ja auch schon zufrieden sein. Die Kopflastigkeit meiner umschweifenden Ausführungen ist wahrscheinlich eine Gegenreaktion auf die viele Beinarbeit. Es liegen ja rund 300 Kilometer hinter mir, denn nachdem die klassische Annapurnarunde bewältigt war, wurde noch die Strecke zum Base Camp des Machapuchare eingeschlagen. Dort verschlechterte sich leider das Wetter und die Gipfel der Siebentausender bekam man nur kurzzeitig am frühen Morgen zu Gesicht. (Die Touristen, die zum Everest Base Camp pilgerten, hat es übrigens noch viel schlimmer erwischt.) [http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,730046,00.html]

Nepal

An dieser Stelle möchte ich nun eine klare Antwort auf Eure Frage geben: Ja es lohnt sich, auf eigene Faust die Bergwelt des Himalaya zu erkunden. Man bekommt fantastische Kulissen zu sehen und kann sich unterwegs interessante Fragen durch den Kopf gehen lassen. Mir kamen (durch die oben erwähnte Reiselektüre) z. B. einige anthropologische Themen in den Sinn: Kluge Köpfe streiten sich ja noch immer über ein vermeintliches Alleinstellungsmerkmal, welches den Menschen gegenüber Primaten (- und anderen Lebewesen) auszeichnet. Tomasello hat dabei das "Verstehen anderer als intentionale Akteure" favorisiert:
"Insgesamt stimmen alle Forscher darin überein, daß im Alter von etwa neun Monaten etwas Dramatisches mit der sozialen Kognition von Säuglingen geschieht. Während die soziale Kognition von Säuglingen vor diesem Alter vieles mit der von nichtmenschlichen Primaten gemein hat, kann es keinen Zweifel daran geben, daß wir es mit einzigartigen Prozessen sozialer Kognition zu tun haben. Es ist zwar immer noch ein langer Weg in der weiteren Entwicklung, bevor Kinder so etwas wie falsche Überzeugungen verstehen. Aber im gegenwärtigen Zusammenhang ist das Verstehen anderer als intentionale Akteure der entscheidende Schritt in der Ontogenese menschlicher sozialer Kognition, weil er Kleinkindern ermöglicht, ihre lebenslange Reise entlang der kulturellen Entwicklungslinie anzutreten." (TOMASELLO 2006, 123).
Meine Absicht habt ihr natürlich längst erraten: ich will ein paar Lektüreempfehlungen geben.
Wolfgang Welsch hat die verallgemeinerte These von Tomasello hinsichtlich eines Humanpropriums kritisiert und er gab einen interessanten Hinweis auf Hirnbesonderheiten [http://www2.uni-jena.de/welsch/TomaselloWelsch.pdf] , der mir sehr einleuchtet. Auch in Nepal waren nämlich höchstens 10 Prozent meines Cortexvolumens damit beschäftigt, Berge, Pflanzen, Tiere und Leute in der Außenwelt wahrzunehmen und die Motorik des Gehens zu steuern. 90 Prozent der grauen Zellen hatten mit Sinnen und Spinnen, Fabulieren und internem Kommunizieren ... - und vor allem auch mit unbewusstem Prozessieren zu tun.

Ich ventilierte sodann ebenfalls das Stichwort >Hiatus<. Der Autor Karl Eibl ist ernsthaft davon überzeugt, dass dieser Gehlen-Terminus fruchtbar gemacht werden kann:
"Zu den aufbewahrenswerten Elementen der Lehre von Arnold Gehlen gehört der Begriff des Hiatus. Er bezeichnet die Lücke zwischen Antrieben (Bedürfnissen, Interessen) und Handlung. Anders als das Tier, so meint Gehlen, werde der Mensch nicht durch den Antrieb sogleich zur entsprechenden Handlung geführt, sondern zwischen Antrieb und Handlung gebe es eine Lücke oder einen Moment des Innehaltens, eben den Hiatus. [...] Die Technik eines Unterbrechens von Verhaltensprogrammen ist jedoch schon im Tierreich aufzufinden." (EIBL 2009, 46).

Nepal


Also muss man den Hiatus weiter präzisieren. Es gehört z. B. die Fähigkeit zur Improvisation dazu ( - die wir übrigens jenseits der westlichen Zivilisation mehrfach in Nepals Bergen zur Anwendung bringen mussten). Es geht u. a. darum, "unser Handeln auf wechselnde Umstände ein[zu]stellen. Hierin liegt, die eigentlich menschen-spezifische Fähigkeit, die für die immense Erfolgsgeschichte unserer Art verantwortlich ist, die Fähigkeit nämlich, einen riesigen Vorrat an (ganz unterschiedlich) bedingt >wahren< Informationen zu verwalten." (Ebenda, S. 54)

Und sein Fazit lautet:
"Man kann also Gehlens Hiatus-Begriff in dieser Weise modernisieren: Im kognitiven Bereich manifestiert er sich als die Möglichkeit, Informationsdomänen flexibel zu verwalten. Im emotiven Bereich ist es die Latenzzeit zwischen Simulus und Response, die überhaupt erst ein Bewußtsein von Emotionen ermöglicht." (Ebenda, 59)

Liebe Freunde, wenn ich mir das alles in der Hiatus-Latenzzeit bewusst mache, neige ich emotional dazu, die mir auferlegte Verpflichtung zum Rapport zurückzuweisen und mit Melvills Romanheld Bartleby [http://de.wikipedia.org/wiki/Bartleby_der_Schreiber] zu stammelnd: „I prefere to do not“ ! Andererseits möchte ich gern euren Wunsch erfüllen und doch etwas Sonderbares aus dem Lande Nepal berichten.

Nepal

Da bleibt allerdings bei meiner derzeitigen Gemütsverfassung nur die Schilderung einer kultischen Handlung, die ich auf vielen Stationen der Reise repetierte: Mulaa – das Rettich-Ritual. Zur Sache. Bevor man mit dem Wandern und der Umrundung des Annapurna-Gebirges beginnen kann, steht eine Fahrt von Kathmandu nach Pokhara (oder gleich direkt nach Dumre) bevor. Während der holprigen Busfahrt ist das Lesen schwer möglich. Also bleibt das Hören. Mit größtem Vergnügen hörte ich die MP3-Datei eines Radio-Essays von Arno Schmidt an. [http://www.perlentaucher.de/buch/16231.html]
Daraus ein Zitat:
"Beim Rettichessen müssen Sie an Karl Philipp Moritz denken!
'Mit einer feierlichen Mine schälte Hartknopf ihn ab, schnitt runde Scheiben davon und indem er langsam und nachdenkend die Salzkörner darauf streuete' ...
/ >streuete< nicht >streutee< sieht man die Körner richtig rieseln!
... 'und die erste Scheibe mir darreichte, blickte er mich ernsthaft an und sagte:
So oft ihr solches tut, so tut's zu meinem Gedächtnis.'"


Zu den ersten Impressionen in Pokhara gehörte prompt der Rettich (auf nepalesisch: mulaa). Solche Koinzidenz belebt natürlich die Phantasie. Also wanderten wir von Ort zu Ort und trafen tatsächlich immer wieder auf den Rettich. Wenn man irgendwo (selbst in abgelegenen Bergdörfern) einen "Green Salad" bestellt, bekommt man in Nepal meistens auch Rettich-Stücke mitserviert.

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So lag die (von Hartknopf-Moritz-Schmidt empfohlene) Abwandlung der Abendmahlsparadosis quasi auf der Hand. Rettich schmeckt am besten mit Bier. Ich würde das nepalesische Bier zwar nicht in höchsten Tönen empfehlen, aber man kann auf diese Weise eigenwillig eine literarische Eucharistie feiern. Wir gedachten dabei nicht nur der literarischen Figur Andreas Hartknopf [http://books.google.de/books?id=I8g6AAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=moritz+andreas+hartknopf&hl=de&ei=7TP3TILfDcyUswaL4vmqDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CDMQ6AEwAA] oder des Autors Karl Philipp Moritz oder des Inspirators Arno Schmidt, sondern auch vieler anderer Geistesgrößen. In einer Ästhetik-Religion gibt es eben nicht bloß einen einzigen Heiland. Natürlich verspeiste ich auch eine Rettich-Oblate im Gedenken an Günter Mayer.

Nun gut, wenigstens wurde von uns dieses Ritual eingeübt. Gelernt habe ich, wie gesagt, in Nepal wenig. Vielleicht wurden einige Vorurteile revidiert, vielleicht sind einige Illusionsseifenblasen geplatzt. Vielleicht konnte ich ebenso ein paar Einblicke gewinnen, die die demografischen Probleme von Nepal (Überbevölkerung) betreffen. Aber auch auf diesem Gebiet kann ich im Grunde nur bestätigen, was der aufmerksame Leser ohnehin weiß und in guten Reiseführern (etwa bei James McConnachie und David Reed) [http://www.stefan-loose.de/buecher/asien/nepal/] auch dokumentiert ist.

Nepal


Nepal hat nach Überwindung der Monarchie einen „zivilisatorischen Schub“ erfahren. Das Straßennetz wurde verdoppelt, die Telefonkommunikation erlebte einen enormen Aufschwung, der Analphabetismus konnte auf 42% gesenkt werden, ebenso verringerte sich die Kindersterblichkeit usw. Doch die damit einhergehende sprunghafte Bevölkerungsentwicklung brachte extreme Probleme. Alljährlich kommen nun circa eine halbe Million Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt, die meisten von ihnen haben keine Chancen, einen vernünftigen Job zu finden. Schwierigkeiten erwachsen auch durch die instabile Energieversorgung. (Davon kann ich „ein Lied singen“ - und hoffentlich stürzt während des Tippens nicht der PC ab.)

Selbst in der Hauptstadt gehören Stromabschaltungen zum Alltag. Es gibt viel Unmut über die parteipolitischen Querelen. Konsumbedürfnisse wachsen rasant und die Standards der „westlichen Welt“ halten immer mehr Einzug. Müllprobleme gehören ganz offensichtlich zu den Schattenseiten des Fortschritts. Die permanente Wirtschaftskrise wird nicht nur durch Defizite bei der Energieversorgung verursacht. Wer zu den Verhältnissen in Nepal weiterführende Informationen wünscht, kann sich beispielsweise die Ausgabe Dezember 2010 / Januar 2011 der Zeitschrift GEO-Spezial [http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_special/66385.html?t=img] besorgen und dort auch professionelle Hochglanzfotos betrachten.

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Ich sehe soeben, dass das Licht flackert. Wahrscheinlich steht die nächste Stromabschaltung unmittelbar bevor. Aber abschließend muss natürlich noch unbedingt erwähnt werden, dass ich die Bergtour „auf eigene Faust“ nur deshalb heil überstanden habe, weil meine Frau eine famose Reisebegleiterin ist und wir beim „Paarlaufen“ Pflicht und Kür gleichermaßen gut bewältigen können.

PS:
Da neuerdings die kleinen (leichten) Digitalkameras erschwinglich geworden sind, kann ich auch ein paar Fotos senden (+ sogar ein paar verwackelte, aber dafür authentische Fotoshow-Kurzfilme [http://www.vimeo.com/17392793]) . Rettich muss man roh essen - und diese Fotos und Reiseimpressionen sind quasi auch Rohkost.

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